Bamberg
im Gespräch  

Zu Wölfel, "Märtyrer der NS-Zeit"

Alwin Reindl schrieb eine in Kürze erscheinende Biografie über den Bamberger Rechtsanwalt. Auch das Widerstands-Mahnmal, das am Samstag im Harmoniegarten enthüllt wird, erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus.
Artikel drucken Artikel einbetten
Erinnert an Märtyrer, deren Schicksal nicht vergessen werden sollte: Alwin Reindl Foto: P. Mayer
Erinnert an Märtyrer, deren Schicksal nicht vergessen werden sollte: Alwin Reindl Foto: P. Mayer
Eines der traurigsten Kapitel ihrer Geschichte zeigt die Deutschen als Volk der Mitläufer. Wenige lehnten sich im "Dritten Reich" gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft auf, die im Holocaust gipfelte. Auch in Bamberg wehte die Hakenkreuzfahne am Rathaus, verfolgte, verschleppte und ermordete man Andersdenkende.
Am Samstag wird im Harmoniegarten ein Widerstands-Mahnmal enthüllt, um drei Persönlichkeiten zu ehren, die sich gegen das Unrechtsregime wandten und Opfer des Nationalsozialismus wurden: Willy Aron, Claus Schenk Graf von Stauffenberg - und Hans Wölfel, von dem parallel dazu eine Biografie erscheint. Wir sprachen mit Alwin Reindl, dem Verfasser, Historiker und Studiendirektor im Ruhestand.

Eine Biografie zu Hans Wölfel 72 Jahre nach seinem Tod: Wie kamen Sie dazu, über sein Schicksal an eine der schlimmsten Phasen der deutschen Historie zu erinnern?
Alwin Reindl: Seit meiner Pensionierung als Gymnasiallehrer am FLG (1995) befasse ich mich mit den Märtyrern des 20. Jahrhunderts aus dem Erzbistum Bamberg. Zu ihnen gehören neben Menschen, die in Missionsgebieten wie Brasilien ermordet wurden, auch Opfer des Nationalsozialismus.

Warum interessierte Sie gerade Hans Wölfel?
Wölfel war Rechtsanwalt, überzeugter Katholik und bekannte sich auch bei seinen Verhören vor der Gestapo zu seinem Glauben. Dabei wusste er, dass es um seinen Kopf ging. Tatsächlich wurde Wölfel vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Wie hat Wölfel gegen das NS-Regime Stellung bezogen? Wie reagierte er auf die zunehmende Verfolgung der Juden?
Wölfel hat sich zum Judentum nie öffentlich geäußert. Noch bei der Märzwahl 1933 schrieb er aber gegen den Nationalsozialismus an und rief zur Unterstützung der Bayerischen Volkspartei auf. Als Anwalt verteidigte Wölfel über Jahre hin vor dem Sondergericht Bürger, die gegen das NS-Regime opponierten.

Wie lange arbeiteten Sie an der Biografie? Auf welche Quellen stützten Sie sich in erster Linie?
Ich befasste mich etwa eineinhalb Jahre lang mit der Biografie. Materialien fand ich im Stadt- und Staatsarchiv Bamberg, im Bundesarchiv Berlin und im Archiv der Katholischen Studentenverbindung Mainfranken im KV.

Wie würden Sie den Menschen charakterisieren, den Sie als Biograf kennenlernten? Was hätten Sie anfangs vielleicht nicht erwartet?
Überrascht haben mich die Gedichte, in denen Wölfel Selbsterkenntnis übte und mit sich ins Reine kam. Darin machte er sich auch Gedanken über seinen Glauben und verschaffte sich Klarheit. Einerseits war dieser Mann sehr sensibel, andererseits auch selbstbewusst auftretend und impulsiv. Dabei lebte Wölfel für seine Überzeugung und setzte sich für sie ein. Als Jurist glaubte er an den göttlichen Ursprung des Rechts.

Was können wir heute von Hans Wölfel noch lernen?
Wölfel war ein Mensch, der aus seiner religiösen Glaubensüberzeugung heraus lebte. Er sah es als seine Aufgabe an, die eigentliche christliche Botschaft in der Öffentlichkeit wirksam werden zu lassen. Dabei ließ er sich nicht von anderen irritieren und von seinem Weg abbringen.

Wo würde ein Hans Wölfel heute versuchen, Einfluss zu nehmen?
Ich denke, dass er sich heute dafür einsetzen würde, dass Flüchtlinge hierzulande von den Menschen aufgenommen und integriert werden. Er würde sich auch für die überlieferte Rolle der Familie in der Gesellschaft engagieren.

Das Interview
führte Petra Mayer.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren