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Alarmstufe Rot für den Main

Die extremen Temperaturen und die starke Juni-Sonne setzen dem Fluss zu: Die Wassertemperatur nähert sich dem historischen Höchststand. In der Regnitz bei Pettstadt wurde bereits am Donnerstag ein neuer Rekordwert gemessen.
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So schlimm wird es nicht kommen: Austrocknen kann der Main nur ab und an bei Arbeiten in den Schleusenkammern ... Foto: gf (Archiv)
So schlimm wird es nicht kommen: Austrocknen kann der Main nur ab und an bei Arbeiten in den Schleusenkammern ... Foto: gf (Archiv)
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Günter Flegel und Hans Kurz Wer vor der Hitzewelle ins kühle Nasse fliehen will, hat schlechte Karten: So erreichte der Main bei Kemmern am Donnerstagnachmittag eine Temperatur von 25,8 Grad. In der Regnitz bei Pettstadt wurden zwar nur 25,0 Grad gemessen. Doch das war ein neuer Rekordwert. Und am Untermain stieg die Wassertemperatur sogar auf Werte über 27 Grad. Alles andere als kühl, selbst im Tauchparadies Marsa Alam am Roten Meer in Ägypten ist das Wasser nicht wärmer. Was den Taucher dort freut, versetzt Wasserexperten hier in Alarmstimmung.

Was sich aktuell in der Natur abspielt, hat mit Normalität nicht mehr viel bis gar nichts zu tun. Die Wassertemperaturen, die von den Stationen des Landesamtes für Umwelt (LfU) unter anderem im Main bei Erlabrunn gemessen werden, sind zwar auf den ersten Blick nicht außergewöhnlich. Im Sommer kratzt der Main eigentlich immer wieder mal an der 25-Grad-Marke.

Und auch im letzten Jahr musste die Regierung von Unterfranken den Alarmplan für den Main aktivieren. "Das war aber Ende Juli, und da war weniger die Temperatur der Auslöser als vielmehr der zu niedrige Sauerstoffgehalt", sagt Johannes Hardenacke, der Sprecher der Behörde in Würzburg. Auch in den heißen Jahren 2003, 2013 und 2015 wurde es im Main erst im Juli oder August für kurze Zeit kritisch. Dass es heuer schon im Juni so weit ist, fällt völlig aus dem Rahmen.

Nun sind langfristige Wettervorhersagen nur Kaffeesatzleserei; und es ist durchaus möglich, dass der Sommer nach dem heißen Start im Juni dann im Juli und im August noch ins Wasser fällt. Aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist gering. In den letzten Jahren fielen die beiden Hochsommermonate immer überdurchschnittlich warm aus.

Keine Erfrischung aus Zuflüssen

"Wenn die jetzige Wetterlage für längere Zeit anhält, dann wird es kritisch für den Main", sagt Hardenacke. Denn mit der Fortdauer des Sommers sinkt auch der Sauerstoffgehalt im Fluss, der wegen der vielen Staustufen ja mehr ein stehendes als ein fließendes Gewässer ist. Und da auch die meisten Zuflüsse geringe Pegelstände und kritische Wasser-Werte aufweisen, bekommt der Main keine Erfrischung ab. Das könnte tödlich werden für viele Wasser-Lebewesen.

Am Donnerstagnachmittag zeigte das Wasserthermometer in Erlabrunn bei Würzburg 27,7 Grad an; am Mittwoch lag der Wert kurzzeitig über 28 Grad und damit nahe an einer neuen historischen Höchstmarke. Da am Samstag und Sonntag in Franken eine neuerliche extreme Hitzewelle erwartet wird, könnte an diesen Tagen im Main-Wasser ein neuer Hitzerekord aufgestellt werden. Auch am frei fließenden Obermain könnte es - ein, zwei Grad niedriger - dazu kommen.

Wasser wird kostbar

Das macht nicht nur den Fischen zu schaffen. In der ersten Stufe des Alarmplans für den Main, den die Regierung in Würzburg am Donnerstag in Kraft gesetzt hat, gelten bereits diverse Einschränkungen für alle, die den Main nutzen - zunächst von der Landesgrenze nach Hessen mainaufwärts bis Erlabrunn.

Wenn die kritische Lage anhält, womit die Experten rechnen, dürfte der Alarmplan auch für den Abschnitt bis Trunstadt angeordnet werden. In Trunstadt liefert die Messstation allerdings derzeit aufgrund eines technischen Fehlers einen Wert für das Mainwasser, der nicht auf der Höhe der Zeit ist: minus 4,7 Grad ... Die Fachleute arbeiten daran.

"Nach den Vorgaben des Alarmplans ist in den folgenden Tagen alles zu unterlassen, was zu zusätzlichen Belastungen im Main führen könnte", schreibt die Behörde. "Dies gilt für Schlammräumungen und Baggerungen im Main und in seinen Nebengewässern, soweit sie nicht zwingend zur Aufrechterhaltung des Verkehrs auf der Bundeswasserstraße notwendig sind", heißt es weiter in der Mitteilung der Regierung. Wenn die kritische Lage anhält, sieht der Alarmplan weitere Schritte vor, um den Fluss vor dem "Umkippen" zu bewahren.

Betriebe, die Main-Wasser etwa zur Kühlung verwenden, müssen nach dem Alarmplan mit Einschränkungen rechnen. Ein Beispiel: Wäre das Kernkraftwerk in Grafenrheinfeld noch am Netz, müsste es seinen Betrieb drosseln.

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