Lichtenfels

Zwölf Monate auf Bewährung

Ein 86-Jähriger schaffte erst im zweiten Anlauf ein Geständnis: Er gab zu, dass es sich bei zwei Fällen um sexuellen Missbrauch gehandelt habe. Das ersparte den Mädchen einen Auftritt vor Gericht.
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Pädophilie sieht man niemandem an: Ein Kind wird von einem Mann auf einem Spielplatz angesprochen. Foto: imago/Manja Elsässer
Pädophilie sieht man niemandem an: Ein Kind wird von einem Mann auf einem Spielplatz angesprochen. Foto: imago/Manja Elsässer
Der alte Mann aus dem östlichen Landkreis beteuerte oft sein Bedauern über die ihm zur Last gelegten Vorfälle. Zwei Anläufe musste er nehmen, um einräumen zu können, dass es sich bei zwei Vorfällen um wohl von ihm begangenen sexuellen Missbrauch von Kindern gehandelt haben dürfte. Dieser zweite Anlauf ersparte den Kindern wenigstens die Peinlichkeit, vor Gericht aussagen zu müssen. Andererseits brachte sie dem 86-Jährigen am Donnerstag seine erste Haftstrafe im Leben ein: 14 Monate auf Bewährung.


Keine niederen Motive

Nein, niedere Motive mochte das Gericht bei dem Senior nicht mit letzter Sicherheit annehmen. Vielleicht hatten Staatsanwalt Matthias Schmolke und Richter Stefan Hoffmann dabei das mitunter unbedarft wirkende Auftreten des 86-Jährigen im Sinn. Der nämlich ließ sich so verstehen, dass er - jahrzehntelanger Tierzüchter - eine allgemeine Begeisterung für Vorgänge in der Natur habe. So auch für das Wachstum und körperliche Veränderungen. Und doch musste er sich von Richter Stefan Hoffmann ins Gewissen reden lassen, dass es für seine Taten "absolut keine Relativierungen" gebe.
An einem Tag im Juni oder Juli 2014 verbrachte er Zeit mit zwei Mädchen in einem Schuppen, wo er Zuchttiere hegte. Am 31. Mai des Folgejahres wieder. Dabei, so die Anklageschrift, soll er die damals zwischen elf und zwölf Jahre alten Mädchen dazu aufgefordert haben, ihre T-Shirts anzuheben bzw. die BHs zu lösen.


An Brüste gefasst

Eines der Mädchen tat das nicht, den anderen aber soll er an die Brüste gefasst haben. Auch sprach Staatsanwalt Matthias Schmolke davon, dass der alte Mann, dicht an die Mädchen gedrängt, beischlafähnliche Bewegungen vollführt habe. Was das Tun des Mannes weiter verdächtig und verfänglich erscheinen ließ, dürfte an den von ihm geäußerten Sätzen liegen. Beispielsweise, dass wenn die Mädchen unter den Armen schon Haare hätten, dann auch "Sexlust" hätten. Oder der Satz: "Du hast ja auch schon Brüstle - zeig doch mal."


Habe keine Gelüste gehabt

Wie alles wirklich zu verstehen sei, verlas die Verteidigerin des 86-Jährigen, Regina Taubert, als dessen Stellungnahme. "Es tut mir alles sehr leid. Ich möchte auf keinen Fall, dass die Mädchen aussagen müssen (...) Habe keine sexuellen Absichten gehabt", so das Statement.
In ihm klang aber auch an, dass, weil er gerne die Entwicklung bei seinen Zuchttieren sieht, er auch gerne habe sehen wollen, "wie die Mädchen sich entwickeln". Auf keinen Fall, so der Senior, hätte er Beischlafbewegungen vollzogen, sich nie etwas zuschulden kommen lassen und keine Gelüste gehabt. Aber er zeigte sich auch von einem der Mädchen enttäuscht, dem er vorwarf, ihn ausgenutzt zu haben. "Das hat gesagt, es braucht Geld für eine Klassenfahrt, in Wirklichkeit hat es aber gar kein Geld gebraucht."


Geld bezahlt

In dieser Aussage klang deutlich an, dass der Rentner für seine Einblicke und Berührungen auch etwas bezahlte. Dem Mädchen, das nach Geld für Klassenfahrten anfragte, unterstellte der Rentner in ihrem Tun sogar eine gewisse Berechnung. Er könne "nicht verstehen, wie Kinder so raffiniert und verlogen sein können", so der Mann. Ein Polizeibeamter, der in dieser Angelegenheit ermittelte, hielt entgegen, dass er die Aussagen der Kinder für glaubwürdig halte.
Eine Angst schien den alten Mann besonders umzutreiben: die Vorstellung, auf seine alten Tage in ein Gefängnis zu müssen. "So weit kann ich mich aus dem Fenster lehnen - eine Gefängnisstrafe würde ich eh' nicht beantragen", wiegelte Schmolke ab.
Auf eine solche urteilte Hoffmann auch nur bedingt, denn sie fiel zur Bewährung aus. Allerdings, damit sich die nicht wie ein Freispruch anfühlt, wird der Verurteilte noch 2000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen haben. Letzte Worte des Rentners: "Ich bedauere aufs Allertiefste mein damaliges dummes Fehlverhalten."



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