Bayreuth

Zwei Stunden voller Poesie, Melancholie und tiefschwarzem Humor

Die Leute müssen es geahnt haben, dass es ein besonderer Abend wird, so dicht besetzt war der Kammermusiksaal Steingräber. Und sie erlebten fast zwei Stunde...
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Chansonette Alix Dudel zog zusammen mit dem Klaviervirtuosen Thorsten Larbig die Zuhörer in ihren Bann. Foto: Horst Wunner
Die Chansonette Alix Dudel zog zusammen mit dem Klaviervirtuosen Thorsten Larbig die Zuhörer in ihren Bann. Foto: Horst Wunner
Die Leute müssen es geahnt haben, dass es ein besonderer Abend wird, so dicht besetzt war der Kammermusiksaal Steingräber. Und sie erlebten fast zwei Stunden voller Poesie, Melancholie und diesen gewissen tiefgründigen, oft tiefschwarzen ins Schmerzhafte gehenden Humor, der ein bisschen süchtig macht.
Eine Beratung beim Psychologen mit Blick in die Seele ist teurer, den Zuhörern wurde der Spiegel vorgehalten, wie das Dasein seine Tücken zuweilen unlösbar bereithält. Die Texte und Gedichte von Georg Kreisler, Friedhelm Kändler und Hildegard Knef schufen eine Atmosphäre, die atemlose Stille und herzhaftes Zwischenlachen auslösten. Dank einer, trotz leichter Erkältung fast magisch wirkenden Interpretin als Sprachgenie und mit einer dunklen, einnehmenden Stimme ausgestattet: Die Chansonette Alix Dudel hat nicht nur körperliche Größe, sondern auch Größe in ihrem Charme und der warmen Ausstrahlung. Zusammen mit dem Klaviervirtuosen Thorsten Larbig bezauberte sie das beifallsfreudige Publikum, das durch ein Wechselbad der Gefühle geführt wurde.
"Vielleicht ist Liebe eine Lüge oder ein Fauxpax", "Lassen Sie die Türe öfters offen" oder "Die exhibitionistische Sache im Wald", die Diseuse wusste jeder Stimmlage, jeder Ergriffenheit oder Lust eine Botschaft zu geben.Und man glaubt es ihr, wie sie es vorträgt: Emotional, gestenreich und wie jemand, der den Glauben an die Erfüllung nicht verliert. Sie ist ein Phänomen mit beeindruckendem Gedächtnis und zuweilen bezirzender Nähe: Wenn sie durch den Mittelgang tänzelte, das Gespräch mit den Gästen suchte und ihren Körper gezielt einsetzte.
Herrlich persiflierend die Vorzüge und Macken der zwölf Liebhaber, ganz gegensätzlich die Zugabe "Ich bin zu müde, um schlafen zu geh'n", der sekundenlanges Verharren der Zuhörer folgt, bevor erneut Beifall aufbrandete. Alix Dudel hatte endgültig die Herzen erobert. Mit Thorsten Larbig hatte sie einen kongenialen Partner. Der Mann am Klavier setzte solistische Glanzpunkte: Mitreißende Kraftakte in Überhandgriffen, fingerschnelle Läufe in allen Nuancen. Er wob wunderbare Klangteppiche.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren