Bamberg

Abriss der Jugend im Altenheim

Mitglieder des "Theaters im Gärtnerviertel" treten für alte Menschen auf. Initiiert hat das der Bürgerverein Mitte.
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Der Musiker Jakob Fischer und die Schauspielerin Olga Seehafer vor den Senioren im Curanum-Altenheim an der Nonnenbrücke Foto: Ronald Rinklef
Der Musiker Jakob Fischer und die Schauspielerin Olga Seehafer vor den Senioren im Curanum-Altenheim an der Nonnenbrücke Foto: Ronald Rinklef

Dass Kinder ein kritisches Publikum und eine Herausforderung für Künstler jedweden Genres sind, hat sich herumgesprochen. Doch wie sieht's am anderen Ende des Altersspektrums aus? Olga Seehafer und Jakob Fischer machten die Erfahrung, dass auch sehr betagte Menschen nicht so ganz einfach zu gewinnen sind. Doch am Ende hatten sie am Montag die Herzen der meist Hochbetagten im Curanum-Altenheim an der Nonnenbrücke doch für sich eingenommen.

Wie kamen die Schauspielerin und Sängerin und der Musiker zu den Senioren? Es war die Idee von Ulrich Krackhardt, seines Zeichens Zweiter Vorsitzender des Bürgervereins Mitte, den Bewohnern von Altenheimen im Inselgebiet Theateraufführungen zu schenken. Das fügt sich zu einem Zweck des Vereins, nämlich soziales Engagement auch finanziell zu unterstützen.

Mit "Theateraufführung" ist naturgemäß keine gemeint, die einer im benachbarten E.T.A.-Hoffmann-Theater vergleichbar wäre. Aber Krackhardt hat mit Schauspielern des "Theaters im Gärtnerviertel" Profis gewonnen, die in kleinem Rahmen Abwechslung, Anregung und Freude spenden wollen.

"Heimspiel" heißt die vom Bürgerverein bezahlte vierteilige Lesereihe, die bis Mitte Januar in den Altenheimen stattfinden wird. Sie startete im Curanum mit einem "Kleinen Abriss der Jugend". So nannte der 29-jährige gebürtige Bamberger Andreas Thamm seine Geschichten. Er ist Lesern des FT als Mitarbeiter bekannt; Anfang des Jahres veröffentlichte er im Bamberger Magellan-Verlag sein Jugendbuch "Heldenhaft". Mittlerweile lebt er als Autor und Suppenkoch in Nürnberg.

"Die beige Hose meines Bruders" las Olga Seehafer zur dezenten Gitarrenbegleitung Fischers so, dass man die geschulte Sprecherin heraushörte. Ob jedoch die Geschichte, in der es um ein "familiäres Naschritual" zu Ostern ging, die Zuhörer so recht packte?

Das Eis war gebrochen

Origineller kam dann die von Jakob Fischer ebenfalls sehr gut vorgetragene "Möglichkeit der Liebe in der Vorstadt". Die Erzählung findet von einer Frau Pasternak mit Holzbein und Frettchen als Haustier zu ersten Liebesverwicklungen des Erzählers samt Abstechern zu Umweltfanatismus und Raufereien. Als die Schauspielerin dann das Gespräch mit den zunehmend auftauenden Senioren suchte und sich ein Gerüst von Lebensgeschichten aufbaute, als die knapp einstündige Veranstaltung mit einem auf Englisch gesungenen Lied endete und die Zuhörer sichtlich ergriffen Beifall spendeten, war das Eis endgültig gebrochen.

Nicht nur Heimbewohner - "Genießen Sie Theater, ohne sich auf den Weg machen zu müssen", lautet der Slogan der Reihe - sollen in den kommenden Wochen als Publikum gewonnen werden, so Krackhardt, sondern auch Angehörige und Pflegepersonal. Er sieht die vom Bürgerverein gespendeten Veranstaltungen auch als Signal, sich der Alten zu erinnern. Denn diese Gruppe hat selten jemand im Blick, wenn es um Wohltätigkeit geht.

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