Bad Staffelstein

Wie gemütlich und menschelnd-warm Heimat klingen kann

Ein Gottesdienst war es. Aber einer, dessen Liturgie unmerklicher war, mehr in Richtung Ungezwungenheit weisend. Vielleicht begann das Gefühl von Heimat sch...
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Heimatliche Klänge verschmolzen mit heimatlichen Bildern. Foto: Markus Häggberg
Heimatliche Klänge verschmolzen mit heimatlichen Bildern. Foto: Markus Häggberg
Ein Gottesdienst war es. Aber einer, dessen Liturgie unmerklicher war, mehr in Richtung Ungezwungenheit weisend. Vielleicht begann das Gefühl von Heimat schon hier: sich zwanglos wohlfühlen, daheim sein an einem Sonntagabend in der evangelischen Dreieinigkeitskirche in einem Gottesdienst rund um den Heimatbegriff. Geplant war es aber ein bisschen anders.
Der Regen machte einen Strich durch die Rechnung. Einen nur kleinen, denn die Gleichung ging trotzdem auf, zumindest wenn man die Messlatte guter Unterhaltung an eine kirchliche Veranstaltung anlegte. Nur weil Pfarrer Matthias Hagens "Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!" wegen Regens anstelle im Pfarrgarten doch im Kirchenbau stattfand, ging das Luftige der Atmosphäre noch lange nicht verloren.
Und wann eröffnet ein Gottesdienst schon mal mit einem Satz aus Goethes Faust? Eine gute halbe Hundertschaft an Besuchern durfte sich auf einen besonderen Abend einrichten, voll dichter Impressionen aus Gedanken, Gedankenspielen, Bildern und Musik. Weil ein Mensch dort Mensch sein darf, wo er sich wohlfühlt, also neben der Heimat als räumlichem Begriff auch in Freundschaften, Begegnungen, Musik, Büchern. Und hinter allem der Kern der Botschaft: Dank an Gott für unsere Heimat(en), aus welchem Blickwinkel auch immer.


Im spießbürgerlichen Eck

Nein, mit der Auskunft aus Wikipedia, wonach Heimat zumeist als räumlicher Begriff zu lesen sei, in dem Menschen "ihre Sozialisierung erfahren" haben, mochte sich Hagen nicht zufrieden geben. Schon seit langem habe er sich mit der Beleuchtung des Heimatbegriffs getragen, einem Begriff, der in seiner Jugend verpönt war und in die spießbürgerliche Ecke gedrängt worden sei, so Hagen nach dem Gottesdienst unserer Zeitung gegenüber ausführend. Doch auch während des Gottesdienstes hielt er fest, dass Heimat ein "schwieriger Begriff für Deutsche" sei, irgendwo "zwischen Zuflucht, Patriotismus und Firlefanz" liegend. Doch wie gemütlich und menschelnd-warm Heimat klingen kann, erwies sich an Psalm 104, der in heimischem fränkischen Dialekt vorgetragen wurde. Doch, so verlesen, geht Strenge verloren und wird durch Augenzwinkern ersetzt. Erst recht, wenn ein Beamer schöne Landschaften und heimatliche Schnappschüsse in Dauerschleife dem Gemüt vor Augen führt. Was zur klug-entspannten Atmosphäre des Abends beitrug, hatte auch mit den Adressaten für diesen Gottesdienst zu tun. Evangelische? Katholische? Überhaupt konfessionell Gebundene? Da war kein Beharren auf eigenen Positionen, keine Aufwerfen einer Schuldfrage rund um das Schisma, einfach nur die Akzeptanz eines Umstands, den Gott selbst immerhin zuließ.


Für satten Klang gesorgt

Musikalische Noten gab es viele, vorgetragen vom Posaunenchor Bad Staffelstein/Herreth, der, neunköpfig vor dem Altar spielend, aus diesem räumlichen Trichter heraus für satten Klang sorgte. Oder vom Liedermacher Franz Wachter, der eine Lanze für das Daheimbleiben brach und bei dem sich mancher Refrain so anhörte, als ob er den Problemen der Welt ein Schnippchen schlagen wolle. Gebetet und gedankt für Heimat wurde auch, gemeinsam und im Verständnis dafür, dass jeder seinen eigenen Zugang haben darf.

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