Bamberg

Zur "Nacherziehung" in den Gerichtssaal

Gertrud Glössner-Möschk Es sind nette, gepflegte Bamberger Jungs, die in der vergangenen Woche in einem Verfahren wegen Körperverletzung am Amtsgericht als ...
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Gertrud Glössner-Möschk

Es sind nette, gepflegte Bamberger Jungs, die in der vergangenen Woche in einem Verfahren wegen Körperverletzung am Amtsgericht als Zeugen geladen waren. Und es waren drei genauso nette und gepflegte Jungs, die auf der Anklagebank saßen und sich auszudrücken und zu benehmen wussten.
Jugendrichter Martin Waschner und seine Schöffen hatten trotzdem Stunden lang zu tun, um den Ablauf einer Auseinandersetzung zwischen beiden Gruppen so gut wie möglich zu rekonstruieren. Das war nicht ganz einfach, allein deswegen, weil der handfest ausgetragene Streit schon 14 Monate zurückliegt und die Erinnerung bei allen Beteiligten alles andere als frisch war.
Außerdem waren die meisten damals auch nicht ganz nüchtern gewesen. Für die jungen Leute, besonders für das Hauptopfer, das leichte Blessuren davongetragen hat, war der Vorfall längst "Schnee von gestern". Eine Mutter, die ihren Sohn zur Hauptverhandlung begleitet hat, konnte nicht verstehen, dass zwischen Tat und Prozess eine so lange Zeit verstreichen muss.


Typische Disco-Schlägerei

Wenn es nach den Zeugen gegangen wäre, hätte sich das Jugendschöffengericht gar nicht mehr mit den drei zwischen 18 und 20 Jahre alten Männern auf der Anklagebank befassen müssen. Strafantrag hatten sie damals nicht gestellt.
"Ich komm' damit schon klar. Ich möchte eigentlich meine Ruhe haben", sagte das Hauptopfer im Zeugenstand. Aber die Staatsanwaltschaft hatte wohl ihre Gründe, in dieser Sache zu ermitteln.
Der Vorfall nahm am 31. Juli 2015 vor einer Diskothek in der Franz-Ludwig-Straße seinen Anfang, als zwei gleichaltrige Männer aneinander gerieten. Der eine soll den anderen mit einem Schimpfwort beleidigt haben - und ging kurz danach zu Boden. Entweder war er "nur geschubst" worden, wie der Angeklagte beteuerte, oder aber, er war von hinten zu Boden gerissen worden. Später ging das Gerangel an der Ecke Hauptwachstraße/Maxplatz weiter. Dort soll ein anderer aus der Gruppe der Angeklagten demselben Mann zwei Ohrfeigen gegeben und ihn nochmals zu Boden geworfen haben. Das Opfer erlitt Schürfwunden.


Erzieherische Gründe

Der jüngste der Angeklagten wurde frei gesprochen, der älteste erhielt die höchste Strafe: 80 Stunden gemeinnützige Arbeit. Er entging aber dem Jugendarrest, den der Staatsanwalt gefordert hatte. Zu 30 Stunden sozialer Arbeit wurde der Freund der beiden verurteilt. Richter Waschner wies die jungen Männer darauf hin, dass die Verurteilungen aus erzieherischen Gründen erfolgten. "Der Staat kann das nicht dulden." Dem zu 80 Stunden verdonnerten 20-Jährigen war zum Verhängnis geworden, dass er bereits einmal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war. Richter Waschner versprach ihm aber, dass die Ableistung der gemeinnützigen Stunden seinen Ausbildungsplatz nicht gefährden werden: "Wenn sich da was beißt, sagen Sie rechtzeitig Bescheid. Da kann man Ihnen helfen."

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