Lichtenfels

Abstruse Ansichten

von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg Lichtenfels — "Nein, ich setze mich nicht", beschied die 54-jährige Angeklagte dem Gericht. Auch wollte sie nicht mit Frau, sondern Mensch a...
Artikel drucken Artikel einbetten
von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Lichtenfels — "Nein, ich setze mich nicht", beschied die 54-jährige Angeklagte dem Gericht. Auch wollte sie nicht mit Frau, sondern Mensch angesprochen werden. Ansonsten wurde die Bad Staffelsteinerin erst wieder gegen Ende der kurzen Gerichtsverhandlung lauter auffällig. Ob sie das Urteil, welches gegen sie erging, noch mitbekam, ist nicht gewiss. Immerhin verließ sie kurz vor dem Urteilsspruch den Gerichtssaal 14. Unter der Ankündigung, in Revision gehen zu wollen.

Legitimation abgesprochen

Richter Christoph Lehmann staunte sicher nicht schlecht, als ihm die Frau, der das Verwenden von verfassungsfeindlichen Zeichen vorgeworfen wurde, die Legitimation zu richten absprach. "Welcher Staat legitimiert Sie überhaupt, Ihren Beruf auszuüben?", lautete der Wortlaut der Frage. Mit dabei im Gerichtssaal war der Mann der Beschuldigten, der es ebenfalls vorzog, den Termin im Stehen zu verfolgen.
Um was ging es eigentlich? Zwischen dem 22. Februar und dem 21. März teilte die Frau auf dem Portal Facebook immer wieder Bilder, welche Adolf Hitler in Uniform und mit Hakenkreuz zeigten. Ein Bild zeigte Hitler, wie er Angela Merkel sagte, dass sie, so sie erst einmal groß sei, Europa vernichten werde. Was war das Motiv dieses Handelns? Dummheit? Eigenwilliger Humor? Rechtsradikales Gedankengut? Immerhin legt dies die Argumentation nahe, wonach kein Gericht in Deutschland zur Verhandlung befugt wäre. Die Frau wähnte die Bundesrepublik noch unter dem Besatzungsstatut. "Ich werde das Gericht nicht anerkennen als Gericht der Bundesrepublik." Sich von einer "Scheinwelt verurteilen" zu lassen, darauf habe sie auch keine Lust, so die 54-Jährige. Dass sie das Urteil anzufechten gedenkt, ist demnach ein Logikfehler, denn welches BRD-Gericht sollte dann gemäß ihrer Ansichten dafür zuständig sein? 800 Euro Geldstrafe wird die Staffelsteinerin ihre für die Polizeibehörden leicht zu ermittelnde Straftat kosten.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren