Lichtenfels

Adeliger darf wieder schießen

Trotz erheblicher Bedenken der Behörden bekommt der Mann seine Waffenlizenz zurück.
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Fünf Gewehre (nicht die abgebildeten) besitzt der Kläger.  Foto: Zollfahndungsamt München/dpa
Fünf Gewehre (nicht die abgebildeten) besitzt der Kläger. Foto: Zollfahndungsamt München/dpa

Es waren filmreife Szenen, die sich ein Adeliger mit einer "Residenz" im Landkreis Lichtenfels im Juni 2017 in einer Gefängniszelle in einer Polizeiinspektion ohne Prunk und Pomp und auf wenig vornehme Weise leistete. Charakterlich ungeeignet zum Führen und Besitz von Waffen, entschied später das Landratsamt Lichtenfels. Die Folge: Die Behörde entzog dem Schlossherren wegen Unzuverlässigkeit den Waffenschein und verweigerte ihm die Erteilung eines Jagdscheins. Zusätzlich wurden seine fünf Waffen beschlagnahmte.

Seit Oktober klagt der angeblich unzuverlässige Waffenfan engagiert vor dem Bayreuther Verwaltungsgericht gegen die Anordnungen und die Enteignung durch die Behörde (der FT berichtete). Am Dienstag beschäftigten sich erneut die Bayreuther Richter mit dem renitenten Gebaren des "Blaublütigen".

"Unmenschliche Behandlung"

Nach mehrstündigen Verhandlung, in der der Kläger die einstigen Geschehnisse im "Miniaturknast" und seine dort angeblich erlittene "unmenschliche Behandlung" schilderte, urteilte die Kammer unter Vorsitz von Angelika Schöner: Der Bescheid der Lichtenfelser Behörde wird aufgehoben. Der Kläger, der jetzt überwiegend außerhalb von Bayern, in einer wenig bewaldeten und wildarmen Gegend wohnt, erhält seinen Waffenschein und seine Schusswaffen zurück. Die Gründe für die Entscheidung erhalten ausschließlich die Prozessbeteiligten.

Rückblick: Nach einem Streit und Handgreiflichkeiten gegenüber seiner Ehefrau, bei dem die Beamten gleich zwei Mal ausrücken mussten, wurde der angeblich stark Alkoholisierte festgenommen und in die Zelle gebracht. Dort hat er seinen Haftraum unter Wasser gesetzt, indem er die Toilette mit seiner Unterwäsche verstopfte und dabei ständig spülte. Nach weiteren Eskapaden entschieden die Beamten, den Gefangenen aufgrund der Gefahr von Selbstverletzung in die Psychiatrie zu stecken. Der Randalierer wurde am nächsten Tag wieder entlassen, angeblich ohne Alkohol- und Drogenrückstände im Blut.

Bei dem Angehörigen eines alten Adelsgeschlecht waren bereits zuvor zwei Mal bei Hausdurchsuchungen Betäubungsmittelutensilien und geringe Mengen Rauschgift gefunden worden. Er bezahlte seinen Strafbefehl, gab jedoch vor, dass diese Dinge seine Freunde während seiner Skatrunde in seinem Anwesen vergessen hätten. Ausschlaggebend für den Entzug des Waffenscheins war für das Lichtenfelser Landratsamt jedoch, dass der Kläger nun auch gegenüber seiner Ehefrau auffällig wurde und sich daraufhin in der Zelle wie "die Axt im Wald" benahm.

Ehefrau alarmiert Polizei

Die Prozessvertreterin der Kommune befürchteten während des Verfahrens, dass der Kläger nicht nur einen Hang zu Alkohol und Drogen habe. In einer erneuten psychischen Extremsituationen könnte dieser vielleicht auch mal zur Waffe greifen und Schlimmeres anrichten. Zwei Polizeibeamten, die den Kläger einst während der Festnahme und in der Zelle betreuten, wurden an Dienstag als Zeugen vernommen. Sie erinnerten sich: Damals habe die Ehefrau des Klägers die Polizei gleich zwei Mal alarmiert. Nach dem Verbringen in die Zelle habe dieser pausenlos gebrüllt und ständig gegen die Zellengitter geschlagen. "So ein Verhalten ist echt selten." Gegen 5 Uhr sollte dieser dann entlassen werden. Vorgefunden wurde der Kurzzeitgefangene splitternackt, das Gesicht mit Blut verschmiert. Ein Gemisch aus Urin und Wasser habe sich auf den Boden befunden. Die Beamten vermuten, dass sich der Gefangene die Verletzungen durch die Schläge gegen die Gitterstäbe selbst beigebracht habe. Beide bestätigten, dass der Kläger vor der Einweisung in die Psychiatrie gerufen habe: "War eine geile Party, aber wann komme ich hier raus?"

Anders sah dies der Kläger im Gerichtssaal. Er behauptete, dass die Polizeibeamten ihm einen Alkomaten gegen seinen Willen in den Mund gestopft hätten, an den Vorgang und Details könne er sich jedoch kaum noch erinnern. Die roten Augen habe er bekommen, weil er während des Streits mit seiner Frau ständig weinen musste. Die Beamten seien jedoch überfallartig über ihn hergefallen und hätten ihn in Ketten gelegt, obwohl er friedlich auf dem Sofa saß. Kritisiert wurde vom Kläger weiterhin, dass er ohne Zudecke, in Dunkelheit ohne Gegensprechanlage in der Zelle bleiben musste. Ein Telefonat mit seiner Mutter sei ihm verweigert worden.

Der Rechtsanwalt des Klägers: "Es ist doch plausibel, dass man bei solchen Zuständen Angstzustände kriegt, das war für ihn eine psychische Ausnahmesituation." Die Behördenvertreterinnen baten das Gericht, die Klage abzuweisen, da der Kläger wohl nach wie vor unzuverlässig in Umgang mit Waffen sei. Die Parteien konnten am Mittwoch das Urteil telefonisch abrufen.

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