Laden...
Lichtenfels
Theater 

Zartes Pflänzchen Freundschaft

Beim Kinderstück "Lilli und der Rabe" geht es um Eigenschaften, die einen weiterbringen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Auf der Bühne ist eine Baustelle zu sehen. Zu hören ist ein Rabe, der mit lautem Gekrächze sein Schicksal beklagt. Ein Mann mit einer Kettensäge in der Hand hat sein Nest zerstört und dabei hat er sich nicht einmal vorgestellt. Und überhaupt ist alles ganz schrecklich an diesem Tag. "Soll ich jetzt wieder zurück ins alte warme Nest?", fragt sich der Rabe. Doch das Nest seiner Kindheit ist inzwischen kalt geworden, außerdem wohnen da jetzt andere drin.
Im Rahmen einer inklusiven Veranstaltung haben gestern knapp 300 Kinder aus verschiedenen Kindertagesstätten und Grundschulen des Landkreises in der Schulturnhalle des Sonderpädagogischen Förderzentrums der Caritas im Eichenweg das Stück "Lilli und der Rabe" gesehen.


Baustelle als Bühnenbild

Theatersommer-Schauspielerin Madina Frey schlüpft in die Rolle des Mädchens Lilli, ihr Kollege Johannes Leichtmann gibt den schlecht gelaunten Raben. In dem Theaterstück von Wilfrid Grote geht es um das Thema Freundschaft und Zivilcourage.
Theatersommer-Intendant Jan Burdinski, der auch Regie führt, hat für das Bühnenbild bewusst eine Baustelle gewählt. "Auch die Freundschaft ist eine immerwährende Baustelle, an der man ständig arbeiten muss." Wie im realen Leben lernen sich die beiden Protagonisten über manch einen Konflikt näher kennen. Während der Rabe noch sein Schicksal beklagt, trifft er auf Lilli, die auf eine Freundin und deren Hund wartet. Lilli gibt ihm zu verstehen, dass er vielleicht auch ein bisschen selbst schuld an der Zerstörung seines Nestes ist. "Wer baut schon sein Nest auf dem untersten Ast?"
Da Lilli ohnehin Zeit hat, möchte sie ihm beim Wiederaufbau des Nestes helfen. Doch der Rabe stellt sich alles andere als geschickt an. Kaum aufgebaut, stürzt das Nest wieder ein. Auch die Freundin mit dem Hund lässt auf sich warten. Dabei hat der Rabe doch eine Heidenangst vor Hunden, die ohnehin alle hinterhältig und blutrünstig sind. Ein Vorurteil, das Lilli so nicht stehen lassen will. Der Hund ihrer Freundin tut schließlich niemandem etwas.
Besonders lustig wird es, wenn der Rabe und Lilli sich streiten und der Rabe aufgeregt krächzt und umherflattert, dann lachen die meisten Kinder. Im Gegensatz zu Lilli ist der Rabe laut, manchmal ungerecht und nachtragend. Trotz seiner Jammertiraden hält es Lilli bei ihm aus. Langsam entwickelt sich zwischen den beiden eine Freundschaft.


Vorurteile werden abgebaut

Der Rabe wird offener, baut seine Vorurteile ab. Das zarte Pflänzchen Freundschaft, das sogar einen handfesten Streit aushält, bei dem die Federn fliegen, gedeiht. Die Freundin mit dem Hund erscheint auch später nicht. Mit Lillis Hilfe gelingt es dem Raben schließlich, sein Nest wieder aufzubauen. Zu diesem Zeitpunkt sind beide schon Freunde geworden.
Am Ende dürfen sich die beiden Schauspieler über viel Applaus freuen. Und manch ein Kind möchte den Raben und Lilli auch aus nächster Nähe kennenlernen. Besonders die Federnv des Raben werden bewundert. Nach der zweiten Vorstellung dürfen sich die Schauspieler Madina Frey und Johannes Leichtmann über je eine von den Schülern angefertigte Herzkerze freuen. "Weil das Stück von Herz zu Herz geht", erklärt der Rektor der St.-Katharina-Schule, Werner Lindner.
Es bleibt nicht die einzige Vorstellung des Fränkischen Theatersommers im Sonderpädagogischen Förderzentrum der Caritas, wie Werner Lindner berichtet. Am Samstag 23. Juli, 19 Uhr, ist im Innenhof des Förderzentrums die Aufführung des Klassikers Don Quichotte geplant.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren