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Eggolsheim

Aberwitzig, bizarr, skurril

Matthias Egersdörfer eröffnet das Eggolsheimer Kulturprogramm 2020.
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Mit dem Auftritt des fränkischen Kabarettisten Matthias Egersdörfer in der Eggerbachhalle startete die Marktgemeinde Eggolsheim ihr aktuelles Kulturprogramm. Der unter anderem mit dem Deutschen Kleinkunstpreis sowie dem Bayerischen und Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnete Künstler präsentierte sein Programm "Ein Ding der Unmöglichkeit", ließ aber vorher das Licht im Zuschauerraum herunterdimmen. "Damit ich des Elend ned mit ooschaun muss!", behauptete er.

Bekannt ist der 1969 in Lauf an der Pegnitz geborene und heute in Fürth lebende Bühnenprofi auch als Leiter der Spurensicherung im "Franken-Tatort". In Eggolsheim parlierte er über zweieinhalb Stunden von seinen (Gewalt-)Phantasien beim Einschlafen und dass eine Wurst ein Gottesbeweis sein kann.

Der "Spaßmacher", der "lieber Sportlehrer in einem Frauengefängnis" geworden wäre, begann mit dem Text seines alten Programms. "Moment a mol, das ist ja der komplett falsche Anfang", stellte er unter dem Gelächter des Publikums fest. "Aber ihr Karpfenköpf` hättet das wahrscheinlich gar nicht gemerkt", raunzte er in die Halle. Breit führte er dann die Idee eines Freundes aus, einmal in der Öffentlichkeit in weißer Hose, weißem Jackett und weißem Hemd in die Hose zu scheißen. Manch einer befürchtete Schlimmes, als Egersdörfer in diesem Outfit nach der Pause die Bühne betrat.

Die vielen Geschichten, etwa über die "blauen Bratwürste" seiner Mutter, deren Rezept er aber nicht kennt, einen Opernbesuch mit seiner Frau oder die Ernte der "Winterkirschen", das Herauspopeln von Fusseln aus dem Bauchnabel, ließen nur schwerlich einen roten Faden im Programm erkennen.

Der sich nach Ruhe sehnende Egersdörfer sah in Sachen Entschleunigung sogar den Gesetzgeber in der Pflicht, wenn er forderte, dass Ruhezeiten und eine Mindestbelastung für das Sofa vorgeschrieben werden müssten. Bei nächtlichen Fahrten auf der A 3 nach Geiselwind und zurück, wo ihm die Mittelstreifen zugespielt werden wie beim "Black Jack" phantasierte er, dass die Milch in den Supermärkten nicht mehr von Kühen stamme; vielmehr würden nachts in U-Bahn-Stationen Ratten gemolken.

Die eingefleischten Egersdörfer-Fans hatten sichtlich Spaß an den teilweise recht skurrilen Gedankenspielen. Aber allen zu gefallen ist wohl immer "Ein Ding der Unmöglichkeit".

Das weiß Egersdörfer selbst, wenn er auf den pädagogischen Nutzen seiner CDs und DVDs verweist. "Nach drei Geschichten schaut der Bub am Sonntagabend um halb zwölf noch einmal ins Chemieheft, nicht dass es ihm so ergeht wie dem Mann auf der Bühne." Seinem Publikum wünschte Egersdörfer: "Erhalten Sie sich ihren leicht seltsamen Humor."

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