Bamberg

Aktion war "völliger Schwachsinn"

Eine Brandstiftung und eine gemeinschädliche Sachbeschädigung haben einem 32-jährigen Berufskraftfahrer aus dem Landkreis Bamberg eine zehnmonatige Bewährungsstrafe eingebracht.
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Der ausgebrannte Pkw an der Straße nach Weiher, den der Angeklagte in Brand steckte. Foto: FFW Viereth
Der ausgebrannte Pkw an der Straße nach Weiher, den der Angeklagte in Brand steckte. Foto: FFW Viereth

Der Angeklagte hatte ein am Straßenrand abgestelltes Fahrzeug angezündet und dabei völlig zerstört. Dafür hat er jetzt vor dem Amtsgericht eine zehnmonatige Bewährungsstrafe aufgebrummt bekommen. Das finanziell dicke Ende aber kommt erst noch.

Als die Freiwillige Feuerwehr Viereth ausrückt, können die Einsatzkräfte die Rauchsäule schon von weitem sehen. Neben der Verbindungsstraße nach Weiher brennt ein alter Polo lichterloh. Obwohl zwei Trupps mit schwerem Atemschutz angreifen, ist der Totalschaden nicht mehr zu verhindern. Wobei sich der angesichts des schrottreifen Zustandes auf gerade einmal 600 Euro schätzen lässt. Eineinhalb Stunden ist die Fahrbahn gesperrt, auch um die Ursache des Feuers feststellen zu können.

Es dauert mehr als eine Woche, dann sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft in der JVA Bamberg, streitet aber jegliche Beteiligung ab. Dass es sich um keine spontane Selbstentzündung handelt, ist vor Ort schnell klar. Nur welcher Brandbeschleuniger ausgebracht wurde, das kann auch ein Gutachten des Landeskriminalamtes Bayern nicht endgültig klären. Der Angeklagte wird vor dem Schöffengericht von Bauschaum reden, den er zufälligerweise im Innenraum vorgefunden habe. So zufällig, wie er sich von seiner Freundin an den Tatort hat chauffieren lassen. "Es lag auf dem Heimweg." Denn die Tat räumt der Mann nun erstmals unumwunden ein.

Kleinkrieg mit Widersacher

"Die Aktion war völliger Schwachsinn." In dürren Worten ist von der Mutter des Halters die Rede, die ohne Führerschein und Haftpflichtversicherung damit durch die Gegend kurve. Der habe er Einhalt gebieten wollen. Offensichtlich aber hatte sich der Angeklagte darüber geärgert, dass sein Widersacher, mit dem er sich seit längerer Zeit einen Kleinkrieg liefert, das Fahrzeug einfach abgestellt hatte. Ohne Nummernschilder, um die Halterfeststellung durch die Polizei zu erschweren. An der Frontscheibe hatte ein unübersehbarer Aufkleber mit einem Durchmesser von zwölf Zentimetern die unverzügliche Entfernung angeordnet.

Nur passiert war tagelang nichts. Was teuer werden könnte für den Eigentümer, dem ein Bußgeld des Landratsamtes Bamberg von bis zu 50 000 Euro wegen illegaler Abfallbeseitigung droht. Nur der geringe Schaden und die Tatsache, dass Gebäude und ein Waldgebiet mehrere hundert Meter entfernt lagen und durch die Flammen nicht gefährdet wurden, bringt Staatsanwältin Christiane Schütte dazu, einen minder schweren Fall anzunehmen.

Beim Motiv kann sie dem Angeklagten allerdings nicht folgen: "Dass Sie Verkehrspolizei spielen wollten, das glaube ich Ihnen nicht." Zumal der Brandstifter vor fünf Jahren bereits am Amtsgericht Lüdenscheid wegen einer gefährlichen Körperverletzung und im letzten Jahr am Amtsgericht Bamberg wegen Drogenkaufs zu empfindlichen Geldstrafen verurteilt worden war.

"Es war eine sinnlose Tat, mit der sie ihm eins reinwürgen und es ihm heimzahlen wollten." Die genauen Hintergründe der Streitigkeiten wollte Rechtsanwalt Christian Barthelmes aus Bamberg freilich nicht preisgeben, um nicht weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Nun verhängte der Vorsitzende Richter Michael Herbst eine zehnmonatige Bewährungsstrafe und 2400 Euro Geldauflage zugunsten des Frauenhauses Bamberg. "Seien Sie froh, dass es kein trockener Sommer war, sonst hätte die Umgebung in Flammen stehen können."

Das böse Erwachen für den Angeklagten ist damit aber noch nicht vorbei. Zum einen gilt es den Schaden am Fahrzeug (600 Euro) und an der Warnbake der Gemeinde Viereth (111,50 Euro) zu begleichen. Die hatte den fließenden Verkehr vor dem Hindernis warnen sollen und hatte die Hitze nicht vertragen. Und dann kommt ja noch die Rechnung der Feuerwehr, die knapp 1100 Euro ausmacht. Von den Kosten für die Polizeistreife und das Rettungsdienstfahrzeug, die auch zum Tatort geeilt waren, noch gar nicht zu sprechen.

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