Weißenohe

Achtung, Respekt - "ja" zum Leben

Wie geht man mit Sünde und Schuld um? Der Neunkirchener Beda Maria Sonnenberg, Abt vom Kloster in Plankstetten, überrascht in Weißenohe so manchen mit der Antwort.
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Abt Beda Maria Sonnenberg bei seinem Vortrag  Foto: Petra Malbrich
Abt Beda Maria Sonnenberg bei seinem Vortrag Foto: Petra Malbrich

Die Franzosen gelten als sehr höflich und entschuldigen sich selbst dann, wenn ein Mensch zu nahe am anderen vorbeigeht. Ähnlich höflich sind die Amerikaner. Eine Entschuldigung oder gar ein Verzeihung hingegen wird man zur Oktoberfestzeit in der Münchner U-Bahn nur selten hören. Und beobachtet man die Nachrichten und das Miteinander im Netz, zeigt sich doch, dass es an manchen Stellen in der Gesellschaft durchaus einen Nachholbedarf an Achtung und Respekt gibt. Als Abt Beda Maria Sonnenberg damit seinen Vortrag im Pfarrheim St. Benedikt in Weißenohe beginnt, nicken die zahlreichen Zuschauer zustimmend.

Nur wenige Plätze waren noch frei, als der gebürtige Neunkirchener damit das Thema "Verzeihung! Vom Umgang mit Sünde und Schuld" einleitete. "Es wird kein Abend von Knigge und Co", versprach der Abt, der es nicht nur durch seine lockere Art und die lebensnahen Beispielen schafft, die Zuhörer zu fesseln.

Was folgte, war keine Aufzählung von Geboten und Bibelstellen und kein erhobener Zeigefinger. Die Schöpfung sei kein Freiraum, in der jeder tun könne, was er wolle. Es sei ein Gebot, das allen Menschen gelte, das alle achten müssten, egal, ob Atheisten oder Andersgläubige. "Achtung und Respekt sind das Grundprinzip des menschlichen Lebens und der Schöpfung überhaupt", sagte Abt Beda Maria Sonnenberg. Würde sich der Mensch in Achtung üben, wäre schon viel gewonnen.

Wie sieht es in der Realität aus und was steckt hinter einer Entschuldigung, wenn überhaupt eine kommt? Ist es nicht so, dass man Menschen, die sich zwar mehrfach entschuldigen, aber im "alten Stiefel" weitermachen, irgendwann links liegen lässt? Und warum soll man mit jemanden reden, der Schlechtes tut? Ist das nicht vielmehr die logische menschliche Konsequenz? Was soll daran falsch sein? "Wir verstehen Zuwendung als Belohnung. Wer sich falsch gegenüber mir verhalten hat, dem zeigt man die kalte Schulter. Aber damit macht man sich zum Richter, damit urteilt man über andere", erklärte Abt Beda. Wie bei der Ehebrecherin: Mit der Geschichte aus dem Neuen Testament begann der Vortrag, der dann zur Schöpfungsgeschichte wechselte. Nur ein einziges Gebot sollte der Mensch achten: Das Ja zum Leben. Wurde das Gebot geachtet?

"Kein Streicheltier"

"Gott ist kein Streicheltier", sagte Abt Beda. Mit einem Streicheln über den Kopf - dann passt das wieder - sei es nicht getan. "Er ist der Herr, er ist eine Größe und er sagt: Achte! Achte den Herrn und sein Gebot", verdeutlichte der aus Neunkirchen am Brand stammende Priester.

"Kein Mensch kann sich der Versuchung der Sünde entziehen. Auch Jesus nicht. Auch Jesus ist angefochten worden", sagte der Abt. Sünde sei demzufolge die Abkehr von Gott, die Lebensverneinung. "Wo der Mensch gegen die Liebe verstößt, verfällt er in Sünde", meinte Beda.

Im Umkehrschluss: Gott fordere die Menschen auf, sich ihm zuzuwenden. Dass der Mensch schlichtweg überfordert sei, mache die Bergpredigt deutlich, in der Jesus die Gebote auf eines zusammenfasse: auf das Liebesgebot. "Jesus verlangt ein Ja zum Leben", erklärte der Abt vom Kloster in Plankstetten, "wie viel Liebe man gegeben hat, danach werden wir beurteilt. Vergebung bedeutet alles zu geben. Vergeben ist Loslassen", erklärte Beda Maria Sonnenberg und versprach: "Gott hat unendliche Möglichkeiten. Von uns verlangt er nur das Ja zum Leben und achtsam damit umzugehen."

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