Himmelkron

"Wos scheeners gibt`s doch gor net"

Himmelkron — Von seiner besten Seite zeigte sich Klaus Karl-Kraus am Freitagabend in der Baille-Maille-Lindenallee. Mit seinem Programm "Karpfen, Klees, ka Wasser" begeisterte er s...
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Klaus Karl-Kraus Foto: Werner Reißaus
Klaus Karl-Kraus Foto: Werner Reißaus
Himmelkron — Von seiner besten Seite zeigte sich Klaus Karl-Kraus am Freitagabend in der Baille-Maille-Lindenallee. Mit seinem Programm "Karpfen, Klees, ka Wasser" begeisterte er seine gut 100 "KKK"-Freunde - und ein Besucher brachte es am Ende auf den Punkt:
Klaus Karl-Kraus lebt von seiner Vielseitigkeit, die selten geworden ist im Zeitalter der schnellen Pointen. Der fränkische Kabarettist quält nie einen Witz zum Scherz, die Lacher sind ohnehin und zu Recht auf seiner Seite.

Schneiders Stuhl-Probleme

Die momentane Hitze verlangte auch dem Diplom-Betriebswirt im (Teilzeit-)Brotberuf bei seinem Open-Air-Auftritt alles ab. Er nahm auch gleich Bürgermeister Gerhard Schneider ins Visier: "Du passt ja grod in den Stuhl nei."
Die Besucher hätten sich für sein Programm "Karpfen, Klees, ka Wasser" entschieden. Wahrscheinlich hätten die Männer noch vor einer halben Stunde völlig relaxed zu Hause gesessen und sich nichts Böses gedacht. "Und dann kam Gisela halbseitig geschminkt und hat gesagt: ,Mach dich fertig, Norbert'." Und der habe wie viele andere Männer nicht gewusst, wo es überhaupt hingeht. Klaus Karl-Kraus: "Und genau die Blödel hob ich jetzt do hocken."
Aber an der Stelle dankte "KKK" besonders den Damen, denn ohne die müsste er als Kabarettist einpacken: "Weil wenn ich auf eich warten tät, die net amoll a Hemd aussuchen kenna, do wär ich verratzt."
Der Franke gab zu, ein "Wagnerianer" zu sein. In den Pausen beobachte er die Frauen im Festspielhaus: "Da laufen Frauen in einer Kleidergröße rum, von der sie träumen, dass sie die brauchen."
Klaus Karl-Kraus setzt sich auch mit dem Dialekt und der Dialektik auseinander und ging auf die Frage ein, ob die Franken keinen Humor haben: "Der Humor des Franken ist, nun ja, nicht immer sichtbar. Nein, es ist nicht immer logisch, was der Franke denkt und meint, schon gar nicht, was er sagt - wenn er spricht." Seine Bühnenprogramme sind seit vielen Jahrzehnten eine Suche nach dem inneren roten Faden der fränkischen Seele. Gefunden hat er Abgründe und paradiesische Nischen zugleich. Im Franken vereinen sich Sarkasmus, Derbheit und Anarchie mit der Verniedlichung beinahe aller Alltäglichkeiten ("hammer a weng a Problem") und dem Wegdrücken ungebetener Anfechtungen ("Host du des in der Zeitung glesn?" - "Wos für a Zeitung?").

Erziehung war früher Handarbeit

Zum Thema Erziehung gab Klaus Karl-Kraus eigene Erfahrungen kund: "Ich bin oft ham, Tür auf, patsch! Da war Erziehung noch Handarbeit!" Heute würden die Eltern Lehrern (Birkenstockanimateuren) mit dem Anwalt drohen: "Wie können Sie was fragen, was mein Kind nicht weiß! Ich möchte mal Ihre Unterrichtsmaterialien von meinem Anwalt überprüfen lassen." Und früher? "Wenn ich mit einem Fünfer ham kumma bin, hat mir meine Mutter eine mordsdrimmer Schelln gehm und hot g`socht, lern wos, Du Hundskrüppel. Und ich habe gelernt, weil der Zusammenhang zwischen Fünf und Einschlag direkt war." Rei.

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