Steinberg

Ab 15. wieder offen

Die Ausstattung von Sankt Pankratius, dem Überbleibsel einer ehemaligen Meranierburg, weist viele Besonderheiten auf.
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Die alte Pfarrkirche St. Pankratius Foto: Heike Schülein
Die alte Pfarrkirche St. Pankratius Foto: Heike Schülein
Als markantester Dorfpunkt Steinbergs bietet der hoch aufragende Schlossberg mit den beiden Pfarrkirchen einen beeindruckenden Anblick. Beide Gotteshäuser sind dem Heiligen Pankratius geweiht. Steinberg wurde erstmals in einem "Verstiefterbrief” um das Jahr 1150 erwähnt. Darin ist die Rede von einer - in engem Zusammenhang mit der Burg "Rosenberch” zu Cranach stehenden - Burg auf dem Schlossberg. Aus dieser Lahmer Filialkirche, die in früheren Zeiten der Gemeinde Steinberg zur Verfügung gestellt und von einem fürstbischöflichen Vogt bewohnt wurde, entstand die heutige "alte" Pfarrkirche.


Ab 1911 völliger Neubau

Nachdem das kleine Gotteshaus nicht mehr für die Bevölkerung ausreichte, plante man deren vollständigen Abriss und die Errichtung einer neuen Kirche an gleicher Stelle, was jedoch vom Landesamt für Denkmalpflege abgelehnt wurde. Auch dem von der Kirchenstiftung geplanten Erweiterungsbau nach Süden wurde nicht zugestimmt. So begann man um 1911 mit dem völligen Neubau einer größeren Pfarrkirche auf dem Pfarrgarten, die am 11. August 1913 eingeweiht wurde. Nach dem Neubau wurde die alte Kirche nur mit notdürftigen Reparaturen erhalten. Im September 2000 wurde ein Sanierungskonzept für die Kirche erstellt mit Baukosten von rund 500 000 Euro. 2000 bis 2004 erfolgte die Renovierung, bevor Alt Pankratius am 12. September 2004 erneut eingeweiht wurde. Heute wird das alte Gotteshaus wieder zu verschiedenen Anlässen und kirchlichen Festen genutzt.
Allen Besuchern steht es - während der Öffnungszeiten vom 15. April bis 14. Oktober 2018 - für Besichtigungen offen. Der eigentliche Kirchensaal befindet sich auf einem Sockel, der sich von außen baulich nicht abhebt und sich nur durch den hoch liegenden Eingang offenbart. In diesem Untergeschoss verbirgt sich ein etwa 8,5 m mal 7,5 m großer Keller. Besonders an Alt Pankratius ist die Tatsache, dass das 2. Vatikanische Konzil spurlos an ihr vorbei gegangen ist und die liturgischen Reformen nicht mehr vollzogen wurden, da damals kein Gottesdienst mehr darin gefeiert wurde. So blieben Eingriffe im Innenraum des Gebäudes aus. Dieses lehnt sich an eine felsige Erhebung des anstehenden Tonschiefers in der Südhälfte des höher gelegenen Plateaus.
1999 und 2000 fanden Grabungs-Kampagnen durch das Landesamt für Denkmalpflege statt. Dabei sollte die Baugeschichte der alten Kirche untersucht und geklärt werden, ob Teile der Bausubstanz noch der ehemaligen Burg Steinberg zugeordnet werden können. Die einzelnen Bauphasen der Kirche sollten ermittelt werden. Im Kellergewölbe wurden sechs Bauphasen am Mauerwerk festgestellt. Für die erste Phase kann eine Datierung in das 11. oder 12. Jahrhundert angenommen werden.


In fünf Lagen erhalten

Aufschlussreich waren die Befunde im Außenschnitt, wo die Außenschale der Bauphase in fünf Lagen erhalten ist. Der wohl älteste Vorgängerbau der Kirche hatte ein oder mehrere Fachwerkobergeschosse, die einem Brand während des 12. Jahrhunderts zum Opfer fielen. Eine für 1427 bezeugte Burgkapelle muss nicht identisch mit der heutigen Kirche sein. Wahrscheinlich stand an der Stelle der Pfarrkirche seit dem 11. oder 12. Jahrhundert ein Gebäude, dessen Form und Ausmaße sich über die Jahrhunderte hinweg immer wieder änderten - bis hin zur heutigen Kirche des 17. Jahrhunderts. Besonderheiten der Kirchenausstattung: In der Kirche sind seltene Schablonenmalereien und an mehreren Stellen Fresken vorhanden, die durch dicke Kalkanstriche verdeckt und dadurch geschützt werden. An der Nord-, Ost- und Südwand reichen von der Decke bis zum Sockel Heiligendarstellungen aus dem 15. und 16. Jahrhundert - wie der Heilige Christophorus neben dem Haupteingang. Eine Bildszene neben der Tür zur Sakristei ist fragmentarisch sichtbar: Ein Kruzifix, von zwei Personen flankiert, eine liegende Person und zwei Wappen. Der älteste Teil des Hochaltars stammt aus 1689, die heutige Ausstattung - der marmorierte Holzaufbau und der Drehtabernakel - aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Seitlich sind die Heiligen Johannes der Täufer sowie Laurentius zu sehen, oben eine Reliefgruppe der Trinität mit Engelsputten. Das 1863 von Lorenz Kaim gemalte Altarblatt zeigt das Martyrium des heiligen Pankratius. Vor der Kulisse der römischen Arena bekennt er mit dem Heiligenschein seinen Glauben vor dem Kaiser und der Öffentlichkeit. Ein Engel reicht ihm die Insignien der Märtyrer: Palme und Krone. Den Seitenaltar bildet ein marmorierter Holzaufbau aus dem späten 18. Jahrhundert. Das Altarblatt zeigt die Motter Gottes. Seitlich sind die Heiligen Anna und Barbara sowie auf den Giebeln Engel zu sehen. Gemälde aus der Zeit um 1860 zeigen die 14 Nothelfer und den heiligen Wendelin. Der Kreuzweg besteht aus 14 Darstellungen vom Leiden und Sterben Jesus. Auch eine Heiligenfigur des Kirchenpatrons aus dem mittleren 18. Jahrhundert ist vorhanden.


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