Kairlindach

Ab 30 Grad wird es einfach zu heiß

Die Menschheit will essen. Bauern in Erlangen-Höchstadt wollen diesem Wunsch gerecht werden und produzieren Lebensmittel. Das aber unter immer schwieriger werdenden Rahmenbedingungen. Überraschenderweise sind Wetter und Hitze nicht die einzigen Probleme.
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Die Gerste braucht die Sonne ebenso wie das Wasser. Aber alles im richtigen Verhältnis, weder zu wenig noch zu viel ist gut.  Fotos: Michael Busch
Die Gerste braucht die Sonne ebenso wie das Wasser. Aber alles im richtigen Verhältnis, weder zu wenig noch zu viel ist gut. Fotos: Michael Busch
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Michael Busch Das Positive sollte man immer voranstellen. Bei der Präsentation der Erntezahlen durch Vertreter des Bauernverbandes Erlangen-Höchstadt gab es dies allerdings erst am Ende des Gespräches, beim gemeinsamen Frühstück. "Natürlich freue ich mich, wenn mein Enkelsohn Felix irgendwann in dem Betrieb weitermacht", erklärt Rudolf Groß, Landwirt in Kairlindach. Sein Sohn Stefan ist schon im Geschäft und der "Kleine" wird eben auch schon in den Betrieb eingebunden.

"Landwirtschaft macht Spaß", sagt auch Obmann Robert Ort. In der Natur, arbeiten mit Tieren, wo gäbe es denn solch eine Möglichkeit? Aber es müsse klar sein, dass dieser Job nicht einfach sei. "Wir haben Rahmenbedingungen, die es immer schwieriger machen", sagt der Experte. Gewässerschutz bringe Auflagen mit sich, das Begehren zum Bienensterben respektive dem Erhalt der Artenvielfalt muss berücksichtigt werden. Rudolf Groß bringt es auf den Punkt: "Mit dem Wetter kann und muss ich leben, aber mit der Einstellung der Gesellschaft uns Landwirten gegenüber ist es schwieriger geworden." Er unterstreicht dies deutlich: "Ich habe die Zukunft betrachtend noch nie so schwarz gesehen!"

Ort sprach die Probleme in einem Rundumschlag an: Es geht um die Schwierigkeiten mit überbreiten Geräten zu den Ländereien zu kommen, die gesetzlichen Vorgaben bei dem Einsatz von Düngemittel und vielem mehr.

Weltmarkt ist bestimmend

Und dazu komme eben auch noch das Wetter, auf das man allerdings auch keinen Einfluss habe. "Heuer war der trockenste Juni seit der Wetteraufzeichnung", ergänzte Horst Krehn, Behördenleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Auch die Niederschlagsmengen zuvor waren nicht viel, für den Seebachgrund allerdings aber ausreichend. Im Februar waren es nur 15 Millimeter Niederschlag, was aus Sicht Orts gut war, "da wir da auf das Grünland schon Gülle ausfahren konnten". Der März erlaubte mit 80 Millimeter und einem trockenen, aber warmen April folgend eine gute Frühjahrsbearbeitung. Doch insgesamt werde man sich auf die trockenen Zeiten einstellen müssen.

Unterstützung und klare Bekenntnisse gab es von den politischen Vertretern. Sowohl Landrat Alexander Tritthart als auch Weisendorfs Bürgermeister Heinrich Süß betonten die wichtige Rolle der Landwirte. "Wer mit offenen Augen durch den Landkreis fährt, sieht die wichtige Bedeutung der Landwirte", sagte Süß. "Mancher erkennt diese wichtige Bedeutung leider nicht."

Kritischer Bürger

Die bürokratischen Arbeiten werden immer mehr, aber die eigentliche landwirtschaftliche Arbeit muss zurückstecken.

Tritthart erwähnt, dass sich in der Gesellschaft tatsächlich etwas veränder habe. "Das müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass der Bürger sehr kritisch eingestellt ist." Umso wichtiger sei es, die Bürger aufzuklären und diesen die Arbeit in den Bereichen der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft, der Teichwirtschaft näher zu bringen. "Die Bevölkerung muss das wieder schätzen, was die Landwirte jeden Tag bei schwierigsten Bedingungen machen."

Das dieses Geschäft nicht mehr wie in der Vergangenheit läuft unterstrich Ort. "Wir sind in einem globalen Markt eingebettet und das macht es nicht immer einfach." Er betonte, dass zum Beispiel die Preise beim Weizen nicht in der Region gemacht werden. "Der Preis wird in Russland und Nordamerika gestaltet, dort interessieren die Preispolitik und die Rahmenbedingungen keinen Menschen."

Enkel Felix wird mit den Veränderungen umgehen müssen, aber auch die Gesellschaft wird verstehen müssen.

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