Zeil am Main

Wunderschön und berührend

Konzert  Fulminante und unter die Haut gehende Musik erklang beim Open Air in der Zeiler Tuchanger-Sporthalle. Die Aufführung unter der Leitung von Oliver Kunkel musste wegen des Wetters kurzfristig nach drinnen verlegt werden.
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Mit großer Begeisterung für die Musik, Freude am Zusammenspiel, bewundernswerter Virtuosität und gestalterischer Kraft boten die Chorklassen der Rathenau-Schulen, das Maintal-Sinfonieorchester sowie der Chansonier Philippe Huguet unter der Leitung von Oliver Kunkel beim "Classic Open Air" in Zeil ein besonderes musikalisches Erlebnis.  Fotos: Ulrike Langer
Mit großer Begeisterung für die Musik, Freude am Zusammenspiel, bewundernswerter Virtuosität und gestalterischer Kraft boten die Chorklassen der Rathenau-Schulen, das Maintal-Sinfonieorchester sowie der Chansonier Philippe Huguet unter der Leitung von Oliver Kunkel beim "Classic Open Air" in Zeil ein besonderes musikalisches Erlebnis. Fotos: Ulrike Langer
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von unserer Mitarbeiterin Ulrike Langer

Zeil — So wunderschön und berührend war die Musik und so großartig die Leistungen der Sänger und Musiker, dass es die Zuhörer nach dem letzten fulminanten Ton des Open-Air-Konzerts in der Tuchanger-Halle in Zeil nicht mehr auf den Plätzen hielt. Stehend applaudierten sie minutenlang voller Begeisterung und auch die kleinen und großen Künstler dankten sich gegenseitig mit Beifall, wobei letztendlich die Freude aller in dem Applaus für den Organisator, Leiter und Dirigenten Oliver Kunkel gipfelte.
Dass das "Open Air am Hexenturm", das eigentlich im Freien hätte stattfinden sollen, aufgrund des unbeständigen Wetters in die Halle verlegt worden war, tat dem musikalischen Erlebnis keinen Abbruch. Bürgermeister Thomas Stadelmann freute sich, dass immerhin 500 Besucher gekommen waren und die Halle gefüllt hatten.
Der künstlerische Leiter Oliver Kunkel hatte mit den vier Chorklassen der fünften und sechsten Klassen, dem Mittelstufen- und dem Oberstufenchor des Gymnasiums und der Realschule der Walther-Rathenau-Schulen in Schweinfurt und dem Maintal-Sinfonieorchester in den letzten Monaten ein äußerst ansprechendes und abwechslungsreiches Programm unter dem Titel "Look at the world" erarbeitet, das zudem eine besondere Dramatik aufwies. So eröffnete er den Abend mit seinen 150 jugendlichen Sängerinnen und Sängern sowie den Musikern mit einem Satz aus dem symphonischen Werk "Itaipu" von Philip Glass. Der Komponist hatte es nach dem Besuch des Staudamms Itaipú in Brasilien und Paraguay geschrieben und verwendet darin den Schöpfungsmythos der Guaraní-Indianer in deren Sprache. Der Satz "The Lake" offenbarte zum einen die Schönheit, die pulsierende Energie und die mitreißende Rhythmik der Musik und zum anderen den Glanz der jungen Stimmen, die dieses Werk zusammen mit dem feinfühlig spielenden Orchester wunderbar intonierten. Ein besonderes Lob hatten der erst 14 Jahre alte Pianist Jareem Wilmore und die Studentin Claire Augiere an der Harfe für ihr herausragendes Spiel während des gesamten Konzerts verdient.
Für das weitere Programm hatte Oliver Kunkel wunderbare Kompositionen von John Rutter, Wolfgang Amadeus Mozart und Jacques Brel ausgesucht. So erklang zunächst das Titellied "Look at the world" von John Rutter, dem die Lieder "The Lord bless you", "Blow winter blow" und "Beauty of the earth" folgten. Diese Lob-, Dank- und Segenslieder zur Ehre Gottes wusste der Chor mit großer Sensibilität und Einfühlungsvermögen darzubieten. Die Sängerinnen und Sänger faszinierten durch ihre jugendlich frischen Stimmen, ihre Aufmerksamkeit dem Dirigenten gegenüber, ihre Freude am Gesang und vor allem durch eine beeindruckende Intonation und einen harmonischen Gesamtklang. Oliver Kunkel wiederum "trug" seine Sänger und seine Musiker quasi mit seinen und auf seinen Händen durch den Abend, unterstützte sie durch seine Einsätze, sang in bester Chorleitermanier die Texte mit, dirigierte sensibel und legte besonders großen Wert auf die Dynamik. Die Zuhörer wurden so in den Bann des Gesangs und der Musik gezogen, dass sie in andächtiger Stille den erlesenen Darbietungen lauschten.
Ein weiterer Höhepunkt war der Auftritt des französischen Sängers Philippe Huguet, der mit großem Charme und einer faszinierenden Bühnenpräsenz sechs Lieder von Jacques Brel zum Besten gab und dabei gestisch, szenisch und gesanglich von den Sängerinnen und Sängern unterstützt wurde. Das Orchester erfüllte seine Aufgabe, ihn zu begleiten, hervorragend. Gleichzeitig wussten die Laien- und professionellen Musiker ihr Können auch mit zwei Sätzen aus zwei Symphonien von Mozart eindrucksvoll unter Beweis zu stellen.
Seinen grandiosen Abschluss fand das Konzert schließlich mit dem Satz "The Dam" aus dem Werk "Itaipu" von Philip Glass. Diese Musik ließ niemanden unberührt, drang sie doch durch die Melodien, den pulsierenden Rhythmus, den leidenschaftlichen Gesang und die bemerkenswerten Leistungen der Instrumentalmusiker direkt in die Seele. Nach einer kurzen Stille brandete enthusiastischer Beifall auf , nicht zuletzt besonders für Oliver Kunkel. Der musikalische Leiter war völlig erschöpft, aber auch hocherfreut über den "herrlichen Applaus". "Mich freut besonders, dass die Zuhörer den Vorträgen so aufmerksam und still gelauscht haben und sich am Ende spontan so dankbar gezeigt haben", sagte er. "Das ist einfach wunderbar!"
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