Coburg

Abschied mit Glanz und Gloria

Wibke Wolf ist die Gardekönigin des Coburger Mohrs. Das bedeutet für die ehrgeizige Tänzerin neue, spannende Herausforderungen. Um als Majestät zu glänzen, vertraut sie auf den Rückhalt ihrer Familie und die Geduld ihres Freundes.
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Wibke Wolf in ihrem Kleid als diesjährige Gardekönigin des Coburger Mohrs  Foto: privat
Wibke Wolf in ihrem Kleid als diesjährige Gardekönigin des Coburger Mohrs Foto: privat

Wibke Wolf und die Tanzsportgarde Coburger Mohr gehören einfach zusammen. "Mit drei Jahren habe ich das Gardetanzen angefangen", erzählt die heute 21-Jährige. Seitdem hat sie 17 Saisons "von der Purzel- bis zur Königsgarde" miterlebt.

Doch diese Saison ist für sie etwas ganz Besonderes: Der Coburger Mohr hat sie zur diesjährigen Gardekönigin ernannt. So völlig überraschend kam das nicht: "Es wird immer die zur Gardekönigin gewählt, die am längsten dabei ist", erzählt Wibke Wolf: "Aber ich bin glücklich darüber, es war immer ein Ziel, das ich erreichen wollte."

Schlimme Verletzung

Den Titel als Gardekönigin trägt sie eine Saison lang, danach ist Schluss. Und in diesem Fall kann man das wörtlich nehmen: "Das ist tänzerisch mein Abschluss", erzählt die 21-Jährige. Der Grund: Zum zweiten Mal hat sie sich einen Kreuzbandriss zugezogen. Deswegen wird sie als Gardekönigin auch nicht mittanzen können.

Den Spaß lässt sie sich davon aber nicht nehmen: "Ich repräsentiere den Verein in der Öffentlichkeit, zum Beispiel beim Rathaussturm und Gaudiwurm", erzählt sie. Ihr Terminkalender sei voll - aber es mache ihr auch großen Spaß, als Königin aufzutreten. Auf ihr Kleid ist sie besonders stolz: Das Kleid ist von Trainerin Dominique Scholz. Sie war 1996 die erste Gardekönigin. "Ich trage es traditionsgemäß weiter, meine Mutter hat aber noch einmal Hand angelegt."

Voller Ehrgeiz

Wibke Wolf ist große Auftritte gewohnt. Sie war schon bei Gastauftritten vor Millionenpublikum im Fernsehen in Veitshöchheims "Fastnacht in Franken" zu sehen oder hat beim Empfang in Berlin vor Bundeskanzlerin Angela Merkel getanzt. Trotzdem ist sie dieses Mal nervös, denn als Gardekönigin muss sie auch Reden halten.

Tipps gegen das Lampenfieber hat sie von ihrer großen Schwester Vivian erhalten, die selbst 2011 Gardekönigin war: "Sie ist mein großes Vorbild, tänzerisch und privat", sagt Wibke Wolf. Für die Reden möchte sie bestens vorbereitet sein: "Ich möchte die Rede auch frei vortragen, da muss mein Freund die Rede auch fünfmal am Tag anhören", sagt sie und lacht. Den Ehrgeiz habe sie vom Tanzen: "Ich bin es gewohnt, wenn Schritte nicht richtig sitzen, dann wird zu Hause so lange geübt, bis es sitzt."

Anspruchsvoller Sport

"Mein persönlich größter Erfolg ist der deutsche Meistertitel, das ist das Maximum", erzählt die 21-Jährige. Dazu kommen noch sämtliche oberfränkische und süddeutsche Meistertitel. "Es ist wirklich kein einfaches Rumgehüpfe!" Man unterschätze einfach, wie viel Arbeit dahinter steckt. Beim Coburger Mohr wird zweimal die Woche trainiert, vor den Meisterschaften dreimal. Hauptaugenmerk liegt auf den Turnieren, nicht auf den Faschingsauftritten. "Die Auftritte sind meist mit Spaß verbunden und eine Art Vorbereitung für die Turniere", sagt sie. Die Turniere sind von Oktober bis März. Von März bis Oktober ist Trainingszeit.

"Gardetanzen ist schon ein anspruchsvoller Sport", macht Wibke Wolf deutlich. Man müsse innerhalb der Gruppe eine konstante Leistung bringen. Das setze einen nicht unter Druck, sondern spornt noch mehr an. Und wenn einer aus der Reihe tanzt, dann ist das kein Drama: "Das ist das tolle am Gruppensport, die Gruppe fängt einen wieder auf."

Neue Aufgaben stehen bevor

Wibke Wolf sieht dem diesjährigen Fasching aber auch mit Wehmut entgegen: "Traurig ist der Abschluss immer, wenn man es so viele Jahre gemacht hat." Das Tanzen begeistert sie so sehr, dass sie es nicht ganz aufgeben möchte. Deshalb wird sie als Trainerin tätig sein. Für sie ist es zwar nicht dasselbe wie zu tanzen, doch es sei schön, die Entwicklung anderer Tänzer mitzuerleben und sie fürs Gardetanzen zu begeistern: "Es ist gerade bei der Nachwuchsgarde das Tolle, da tanzen Sechs- bis Siebenjährige und man sieht jedes mal, wie sie sich weiterentwickeln", sagt Wibke Wolf. Wer in ihre Fußstapfen treten will, dem rät sie: "Einfach vorbeikommen, mitmachen und Spaß haben!"

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