Kulmbach

Agenten mitten unter uns

Zum Jubiläum "30 Jahre Mauerfall" warf der Bayreuther Autor Peter Engelbrecht einen Blick zurück auf das Oberfranken zu Zeiten des Kalten Krieges.
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Peter Engelbrecht erläuterte die ehemalige deutsch-deutsche Grenze in Oberfranken. Fotos: Uschi Prawitz
Peter Engelbrecht erläuterte die ehemalige deutsch-deutsche Grenze in Oberfranken. Fotos: Uschi Prawitz
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"Auch wenn die Mauer aus Stein gefallen ist, in den Köpfen ist sie oft immer noch vorhanden", sagte Thomas Nagel, Leiter der Akademie für Neue Medien in Kulmbach, am Donnerstagabend. Zusammen mit der Friedrich-Naumann-Stiftung hatte er zum Thema "30 Jahre Mauerfall" in die Räumlichkeiten der Akademie geladen. Der Bayreuther Zeitungsreporter Peter Engelbrecht stellte anhand eines informativen Bildvortrags sein neues Buch "Agentenkrieg im Grenzland - Enthüllungen zum Mauerfall" vor.

Wie ein Jagdhund

"Ich interessiere mich für die jüngste Zeitgeschichte", sagte er, das sei wie bei einem Jagdhund. "Wenn man als Reporter auf einer Spur ist, geht man dieser Spur nach." Außerdem sei es wichtig, die innerdeutsche Geschichte umfassend aufzuschreiben und für die Nachwelt festzuhalten. Vor zwei Jahren hat er bereits sein Buch "Grenzgeheimnisse" veröffentlicht, dieses Mal geht es unter anderem um das Schleusen von Agenten, um die heimliche Bestrahlung mit Gammastrahlen an den Grenzübergängen, um die Abhörmethoden der Stasi.

"Vom Wetzstein im Thüringer Wald hörte die Staatssicherheit Autotelefone und Telefongespräche von Bundes- und Länderpolizei sowie der US-Armee ab", sagte der Autor. Der Radius habe dabei bis München, Stuttgart oder Karlsruhe gereicht. Empört zeigte er sich über die heimliche Durchleuchtung von Fahrzeugen mit radioaktiven Strahlen. "Die Menschen wurden systematisch durchleuchtet, ohne deren Einwilligung, ohne Rücksicht auf Schwangere oder Kinder." Diese Anlagen seien im September 1988 abgebaut und alle Unterlagen dazu vernichtet worden.

Über zehn Jahre hat Engelbrecht für das Buch recherchiert, zahlreiche Gespräche geführt und Archive durchforstet. Viel Material fand er in der Stasiunterlagenbehörde von Gera. "Leider sind die Recherchen meist einseitig geprägt, weil der Bundesnachrichtendienst (BND) nach wie vor keine Unterlagen freigibt", bedauerte er.

Plauen und Hof

Informativ ist das, was er zusammengetragen hat, aber allemal. In seinem Buch beschreibt er nicht nur die Situation an der Grenze während des kalten Krieges, sondern auch die Grenzöffnung nimmt einen wichtigen Raum ein. Da gibt es etwa ein Foto aus Plauen, der ersten Stadt, in der noch vor Dresden und Leipzig die Menschen zum Demonstrieren auf die Straße gegangen sind. Oder das Bild eines Transparents, das aus einem Hofer Fenster hing, und 7600 Botschaftsflüchtlinge am 5. Oktober 1989 in Hof willkommen hieß.

Christian Tichatschke von der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zeigte sich als Moderator dankbar für die Einblicke, die Peter Engelbrecht mit seinem Vortrag gewährte. "Es ist wichtig, sich insbesondere im Angesicht des zunehmenden Populismus mit der neuen deutschen Geschichte auseinanderzusetzen, viele junge Menschen wissen darüber gar nichts mehr." Dem pflichtete Thomas Nagel bei, indem er ergänzte: "Wir müssen für den Wert der Freiheit Flagge zeigen, gegen Hass und Hetze, denn der Wert der Freiheit ist nicht beliebig."

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