Lendershausen

Wie früher mit den toten Tieren umgegangen wurde

Der Historische Verein Landkreis Haßberge besuchte die Wirkungsstätte des letzten Abdeckers von Lendershausen. Das geschah bei der ersten Sommerreise des Ve...
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Der Historische Verein Landkreis Haßberge besuchte die Wirkungsstätte des letzten Abdeckers von Lendershausen. Das geschah bei der ersten Sommerreise des Vereins. Vier Touren sind insgesamt geplant. Der Verein setzt damit, wie er mitteilte, die Veranstaltungsreihe fort, die seit sieben Jahren Burkard Hauck organisiert.
Vom Hofheimer Stadtteil Lendershausen fuhren die Teilnehmer der Exkursion in die Nähe des Sauerbrünnleins, wo auf der angrenzenden Kerbfelder Flur das Wohnhaus und die Abdeckerei des letzten Wasenmeisters von Lendershausen erhalten ist. Etwa bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts entsorgte und verarbeitete er dort im Auftrag der umliegenden Gemeinden die Körper verendeter Tiere. Zeitzeugen erzählten von ihren Erinnerungen an den für Kinder unheimlichen Ort, an dem es zudem unangenehm roch.
Der Heimatforscher Rudolf Ludwig las aus einem Vertrag des Wasenmeisters mit der Gemeinde Lendershausen aus dem Jahr 1847. So erfuhren die Sommerreisenden, dass der Wasenmeister die abgedeckten Häute der "gefallenen" Tiere ohne alle Beschädigung an deren Eigentümer zurückgeben musste. Bei der Rückgabe der Häute musste der Eigentümer dem Wasenmeister sechs Kreuzer bezahlen oder den gleichen Wert an Brot und Bier verabreichen.
Die Häute von Schweinen, Hunden und "ungeleckten", das heißt totgeborenen Kälbern durfte er behalten. Durch deren Verarbeitung oder den Verkauf an Gerber konnte er sein nicht sehr üppiges Gehalt etwas aufbessern. Im Gegenzug mussten ihm die Eigentümer dafür kein Geld geben. Als Grundgehalt erhielt der Wasenmeister von der Gemeinde Lendershausen eine Wiese am Sauerholz zur Nutzung für die Zeit seiner Abdeckerei, durfte aber kein Vieh darauf weiden lassen.
Wie Zeitzeugen berichteten, war der Sauerwald mit dem Sauerbrünnlein früher ein Ort, an dem sich die Lendershäuser mit Quellwasser versorgten, das jedoch wegen seines Schwefelgehaltes manchmal etwas nach faulen Eiern roch und, wenn es länger stand, wegen seines Eisengehaltes auch rot wurde. Ab 1884 musste man dafür bezahlen, wenn man aus dem Sauerbrünnlein Wasser holte. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde sogar eine Probebohrung niedergebracht, die aber wegen der zu schwachen Quellschüttung in keine Nutzung mündete.
Auch an eine Sauermühle erinnerten sich die Teilnehmer, die durch einen aufgestauten Bach angetrieben worden war. Die Spuren dieser ehemaligen Mühle sind längst verloren. red

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