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Weißenohe
Leidenschaft 

Wo Willi Pirkel ist, ist immer oben

Mit 21 Jahren hat der Wanderer damit angefangen, auf Berge zu steigen. Bis heute hat das bald 80-jährige Mitglied der Pottensteiner Bergwacht 14 Viertausender erklommen.
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In der Gaststätte in Weißenohe ist die Stimmung ausgelassen. Hier haben sich sechs Mitglieder der Bergwacht Pottenstein getroffen, um erst einmal gemütlich zusammenzusitzen und anschließend von hier aus gemeinsam zu wandern. Gegründet hat diese Seniorengruppe Willi Pirkel. Er wird heuer 80 Jahre alt und ist seit 40 Jahren Mitglied bei der Bergwacht Pottenstein.
"Wir treffen uns alle zwei Monate zum Wandern. Das sind so sechs bis zehn Leute", erzählt Willi Pirkel. Er selbst kam über seinen Schwager zum Wandern und Klettern. "Den habe ich begleitet. Und er hielt mich für so gut, dass er vorschlug, ich soll zur Bergwacht kommen", berichtet Pirkel.


Rauf auf die Wildspitze

Er erinnert ein wenig an den Bergsteiger Luis Trenker, wenn er voller Begeisterung von seinen Touren erzählt. Erste Bergtouren unternahm Pirkel mit seinem Schwager im Alter von 21 Jahren.
Und da ging es dann gleich auf die Wildspitze, die mit einer Höhe von etwa 3770 Metern der höchste Berg Nordtirols und der zweithöchste Berg Österreichs ist. "Mein Schwager war älter und hat mir das Klettern beigebracht", erzählt Pirkel. Anfangs hätten ihn die Gletschertouren allerdings schon überfordert. Aber er blieb dabei. "Ich bin einfach ein aktiver Mensch. Und dann bei der Bergwacht habe ich weitere Ausbildungen gemacht und über 50 Prüfungen abgelegt", lacht Willi Pirkel.


Etappe zum Ochsenkopf

Für ihn waren die Bergtouren ein guter Ausgleich zur Arbeit als Technikermeister, Abteilungsleiter oder Leiter der Hausverwaltung in einem internationalen Unternehmen.
Voller Elan erzählt Pirkel von einer Wanderung aus dem Jahr 1989. Da ging es um vier Uhr in der Früh an der Bergwachthütte in Pottenstein los. Ziel war der Ochsenkopf. "Da waren wir mit Karte und Kompass unterwegs, sind querfeldein gelaufen und mussten mit den Schuhen einige Bäche durchqueren", lacht der Wanderführer. Gegen 13 Uhr sei die Gruppe unvollständig am Ochsenkopf angekommen - drei Kollegen hatten unterwegs schlapp gemacht. "Das war schon etwas anders als heutzutage, so ohne Smartphone", meint Pirkel.
Wobei die neuen Techniken die Arbeit der Bergwacht erleichtern. "Da ist es schon einfacher, wenn ein Hilfesuchender sagen kann, wo er sich genau befindet. Früher kamen dann so Aussagen wie: Wir sind im Wald bei Weißenohe", sagt Pirkel nachdenklich - denn der Wald ist groß.
Doch gleich ist er wieder gut drauf und erzählt von seinem Auftritt als "Model": Der Nürnberger Flugdienst gestaltete 1996 seinen Prospekt mit dem Motto "Wir holen Sie von jedem Ort der Welt" neu. Die Idee war, einen Geschäftsmann mit Aktenkoffer per Hubschrauber von einem Felsen abzuholen. Diesen Geschäftsmann durfte Willi Pirkel mimen.
Mit seinem Kletteranzug machte sich Willi Pirkel auf den Weg auf den Felsen in Tüchersfeld.


Ein Rundflug als Geschenk

"Da oben ist nicht so viel Platz. Da musste ich mich dann umziehen, den Kletteranzug verstecken und im Geschäftsanzug und mit Aktenkoffer dem Helikopter zuwinken", erinnert sich der Bergsteiger.
Als Dank bekam er einen Rundflug über die Fränkische Schweiz geschenkt. Anlässlich seines 25. Dienstjubiläums gab es eine kleine Ehrung in der Kapelle am Wallberg bei Rottach-Egern. Sechs Kollegen hatten ihre Instrumente mitgebracht und untermalten das Ereignis musikalisch.
Danach ging es weiter auf eine Gipfeltour zum Risserkogel, der etwa 1800 Meter hoch ist.
Insgesamt hat er 14 Viertausender bestiegen - und sich unerlaubterweise jedes Mal einen Stempel in seinen Ausweis machen lassen. Deshalb hätte er einmal fast nicht nach Österreich einreisen dürfen. "Und ich habe natürlich auch viele Dreitausender gemacht", sagt Willi Pirkel. Außerdem war er für die Bergwacht Pottenstein im Einsatz.
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