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Lichtenfels

Zwei Zeugen fallen um und eine Verurteilung geht dadurch flöten

Ein Prozess um Drogenkriminalität erfuhr am Mittwoch im Amtsgericht bald nach Eröffnung so etwas wie eine Schwerpunktverlagerung. Denn auf einmal standen au...
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Ein Prozess um Drogenkriminalität erfuhr am Mittwoch im Amtsgericht bald nach Eröffnung so etwas wie eine Schwerpunktverlagerung. Denn auf einmal standen auch die Aussagen der Zeugen im Interesse der Staatsanwaltschaft. Aussagen, auf die eine Staatsanwaltschaft eigentlich angewiesen ist. Von polizeilichem Druck war sogar die Rede. Einem der Zeugen steht bald wohl auch ein polizeiliches Verhör ins Haus.
Schwammig. So lässt sich zusammenfassen, was Richterin Anja Wolf-Albrecht, Staatsanwalt Christian Pfab und Rechtsanwalt Till Wagler zuweilen zu Ohren kam: Sollte dem 23-jährigen Angeklagten aus Lichtenfels wirklich etwas angehängt worden sein? Stimmt es am Ende gar nicht, dass er im Frühling 2015 gleich mehrfach Haschisch und Marihuana verkaufte, noch dazu an Käufer unter 18 Jahren?
Als ein 18-Jähriger im Zeugenstand als erstes seine Aussage bei der Polizei zurückzog, konnte Staatsanwalt Christian Pfab seine Verblüffung nicht verbergen. Die von ihm gemachte Aussage habe er nur unterschrieben, weil er "in der Mittagspause war und nicht zu spät zur Arbeit kommen wollte". Außerdem sei ihm gesagt worden, dass nur relevant sei, was in der Gerichtsverhandlung vorgebracht werde.
Wagler, der später in seinem Plädoyer auf Freispruch pochen sollte, verwies darauf, dass sein Mandant vorher schon in "beträchtlichen Mengen handelte", verurteilt worden sei und sich äußerst kooperativ gegenüber der Polizei gezeigt habe.


Nur "Krümel"

Im Vergleich zu dem, was er damals alles eingeräumt habe, seien das, wofür er nun vor Gericht steht, "Krümel". Der 18-jährige Zeuge führte aus, dass er nicht von dem Angeklagten sondern von dessen 19-jähriger Freundin Haschisch und Marihuana erhalten habe. Die "Krümel", um die es sich dabei handelte, lagen im untersten Grammbereich.
"Da muss ich was korrigieren", begann der nächste "Belastungszeuge" und sprach davon, dass er zu dem damaligen Zeitpunkt "nicht gut" mit dem Beschuldigten stand.
"Es tut mir leid, wenn ich falsche Angaben gemacht habe (...) ich habe einen Scheiß zusammengelabert." Das genügte Pfab nicht. Zu "umfang- und detailreich" seien die Angaben gewesen, um aus der Luft gegriffen worden zu sein.
Nach einer Verhandlungsunterbrechung wollte das Gericht Akten mit Aussagen herbeiziehen. Außerdem den protokollierenden Polizeibeamten. Sollte er wirklich Druck ausgeübt haben? Das stritt der heftig ab. Auch der Umstand, dass ein Verfahren wegen Falschaussage auf ihn zukommen könnte, brachte ihn nicht von seiner Haltung ab.
Am Ende standen zwei Dinge fest. Dass "mit diesen Belastungszeugen kein Nachweis geführt werden kann", wie Pfab es ausdrückte, und dass der Angeklagte zumindest einmal die Rauschmittel in Besitz hatte, die später vielleicht von seiner Freundin verkauft worden sind. 1000 Euro Strafe wird er dafür zu zahlen haben.

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