Herzogenaurach
Ende

Aktion "500 Deckel für ein Leben ohne Kinderlähmung" wird eingestellt

Seit 1988 haben sich die Rotary-Clubs in aller Welt mit dem Projekt "End polio now" dem Kampf gegen die Kinderlähmung verschrieben. Gab es damals noch 125 Länder mit pro Jahr 350 000 neuen Infektionen...
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Hendrik Seegebarth hat zum Schluss 50 Sammelstellen im westlichen Landkreis betreut. Foto: Richard Sänger (Archiv)
Hendrik Seegebarth hat zum Schluss 50 Sammelstellen im westlichen Landkreis betreut. Foto: Richard Sänger (Archiv)

Seit 1988 haben sich die Rotary-Clubs in aller Welt mit dem Projekt "End polio now" dem Kampf gegen die Kinderlähmung verschrieben. Gab es damals noch 125 Länder mit pro Jahr 350 000 neuen Infektionen, so konnte dank umfassender Impfmaßnahmen seither die Zahl der jährlichen Neuinfektionen auf weniger als 30 gedrückt werden. Nur noch in drei Ländern - Afghanistan, Pakistan und Nigeria - ist die Bevölkerung laut Rotary akut von Polio-Viren bedroht.

Diesen Erfolg hat Rotary nicht allein erzielt, sondern in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem Kinderhilfswerk Unicef sowie der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC. Diese Global Polio Eradication Initiative (GPEI), zu der seit 2009 als weiterer Partner die Bill & Melinda Gates Foundation gehört, arbeitet an einer dauerhaften Unterbrechung der Infektionskette - und ist entschlossen, dieses Ziel zu erreichen. Die Kinderlähmung soll nach den Pocken die zweite Krankheit sein, die vom Erdboden verschwindet.

Seegebarth zieht Bilanz

Unterstützung bekam Rotary seit 2013 auch durch die Aktion "500 Deckel für ein Leben ohne Kinderlähmung", die der Verein "Deckel drauf" ins Leben gerufen hat. Dabei wurden Kunststoffdeckel von Ein- und Mehrwegflaschen, Getränkekartons oder auch das gelbe Überraschungsei gesammelt und an Verwertungsunternehmen verkauft, die daraus Granulat herstellen. Mit dem Erlös für je 500 Deckel konnte eine Impfung finanziert werden.

In Herzogenaurach hat sich Hendrik Seegebarth seit Januar 2015 für die Aktion eingesetzt und im gesamten westlichen Landkreis in Schulen, Kindergärten und Discountern insgesamt 50 Sammelstellen betreut In der letzten Zeit kamen so 50 000 Deckel wöchentlich zusammen, berichtet Seegebarth. Allerdings wird die Deckelsammlung Ende Juni eingestellt, unter anderem weil die Preise auf dem Markt für Sekundärrohstoffe zuletzt deutlich gesunken sind. Hintergrund dieser Preisentwicklung seien Marktverschiebungen, die durch das chinesische Importverbot für Kunststoffabfälle ausgelöst wurden. Es könne daher nicht sichergestellt werden, dass "Deckel drauf" auch in Zukunft die Erlöse erzielt, die erforderlich sind, um das Motto der Sammlung zu erfüllen, heißt es auf der Internetseite des Vereins.

Außerdem habe die EU festgelegt, dass künftig die Deckel fest mit den Flaschen verbunden sein müssen. Mittelfristig gehe so das Sammelmaterial aus. Außerdem sei das Projekt inzwischen so groß geworden, dass die Ehrenamtlichen des Vereins überfordert seien, weshalb man es nun beenden wolle. Aus Herzogenaurach meldet Seegebarth 23 Millionen gesammelte Deckel und damit 46 000 finanzierte Schluckimpfungen. red

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