Coburg

Wie die Caritas hilft, wenn Schulden drücken

Letzte Mahnung, Dispo überzogen, der Strom wurde abgestellt. Unvorhersehbare Ereignisse wie Arbeitslosigkeit, Krankheit, Erwerbsunfähigkeit, Trennung oder S...
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Letzte Mahnung, Dispo überzogen, der Strom wurde abgestellt. Unvorhersehbare Ereignisse wie Arbeitslosigkeit, Krankheit, Erwerbsunfähigkeit, Trennung oder Scheidung, ein längerfristiges Niedrigeinkommen, eine gescheiterte Immobilienfinanzierung, aber auch Familienzuwachs oder unbedachter Konsum können zu wirtschaftlicher Not und damit zu Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung führen. Oft kämen mehrere Gründe zusammen, sagt Sozialpädagogin Frauke Seitz von der Schuldnerberatungsstelle des Caritasverbandes Coburg.


Wenn alles ausweglos erscheint

Wenn es aufgrund von Schulden zu sozialer und finanzieller Not kommt, wenn die Situation ausweglos erscheint, die Existenz bedroht und der Lebensunterhalt nicht mehr gesichert sind, suchen und finden die Fachkräfte der Schuldnerberatung des Caritasverbandes Coburg gemeinsam mit dem Ratsuchenden Wege zu angemessenen Hilfen und Lösungen. "Ziel ist dabei in jedem Falle die Existenzsicherung, sowie die soziale Stabilisierung der Ratsuchenden", berichtet Frauke Seitz.
Im Rahmen weitergehender Beratung und Begleitung werde gemeinsam nach Möglichkeiten und Wegen einer wirtschaftlichen Sanierung gesucht. In der Schuldnerberatung sei häufig festzustellen, dass die Überschuldung nicht nur wirtschaftliche Folgen hat, sondern auch die Psyche und das soziale Verhalten der Menschen negativ beeinflusse. Mahnschreiben und Zwangsvollstreckungsmaßnahmen sowie eigene moralische Vorstellungen erzeugten Druck, heißt es in einem Pressebericht des Caritasverbandes.
Da Schulden und Armut tabubehaftete Themen seien, lebten Betroffene häufig sozial isoliert und versuchten durch neue Schulden, nach außen den Schein zu wahren. Sie wendeten sich dann erst an die Schuldnerberatung, wenn die Existenz massiv bedroht sei, zum Beispiel bei Lohn- und Kontenpfändung, berichtet Sozialpädagogin Frauke Seitz. "Es ist besser, rechtzeitig bei uns anzufragen, bevor der Schuldenberg zu sehr drückt", ergänzt Christine Scheurer von der Schuldnerberatung, "denn zu warten macht alles nur schlimmer."
655 Menschen aus Stadt und Landkreis Coburg suchten im vergangenen Jahr laut Mitteilung professionelle Unterstützung bei der Schuldnerberatung des Caritasverbandes Coburg. Auffallend sei, dass sich die Anzahl der überschuldeten jungen Erwachsenen erheblich erhöht hat. Nahezu alle Schuldner dieser Altersgruppe hätten Verbindlichkeiten im Telekommunikationsbereich. Die Gläubigeranzahl pro Schuldner bewegte sich insgesamt zwischen einem und 48 Gläubigern.
"Bei der Schuldnerberatung braucht man einen langen Atem", berichten die Schuldnerberaterinnen Ursula Mintzlaff und Veronika Hein. Die Analyse der individuellen Situation, das Aufstellen eines Entschuldungsplanes, die Abwehr unberechtigter Ansprüche, die Aufarbeitung der Verschuldungsgeschichte und die erzieherisch-vorbeugende Beratung für die Zukunft, all das brauche Zeit. red

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