Coburg

Wie gerecht ist unsere Gesellschaft?

Die Wirtschaftsethikerin Prof. Milena Valeva von der Hochschule Coburg antwortet darauf anlässlich des Tages der sozialen Gerechtigkeit am Montag, 20. Febru...
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Milena Valeva
Milena Valeva
Die Wirtschaftsethikerin Prof. Milena Valeva von der Hochschule Coburg antwortet darauf anlässlich des Tages der sozialen Gerechtigkeit am Montag, 20. Februar.
Milena Valeva ist Professorin für Unternehmenskultur und Ethik im Masterstudiengang Zukunftsdesign an der Hochschule Coburg. Sie sagt: "Wie man soziale Gerechtigkeit grundsätzlich definiert, ist bereits eine große Streitfrage." Je nachdem, ob man dem Leistungsprinzip, der Chancengleichheit oder der Bedarfsgerechtigkeit folgt, versteht man unter Gerechtigkeit etwas anderes. Milena Valeva fordert, jedes Individuum mit den Kompetenzen für ein selbstbestimmtes Leben auszustatten. Soziale Gerechtigkeit bedeute, dem Einzelnen ein autonomes, selbst gewähltes Leben zu ermöglichen. Wichtige Faktoren seien dabei ein gutes Bildungs- und Gesundheitssystem sowie ein gehobener Lebensstandard.
Wie sozial gerecht eine Gesellschaft ist, kann man am Human Development Index der Vereinten Nationen ablesen. Der Index bildet neben dem Bruttoinlandsprodukt eines Landes auch die Lebenserwartung und die Ausbildungszeiten seiner Bürger ab. Deutschland befindet sich momentan auf Rang 6 hinter Ländern wie Norwegen, Australien, der Schweiz, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten. Auf den letzten Plätzen befinden sich der Kongo und Niger.
"Die Lage in Deutschland ist also vergleichsweise gut", sagt Milena Valeva. Darauf ausruhen dürfe man sich jedoch nicht. Soziale Gerechtigkeit ist ein Thema, das in der öffentlichen Diskussion immer wieder auftaucht, denn die Schere zwischen arm und reich wird auch in Deutschland immer größer. Diese Ungleichheit fördert soziale Spannungen und extreme Bewegungen, wie sie momentan in ganz Europa Zulauf erhalten.
Aber wie erreicht man nun tatsächlich mehr soziale Gerechtigkeit? Milena Valeva sagt: "Schüler und Studierende müssen ethische Kompetenzen erwerben, damit sie als moralisch mündige Gestalter der Zukunft handeln können." Dafür sei es wichtig, dass sie die Gesellschaft und ihre Rolle in ihr kritisch reflektieren. Die Studierenden sollten das nicht nur theoretisch lernen, sondern in ihrem Alltag und Beruf leben. "Mein Ziel in der Lehre ist es, Ethik und Gerechtigkeit als Werte für das tägliche Leben zu vermitteln", sagt Milena Valeva.
Wie das aussehen kann, lebt sie selbst vor. Neben der Ausrichtung ihrer Lehre auf Unternehmensethik, gründete sie die gemeinnützige Organisation Odyssey in Bulgarien. Mit ihr versucht sie, mehr soziale Gerechtigkeit in ihrem Heimatland Bulgarien herzustellen.
In Kooperation mit deutschen Institutionen und den sozialen Einrichtungen vor Ort fördern sie Bildungs- und Berufsmöglichkeiten. Zurzeit bilden sie beispielsweise verstärkt bulgarische Altenpfleger in Deutschland aus. red

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