Kronach
Anschlag

Aktionskreis Synagoge ist geschockt, steckt aber nicht zurück

Marco Meissner Als Odette Eisenträger-Sarter am Mittwoch die Nachrichten sah, war sie geschockt, als sich der Fokus der Berichterstattung auf Halle an der Saale richtete. Der Anschlagsversuch auf eine...
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Marco Meissner Als Odette Eisenträger-Sarter am Mittwoch die Nachrichten sah, war sie geschockt, als sich der Fokus der Berichterstattung auf Halle an der Saale richtete. Der Anschlagsversuch auf eine jüdische Gemeinde in der dortigen Synagoge und die folgenden Schüsse auf weitere Menschen haben die Kronacherin entsetzt, wie in einem Telefonat zu spüren ist.

Ein Mann hatte ersten Erkenntnissen nach aus antisemitischen Gründen einen Amoklauf gestartet. "Da hat man schon ein flaues Gefühl im Magen", sagt Odette Eisenträger-Sarter. Als Vorsitzende des Aktionskreises Kronacher Synagoge geht ihr die Tat im knapp 200 Kilometer entfernten Halle sehr nah.

"Wir sind keine jüdische Gemeinde und haben auch keine jüdischen Mitglieder", erklärt die Vorsitzende. Der Gedanke für die Renovierung der Synagoge war auch kein religiöser. Das Gebäude sollte erhalten und wieder mit einem kulturellen Leben erfüllt werden. Das geht allerdings nicht, ohne sich auch mit der Geschichte der Juden in Kronach zu befassen. Und so soll das Gebäude heute zwar einerseits Veranstaltungsraum, andererseits aber auch Gedenkstätte sein, wie es auf der Homepage des Aktionskreises heißt.

Könnte sich Odette Eisenträger-Sarter daher vorstellen, dass sich der Hass aus rechten Kreisen auch gegen den Aktionskreis und sein Gebäude richten könnte? "Viele Kronacher waren inzwischen schon in der Synagoge", berichtet sie von einer in großen Teilen der Bevölkerung guten Resonanz auf die Angebote des Aktionskreises. "Und wir werden auch nicht als eine Gemeinde wahrgenommen." Aber man wisse nie. Sie selbst habe vor Jahren ja schon "Aufklärungsheftchen" mit rechter Ideologie in ihrem Briefkasten vorgefunden.

Könnte der Anschlag von Halle sich auf die künftige Vereinsarbeit auswirken? Hierzu sagt die Vorsitzende ganz klar: "Nein!" Der Arbeitskreis sei seit mittlerweile 27 Jahren aktiv. "Wenn wir jetzt zurückstecken, dann haben wir verloren", ist sie überzeugt. Schließlich gelte es, "zu stehen wie eine Eins", um Zuständen wie 1938 vorzubeugen.

Aus diesem Grund ist es ihrer Meinung nach auch wichtig, dass sich solche grausamen Ereignisse wie in Halle in den Medien widerspiegeln - was nicht jeder so sehe. "So etwas darf man nicht totschweigen", betont sie.

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