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Bamberg
Rollenwechsel 

Zwischen Zorro und Jesus Christ

Sieben Hauptrollen in zwei Jahren: Der fränkische Musicaldarsteller Armin Kahl zeigt sich wandelbar wie ein Chamäleon.
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FRank Förtsch

Gestern nahm er als Jesus Christus in der Münchner Reithalle die Schuld der Menschheit auf sich. Morgen verteidigt er als Zorro in einer Mantel- und Degen-Produktion im niederösterreichischen Winzendorf die Bevölkerung.
Dem Erlanger Musicaldarsteller Armin Kahl bleiben nur wenige Tage, um von einer in die nächste Hauptrolle zu schlüpfen. Sieben waren es seit 2015: Valmont ("Gefährliche Liebschaften"), Zorro, Munkustrap ("Cats"), Jekyll & Hyde, Artus, Benedikt ("Schikaneder") und Jesus. In Wien, Tecklenburg, München oder Würzburg.
"Eigentlich wollte ich nach ,Jesus Christ Superstar‘ eine längere Auszeit einlegen. Ich spiele seit zwei Jahren ohne Pause." Wir begegnen einem hoch konzentrierten und doch gezeichneten Musicaldarsteller. Gezeichnet nicht nur von den 39 Peitschenhieben, die ihn als Jesus treffen. Gezeichnet von den Demütigungen des Herodes. Gezeichnet von der Rolle insgesamt. Gezeichnet von bis zu 400 Vorstellungen in zwei Jahren.
Armin Kahl gibt auch in München 110 Prozent. "Wenn du eine Rolle gut spielen, diese verkörpern willst, dann musst du die Rolle leben." Die Rolle Jesus in den Tagen bis zu seiner Kreuzigung. Auf der Suche nach Antwort auf die Fragen: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wonach suchen wir?
Armin Kahl gelingt dies. Der Feuilletonist der Münchner Abendzeitung schreibt: "Jesus (Armin Kahl) erinnert mit seinem Mützchen ein wenig an Til Schweiger, was ihn nicht eben sympathischer macht. Seine Zerrissenheit hat etwas Neurotisches. Auch die Eitelkeit und der Jähzorn sind ihm nicht fremd. Weniger nazarenisch lässt sich Jesus kaum spielen."
Der Erlanger Musicaldarsteller selbst war sich der Herausforderung bewusst, die er mit der Hauptrolle in "Jesus Christ Superstar" angenommen hatte: "Es geht um einen Menschen, der von einem Plan geleitet wird, von einem großen Plan. Kurz bevor dieser Plan in Erfüllung geht, daran zweifelt und dann aber die Kraft findet in der Ruhe und darauf vertraut, die Menschen zu erlösen. Die Rolle ist das reinste Stimmakrobatikmonster für mich. Ich komme aus einer etwas anderen Richtung. Das ist hier wirklich sehr rockig, sehr hoch sehr anspruchsvoll, geprägt von vielen Darstellern, die das Stück gesungen haben. Geprägt von vielen Linien, die sie entworfen haben für dieses Stück, für diese Partie. Diese Linien muss man aus dem Kopf kriegen, um seinen eigenen Fingerabdruck draufzusetzen."
Der "Humanistische Pressedienst" kommt zu dem Urteil: "Armin Kahl als Jesus schaukelt sich in dieser Rolle vom Beginn bis zum Finale köstlich vom Schluffi zum Verrückten hoch. In der Gethsemane-Szene, kurz vor dem Judas-Kuss, dreht er neben den schlafenden Jüngern voll auf und singt sich so derart in eine selbstüberhöhende Burn-Out-Sackgasse, dass man auf die Bühne springen und ihm eine Zwangsjacke anlegen möchte. Chapeau für diese intensive Verkörperung!"


Arie der Verzweiflung

Das Portal "Musical Reviews" schreibt über Armin Kahl als Jesus: "Die siebenminütige Verzweiflungsarie Gethsemane, mit das Anspruchsvollste, was einem männlichen Musicaldarsteller gesanglich und darstellerisch abverlangt werden kann, markiert den Wendepunkt dieses Charakters: Im Verlauf der Arie schließt er seinen Frieden mit dem Unausweichlichen, schwebt fortan mit mild-entrücktem Gesichtsausdruck über den Dingen, ergibt sich devot in sein Schicksal und fordert von Judas den Verrat geradezu ein."
Mit seinem Engagement im niederösterreichischen Winzendorf schließt sich nun ein Kreis. 2015 hatte Kahl bei den Freilichtspielen in Tecklenburg den Diego in Zorro spielen dürfen. "Diese Rolle ist ein Geschenk für einen Darsteller, denn man darf drei völlig verschiedene Personen verkörpern und das in einer Rolle. Diego, der Vagabund und Lebemann, Diego, der vorgibt, ein Weichei zu sein, und Zorro, den degenschwingenden Helden". Nach den Demütigungen in der Rolle des Jesus kann der Musicaldarsteller den Zuspruch im Zorro ganz gut gebrauchen.
Wenn er eine Bilanz der zurückliegenden beiden Jahre zieht, dann hatte er am meisten Spaß bei "Jekyll & Hyde" und bei "Gefährliche Liebschaften", "auch bei allen anderen Rollen!" - "Körperlich am meisten gefordert hat mich die parallele Spielzeit von Zorro und Cats in Tecklenburg".
Nach dem neuerlichen Zorro-Abenteuer in Winzendorf geht es im August und September nahtlos in Merzig bei Saarbrücken weiter. Dort ist der Musicaldarsteller als Ritter Galahad in "Spamalot" (Ritter der Kokosnuss) gefordert. Anschließend freut sich Armin Kahl auf zwei Monate Pause im September und Oktober. "In diesen zwei freien Monaten sind Urlaub am Strand und natürlich auch Besuch in der fränkischen Heimat in Höchstadt geplant."
Kahl wird dann auch die Stimme für zwei bis drei Wochen ruhen lassen, um dann wieder langsam mit Gesangsübungen einzusteigen. "Sport mach ich sowieso immer. Das gehört dazu. Es hält mich fit und geistig wach." Im November geht es mit Proben zu "Priscilla - Königin der Wüste" am Staatstheater am Gärtnerplatz in München weiter. Premiere ist im Dezember. Das Stück wird bis Ende April laufen.

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