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Schney

Akademie bildet aus

Das Tagungshaus Schloss Schney kann nicht nur, aber eben auch mit Zahlen beeindrucken: 122 Betten, zehn Tagungsräume und 30 Mitarbeiter. Inklusive Azubis.
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Eine der Neuigkeiten, die man auf Schloss Schney in und an die Hand nahm: Ausbildung. Die Leitung, Susann Biedefeld und Martin Lang (Mitte), darf sich auf zwei Flügel verlassen: Florbela de Jesus Lomba (l.) als Auszubildende und Pia Horn (r.) als Ausbilderin. Foto: Häggberg, gemalt von Johanna
Eine der Neuigkeiten, die man auf Schloss Schney in und an die Hand nahm: Ausbildung. Die Leitung, Susann Biedefeld und Martin Lang (Mitte), darf sich auf zwei Flügel verlassen: Florbela de Jesus Lomba (l.) als Auszubildende und Pia Horn (r.) als Ausbilderin. Foto: Häggberg, gemalt von Johanna

Ersatz plus eins. So ließe sich knapp gesagt ausdrücken, was sich in der Franken-Akademie auf Schloss Schney 2019 personell tat und künftig tun wird. Kurios dabei: Das für politische Bildung bekannte Haus bildet nun erstmalig selbst aus.

In einer Pressekonferenz boten sich am Dienstag Einblicke und allerlei Ausblicke. 122 Betten und zehn Tagungsräume, 30 Mitarbeiter. Beachtliche Zahlen für das mit moderner Medientechnik ausgestattete Bildungshaus im nördlichen Lichtenfelser Stadtteil. Aber eine andere Zahl ist auch interessant: 1951. Das ist das Jahr, seit dem das Bildungshaus besteht und bislang seien eben nie die Umstände danach gewesen, selbst auszubilden. Die das bei der Pressekonferenz erklärt, ist Susann Biedefeld, langjährige SPD-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der Franken-Akademie. Ihr zur Seite sitzt Geschäftsführer Martin Lang und ihm wiederum ist es zu verdanken, dass zwei junge Frauen jüngst an den Universitäten in Erlangen und Regensburg im Aushang bzw. auf der Homepage die Entdeckung machten, dass die Schneyer Akademie eine gute Wahl für eine mehrmonatige Praktikantenstelle wäre. Die Rede ist von Antonia Killmann und Martina Mühlbauer, wissenschaftliche Praktikantinnen in der Politikwissenschaft.

Doktorandin aus London

Hinter ihnen, in aller Bescheidenheit, hat Katharina McLarren Platz genommen, eine einstige Studentin an der renommierten London School of Economics. Unter 80 Mitbewerbern, so heißt es, ist die Politikwissenschaftlerin und Doktorandin der Islamwissenschaften ausgesucht worden und wird nun für den Bereich Seminarorganisation verantwortlich zeichnen. Doch das alles scheint optisch Nebensache, denn wer am selben Tisch und in einer Reihe neben Biedefeld und Lang sitzt, ist eben Florbela de Jesus Lomba. Eine mild wirkende Frau, studierte Betriebswirtschaftlerin, 25 Jahre alt, mit portugiesischer Staatsbürgerschaft, luxemburgischen Wurzeln und einem erstaunlichen Repertoire an Sprachen. Ihr Deutsch ist akzentfrei, ihr Französisch auch, ihr Portugiesisch dürfte es ebenfalls sein und dass sie in englischer und luxemburgischer Sprache zu kommunizieren weiß, versteht sich von selbst. Sie ist Azubi für den Beruf Bürokauffrau, ausgewählt aus acht Bewerbungen.

Aber: Neben ihr sitzt noch jemand und der hat aufzupassen. Die Rede ist von Pia Horn, Bürokauffrau mit Ausbildereignung, erfahren im Büromanagement und so etwas wie eines der Gesichter der Akademie. "Sie prägt schon das Haus seit 2011", heißt es in der Runde. Wird sie eine strenge Ausbilderin sein?

Horn schaut auf ihre Nachbarin, lacht und wiegelt ab. Um streng sein zu müssen, hält sie Florbela de Jesus Lomba zu viel zugute. "Wir wollen, dass die Franken-Akademie mehr bekannt wird", heißt es seitens Biedefeld und Lang. Das klingt nach Marktoffensive. Tatsächlich ist verstärkte Akquisetätigkeit zu beobachten. Seit diesem Jahr betreibt die Franken-Akademie auch in anderen Bundesländern Werbung. "Wir nutzen das Portal Bildungsurlaub.de", so Martin Lang.

Hintergrund: das in den meisten Bundesländern gültige Bildungsurlaubsgesetz, welches Arbeitnehmern Bildungsurlaube unter bestimmten Voraussetzungen gewährt. Eine weitere Neuerung ist auch, dass die Praktikantenstellen bzw. eine Stelle im Bundesfreiwilligendienst seit Mai regelmäßig besetzt sein werden. Wohnraum hält das Haus für die Dauer der Praktika vor. Ja, es gab scheidende Mitarbeiter, aber sie sind nun ersetzt worden. Man ist durch die Praktikantinnen sogar einer mehr, nicht mehr 29 Köpfe zählend, sondern 30.

Bei allen Neuerungen personeller Art wird es in dem Haus bei den bisherigen Standbeinen bleiben. Politische Bildung für alle Bürger, aber mit besonderer Nähe zur Bundeswehr und Gewerkschaften, Tagungshaus mit Tagungsräumen sowie sonntäglich öffentlicher Gaststätte.

Zurück zu Florbela de Jesus Lomba. Ihr Studienfach, so erklärt die Frau, habe auch Fragen zur nachhaltigen Entwicklung eines Unternehmens beinhaltet. Irgendwie fordert ihre Person eine Frage heraus: Fühlen Sie sich nicht überqualifiziert? "Ab und zu schon", erklärt sie und lacht. Und rückt etwas gerade: Sie hat nicht nur Freude am Beruf, sie hat Freude am Betrieb. Also am Hiersein, an der Kollegialität, der Baulichkeit, dem Haus eben. "Die Leute hier sind aufmerksam, diese Aufmerksamkeit kannte ich so noch nicht", erklärt die Frau mit Blick auf das Verbringen ihres ersten Lehrjares anderswo.

Ihr Lebensmittelpunkt ist im Landkreis und so wie es derzeit aussieht, plant sie auch nach der Ausbildungszeit zu bleiben. Diesbezüglich grünes Licht gibt Martin Lang allen Neuen. "Wir wollen mit den Leuten möglichst langjährig zusammenarbeiten." Auf "Neue" als Azubi in der Gastronomie muss er noch warten. Diesbezüglich seien keine Bewerbungen eingegangen, aber jederzeit willkommen.

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