Baiersdorf
Versammlung 

Wird Baiersdorf "aufgepeppt"?

Die Infoveranstaltung zur Dorferneuerung verlief turbulent. Einige Bürger fühlten sich übergangen.
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Am Kreuz im Baiersdorfer Ortskern soll im Rahmen der Dorferneuerung ein Platz zum Verweilen entstehen, in den auch ein Spielplatz mit eingebunden werden soll. Der bestehende im Außenbereich würde dann wegfallen.  Foto: Stephan Stöckel
Am Kreuz im Baiersdorfer Ortskern soll im Rahmen der Dorferneuerung ein Platz zum Verweilen entstehen, in den auch ein Spielplatz mit eingebunden werden soll. Der bestehende im Außenbereich würde dann wegfallen. Foto: Stephan Stöckel
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Dass dem Altenkunstadter Ortsteil Baiersdorf ein neues Erscheinungsbild gut zu Gesicht stehen würde, darüber herrschte am Montagabend Einigkeit. "Wir haben die Chance, unsere Ortschaft aufzupeppen", sagte Gemeinderat Frank Novotny von den Sozialen Bürgern (SB).
Uneinig war man sich bei der Informationsveranstaltung zur geplanten Dorferneuerung im Hotel Fränkischer Hof über den Weg dorthin. Immer wieder mussten sich Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) und die zehn Teilnehmer, die im April an einem Seminar an der Schule der Dorf- und Flurentwicklung in Klosterlangheim teilgenommen hatten, den Vorwurf gefallen lassen, nicht basisdemokratisch vorzugehen.
"Wir sollten nicht über die Köpfe von Bürgern entscheiden. Deshalb sollten alle Einwohner angeschrieben werden", betonte Lorenz Grünbeck. In dasselbe Horn blies auch der Baiersdorfer Gemeinderat Edwin Jungkunz (CSU), der konkreter wurde, was Kosten und Formulierung des Briefes anbelangt: "Es kostet noch nicht einmal 100 Euro, jedem Bürger ein Schreiben zukommen zu lassen, in dem dieser gefragt wird, ob er eine Dorferneuerung wünscht oder nicht."


Fragebögen sind unüblich

Ein Einfaches "Ja" oder "Nein" gebe es bei dieser vielschichtigen Angelegenheit nicht, konterte der Bürgermeister. Im Rahmen eines Dorferneuerungsverfahrens sei es zudem unüblich, Fragebögen zu verschicken.
Hümmer berief sich in seiner Aussage auf Baudirektor Wolfgang Kießling vom Amt für Ländliche Entwicklung in Bamberg, der an der Veranstaltung ebenfalls teilgenommen hatte. Als Martina Mätzke von der Jungen Wähler Union (JWU) meinte, dass nicht alle Baiersdorfer von der Dorferneuerung betroffen seien, zog sie sich den Unmut von Grünbeck zu, der lautstark polterte: "Entweder sind wir eine Dorfgemeinschaft oder nicht!?"
Gerhard Jung kritisierte, dass die Veranstaltung im Amtsblatt der Gemeinde nicht angekündigt worden war. "Das nehme ich auf meine Kappe", gestand der Bürgermeister ein. Man habe noch in diesem Jahr eine Informationsveranstaltung durchführen wollen, schob er den Grund nach. Für das Amtsblatt sei es leider schon zu spät gewesen. "Es war bereits Redaktionsschluss."


Versammlung Anfang 2017

Nach langem Hin und Her verständigte man sich schließlich darauf, das Thema auf die Tagesordnung der alljährlichen Baiersdorfer Bürgerversammlung zu setzen. Anfang 2017 soll dort darüber abgestimmt werden, ob eine Dorferneuerung gewünscht wird oder nicht. Sollten sich die Bürger dafür entscheiden, wird der Gemeinderat die weiteren Schritte in die Wege leiten, damit die Maßnahme mit finanzieller Unterstützung durchgeführt werden kann.
Gemeinderat Frank Novotny, einer der Seminarteilnehmer, hatte anfangs hervorgehoben, wie wichtig es sei, die Bürger mit einzubeziehen: "Der Schlüssel zum Erfolg des Projekts liegt darin. Alle Bürgerinnen und Bürger können und sollen mitreden, wenn es um die Gestaltung ihres Lebensraumes geht - ohne dass dadurch der Entscheidung des Gemeinderates vorgegriffen werden kann und soll."
Die Angst, über die Straßenausbaubeitragssatzung zur Kase gebeten zu werden, grassierte unter den Teilnehmern. "Die Umlagekosten werden in ihrem Fall relativ bescheiden ausfallen. Sie sollten einmal die Leute aus Orten hören, in denen keine Kreisstraße durch den Ort verläuft", beruhigte Kießling die Gemüter.


Barrierefreiheit steht ganz oben

Hümmer hatte zuvor darauf hingewiesen, dass die Kosten für den Ausbau der Kreisstraße nicht auf die Anwohner umgelegt werden könnten. Sie müssten nur für den Gehweg, die Beleuchtung und einen Teil der Straßenentwässerung aufkommen. "Die finanziellen Aufwendungen für den in der Ortsmitte vorgesehenen Dorfplatz, der in das Eigentum der Kommune übergehen wird, trägt die Gemeinde", stellte der Bürgermeister klar.
Frank Novotny stellte die Projekte vor, die von den Seminarteilnehmern als wichtig erachtet wurden. Ganz oben auf der Rangliste steht ein barrierefreies, sicheres Gehen auf einem verbreiterten Gehweg entlang der Kreisstraße, gefolgt von der Erneuerung der Kanal- und Wasserleitungen. Auf Platz drei stehen punktgleich die Straßenraumgestaltung und die Schaffung eines Dorfplatzes mit Ruhebänken und Spielplätzen am scharfen Eck in der Altenkunstadter Straße zwischen Kirche und Jesu-Kreuz.


Die Ziele

Dahinter folgen die Erstellung eines Leerstandkatasters, die Schaffung von Baumtoren an den Ortseinfahren zur Verkehrsberuhigung, der Bau eines Fußweges von der Brunnengasse bis zur Straße Langäcker, die Erschließung eines Baugebietes und die Anlage eines Bolzplatzes. Der Spielplatz im Außenbereich soll durch einen Weiher ersetzt werden.
Im Gegenzug wird am Dorfplatz ein neuer Spielplatz errichtet. Als möglicher Standort für ein Baugebiet käme nach Ansicht Novotnys ein Areal am Ortsrand von Baiersdorf in Richtung Woffendorf unweit des Fränkischen Hofes infrage.
Dass der Punkt Baugebiet so weit hinten stand, stieß manchen der Bürger sauer auf. "Der demografische Wandel hat uns voll erwischt. Deshalb muss es oberste Priorität sein, ein Baugebiet für junge Leute zu errichten", betonte Baptist Fischer. "Nichts ist in Stein gemeißelt", wiederholte sich Novotny.
Gerhard Stark verteidigte die Entscheidung des Gremiums, die Errichtung eines Dorfplatzes vor den Bau eines Neubaugebietes platziert zu haben. "Was nützen uns all die Baugebiete, wenn Baiersdorf kein schöner Fleck zum Wohnen ist?", fragte er in die Runde. Das Dorf brauche einen Anziehungspunkt - und der sei für ihn der geplante Dorfplatz.

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