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Rödental

Abschied mit Strandbar und "Hasselhoff"

Mit Inge Kurzendörfer und Bernd Langbein verlassen zwei langjährige Beschäftigte Rathaus und Bauhof der Stadt.
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Abschied vom Berufsleben (von links): Marco Steiner, Bernd Langbein, Inge Kurzendörfer und Katja Colgeu. Im Hintergrund der leicht veränderte David Hasselhoff. Foto: Rainer Lutz
Abschied vom Berufsleben (von links): Marco Steiner, Bernd Langbein, Inge Kurzendörfer und Katja Colgeu. Im Hintergrund der leicht veränderte David Hasselhoff. Foto: Rainer Lutz

Es kommt nicht oft vor, dass der Empfang im Foyer des Rödentaler Rathauses wie eine Strandbar aussieht. Aber man geht auch selten mehr als einmal in den Ruhestand. Und wenn Inge Kurzendörfer geht, die so viele Jahre das Gesicht der Verwaltung gewesen ist, dann darf der Aufwand schon mal ein bisschen größer sein, dachten wohl ihre Kollegen.

Sonnenschirm, Liegestuhl und ein Poster, das ihren Mann als "Baywatch-Star" David Hasselhoff zeigt, im Hintergrund - das erinnerte schon sehr an Spanien, das Lieblingsland für den Urlaub von Inge Kurzendörfer. "Ich habe seit Jahren schon Spanisch gelernt, ich liebe einfach die Sprache", sagt sie. Und Besuche auf der Iberischen Halbinsel stehen mit auf der Liste für das, was sie sich im Ruhestand vorgenommen hat. "Einfach mal eine Radtour machen, wenn das Wetter gerade schön ist", nennt sie einen weiteren Vorteil der Zeit nach dem Arbeitsleben.

Ihr Berufsleben startete Inge Kurzendörfer 1973 beim Annawerk. Dann kamen verschiedene Bürotätigkeiten, ehe sie 1998 für ein Jahr befristet als Vertretung ins Rathaus wechselte. "Die Kollegin sagte ein Jahr, jetzt sind mehr als 20 daraus geworden", sagt sie rückblickend. Eine Zeit, nach der ihr der Abschied auch ein wenig schwerfällt, aber: "Wir haben eine gute Nachfolgerin gefunden, da kann ich beruhigt in den Ruhestand gehen."

Das spricht für eine Einstellung zum Beruf, die Bürgermeister Marco Steiner (FW) nur bestätigen kann: "Sie hat immer über den Tellerrand geschaut, sich gekümmert und mit Blick auf die Anliegen der Besucher im Rathaus überlegt, wie sie selbst in dieser Situation behandelt werden möchte", beschreibt er die Arbeit von Inge Kurzendörfer am ersten Anlaufpunkt der Stadt.

Kein Wunder, dass Stephan Schreiegg als Hauptamtsleiter ihr Ausscheiden kommentiert: "Eher mit einem weinenden Auge." Oft habe Inge Kurzendörfer "Sachen an sich gezogen", Aufgaben übernommen, die vielleicht auch nicht unbedingt in ihrer Zuständigkeit gelegen hätten. Gerade, wenn es um den sorgsamen Umgang mit Materialien ging, habe sie sich immer wieder zu Wort gemeldet. "Da fragte sie schon mal nach, ob dies oder das notwendig ist", sagt Marco Steiner. Und so mancher Kollege sei dadurch zum Nachdenken gebracht worden.

Katja Colgeu konnte Inge Kurzendörfer aus Sicht des Personalrats eine tadellose Arbeit bescheinigen. "Ich muss mich erst noch daran gewöhnen, dass du nicht mehr da bist", sagte sie zum Abschied.

Ein Meister geht

"Das haben wir nicht oft, dass wir gleich zwei Mitarbeiter verabschieden müssen", sagte Marco Steiner. Gemeint war Bernd Langbein, der im Bauhof als meister in der Kfz-Werkstatt eingesetzt war.

"Ich habe meine Ausbildung 1970 angefangen, an einem Samstag war mein erster Arbeitstag", erzählt Bernd Langbein. Damals war Samstag normaler Arbeitstag. Nach der Lehre ging er vier Jahre zur Bundeswehr, legte danach die Meisterprüfung ab, arbeitete bei einer Spedition, später in einem Autohaus, ehe er 1991 die Stelle im Bauhof antrat.

Seither hat sich mehr geändert als die Wochenarbeitszeit. Die Fahrzeuge wurden komplizierter, immer mehr Elektronik hielt Einzug und schließlich kamen sogar Elektrofahrzeuge in den Fuhrpark. Auf all diese Neuerungen musste sich Bernd Langbein als Meister immer wieder einstellen. Und Rasenmäher und dergleichen Gerätschaften waren ihm auch nicht unbedingt vertraut, als er den Posten übernahm.

"Jetzt, wo der Bernd geht, haben wir endlich eine Hebebühne für die Rasenmäher angeschafft, die hat er jetzt leider nicht mehr benutzt", sagt Ulrich Corr. Als stellvertretender Leiter des Bauhofs kennt er Bernd Langbein nur als zuverlässigen Kollegen, der auch immer bereit war, außerhalb der Werkstatt mit anzupacken, wenn Not am Mann war.

Insgesamt kommt Bernd Langbein auf fast 50 Jahre beruflicher Tätigkeit. "Da darf man aber auch in den Ruhestand gehen", sagte Marco Steiner. Der dem angehenden Ruheständler ein immer ausgleichendes Gemüt bescheinigt: "Ein streitbarer Kollege war er nicht, sondern immer ein angenehmer."

"Wenn man ein Haus hat, hat man immer zu tun", sagt Bernd Langbein, wenn es darum geht, wie er den Ruhestand gestalten will. Wandern, Radfahren Urlaub - jetzt ist für alles dann Zeit, wenn es ihm gerade passt.

So groß die Lücke sei, die beide hinterlassen, an Bewerbern um ihre Nachfolge habe es nicht gemangelt.

Mit Blick auf den Arbeitsplatz von Inge Kurzendörfer sagte Marco Steiner: "Ich glaube wir hatten noch nie so viele Bewerbungen auf eine Stelle." Ein Zeichen, dass die Arbeit bei der Stadtverwaltung offenbar recht attraktiv ist, wie er mit ein wenig Stolz feststellt.

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