Maßbach

Aboverkauf sorgt für Verwirrung

Mit einer Gute-Tat-Masche versuchen Zeitschriftenwerber im Raum Maßbach Abos zu verkaufen. Sie holten sich dazu Vereine mit ins Boot, die von jedem Vertrags-Abschluss profitieren.
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Maßbach/Thundorf — Eine Firma geht in Maßbach von Haus zu Haus und wirbt für Zeitschriftenabo. Das ist an und für sich nichts Neues. Fast jeder hatte wohl schon einmal Besuch von einer Drückerkolonne. Jetzt aber gibt es eine neue Version. Die Abo-Werber suchen sich die Unterstützung von örtlichen Vereinen. Mit deren Hilfe gehen sie von Haus zu Haus, um Zeitschriften zu verkaufen. Für jedes verkaufte Abo bekommt der Verein dann einen Sportartikel oder eine Prämie für seine Jugendarbeit.

Auf der Homepage des TSV Maßbach und auf der Facebook-Seite des FC Poppenlauer werden die Vereinsmitglieder auch darüber informiert, dass solch eine Werbeaktion derzeit läuft. Thomas Schweizer, der Vorsitzende des TSV Maßbach, bestätigt, dass der Verein dem zugestimmt hat. "Im Nachhinein ist es nicht die glücklichste Aktion", stellt er fest. Mit seinem heutigen Wissen, würde er dies nicht mehr erlauben, gesteht er. Es sei ein Versuch gewesen, etwas Geld für die Jugendarbeit zu erhalten.

Irgendwie jedoch scheint die Werbeaktion im östlichen Landkreis etwas aus dem Ruder gelaufen zu sein. Dies merkte Thomas Schweizer spätestens dann, als er erboste Hinweise aus Thundorf und Weichtungen erhielt, dass auch dort im Namen des TSV Maßbach Zeitungsabos verkauft werden und sogar damit geworben sein soll, dass Werbeprämien auch dem TSV Thundorf zugute kommen.

Vorsitzender distanziert sich

Der Thundorfer wusste aber von alle dem gar nichts. Der Maßbacher TSV-Vorsitzende ist darüber, wie die Aktion jetzt gelaufen ist, überhaupt nicht glücklich. "Das geht gar nicht, davon distanzieren wir uns auch ausdrücklich." Schweizer erklärt, dass er bereits mit dem Vorsitzenden des TSV Thundorf, Dieter Büchner, gesprochen und die Sache erklärt habe.

Auch die Büchners hatten nach Angaben von Stefanie Büchner Besuch von einer Zeitungswerberin. Bei ihr habe sie allerdings tatsächlich nur damit geworben, dass das Geld für die Jugendarbeit des TSV Maßbach sei. Sie wisse aber von einem Fall in Thundorf, der ein Abo nur deshalb abgeschlossen hatte, weil er die Information erhalten hatte, die Prämie ginge an den örtlichen Thundorfer Verein. Als er sich bei den Büchners absichern wollte, dass alles seine Richtigkeit hat, erfuhr der Mann, dass man beim TSV Thundorf überhaupt nichts mit der Aktion zu tun hatte.

Langfristige Bindung

Bei Stefanie Büchner hatte die Zeitschriftenwerbung keinen Erfolg, ebenso nicht bei Philipp Bauernschubert. Auch bei ihm stand eine Frau vor der Haustüre, warb damit, dass man damit ja etwas Gutes für die Maßbacher Jugendarbeit tut. Bauernschubert lehnte ab. 24 Monate sollte die Abo-Bindung betragen.

Das Angebot der Werbefirma hatte sich für den TSV Maßbach durchaus interessant angehört. Der Vorstand wurde von einer Firma für Sportmarketing angesprochen. Versprochen wird ein Win-win-Modell, weil mit jedem Abschluss Punkte für den Verein gesammelt werden. Je mehr Punkte, desto höher die Prämie für den Verein. Der jeweilige Verein bestätigt seine Beteiligung auch mit einem Schreiben, das die Werber immer an der Haustüre vorlegen.

Dass die Firma die Werbeaktion allerdings auf umliegende Orte ausdehnt, damit hatte Thomas Schweizer nicht gerechnet. Er erklärt, dass die Betroffenen, die ein Abo abgeschlossen haben, die Möglichkeit haben, binnen 14 Tagen zu kündigen. Wie viele Abos abgeschlossen wurden und welche Prämie der Turn- und Sportverein erhält, weiß Schweizer noch nicht.

Bei der Recherche im Internet finden sich Zeitungsberichte aus verschiedenen Regionen in Bayern oder Sachsen-Anhalt, in denen ebenfalls über diese Methode der Zeitschriftenwerbung berichtet wird. Auch beim TSV Münnerstadt hatte es vor rund zwei Wochen eine Anfrage vermutlich einer Firma gegeben. "Wir lehnen so etwas grundsätzlich ab", erklärt Roland Ballner, TSV-Vorstandsmitglied auf Anfrage.

Vereinzelt habe es schon Nachfragen bezüglich der Abo-Werbung gegeben, teilte Björn Schmitt aus der Presseabteilung der Polizeidirektion Würzburg mit. "Es sind aber keine Straftaten bekannt geworden." Haustürgeschäfte seien nicht prinzipiell verboten, es handele sich dabei durchaus auch um legale Gewerbe. Etwas anderes sei es, wenn in so einem Fall ein Verein, zu dessen Gunsten die Zeitschriften angeblich vertrieben werden, gar nichts davon weiß. "Dann handelt es sich um Täuschung oder Betrug."

Anrufen und nachfragen

Wenn sich jemand nicht sicher sei, könne er die Polizei anrufen. "Wir kommen sofort und überprüfen, ob alles rechtens ist." Betroffene müssten nicht unbedingt die Telefonnummer der nächsten Dienststelle heraussuchen. Wenn sich jemand bedrängt fühle, könne er auch den Notruf wählen. Bei Haustürgeschäften gelte aber immer: "Auf keinen Fall die Person in die Wohnung lassen", betont Björn Schmitt.



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