Ebern

Wie barrierefrei ist Ebern?

Gestaltung  Bayern soll barrierefrei werden bis 2023 - fordert die Staatsregierung. Wie weit Ebern bereits ist, hat der Fränkische Tag mit der Seniorenbeauftragten Isabell Kuhn und dem Ehepaar Ranz getestet.
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von unserem Redaktionsmitglied 
Andreas Lösch

Ebern — Wer gut zu Fuß ist, merkt es kaum. Beim Schlendern durch Eberns schöne Altstadt erblickt man allerhand, aber Barrieren - ja wo denn? Jede Treppe, jede Stufe und holpriges Kopfsteinpflaster können zum Hindernis werden, wenn man zum Beispiel Gehhilfen oder einen Rollstuhl benötigt.
Um einen Eindruck davon zu gewinnen, war der Fränkische Tag mit Dieter Ranz und seiner Ehefrau Margarete im Eberner Stadtgebiet unterwegs. Begleitet hat uns außerdem die Stadträtin Isabell Kuhn (Junge Liste). Sie ist Eberns Referentin für Soziale Angelegenheiten, Behinderte und Senioren.

Türen öffnen

Die 91-jährige Margarete Ranz ist auf den Rollstuhl angewiesen und wird von ihrem Mann regelmäßig spazieren gefahren. Dabei müssen die beiden das eine oder andere Hindernis überwinden. "Das fängt schon bei den Türen an", sagt Dieter Ranz (83), als er seine Frau auf den Ausgang des Seniorenheims St. Elisabeth zuschiebt. "Die müssten automatisch aufgehen." In diesem Fall ist das nicht Aufgabe der Stadt, sondern des Diakonischen Werkes Bamberg-Forchheim, das das Seniorenheim betreibt. Besserung ist immerhin in Sicht: Bei der anstehenden Sanierung des Heims sind solche Verbesserungen nach Auskunft der Diakonie fest eingeplant.

Enge Gehsteige

Draußen in der Stadt zeigt sich dann in der Kapellenstraße auf dem Weg Richtung Marktplatz das erste Hindernis, das unter Umständen auch schon so manchem nicht gehbehinderten Fußgänger aufgefallen ist: Die Gehsteige sind an einigen Stellen sehr schmal. Bei Gegenverkehr auf der Fahrbahn wird des mitunter für Spaziergänger gefährlich.Wer nicht aufmerksam ist, riskiert eine Berührung mit vorbeirauschenden Fahrzeugen. Und mit einem Rollstuhl kann man schon mal an einer Bordsteinkante hängenbleiben und auf die Fahrbahn geraten.
Die Möglichkeiten für die Stadt sind hier begrenzt: Eine Verbreiterung der Gehwege ginge nur auf Kosten der Fahrbahnbreite - und in der Altstadt sind die Fahrspuren bisweilen ohnehin unübersichtlich und eng. Weiter oben Richtung Markt wird es erneut eng, Fußgänger müssen bei Begegnung auf die Straße ausweichen. Und: Auch das Pflaster, das nun folgt, ist für Rollstuhlfahrer ziemlich anstrengend - sie werden regelrecht durchgeschüttelt.
Das Problem mit dem Pflaster etwa teilt Ebern mit vielen anderen Städten. Früher war bei der Stadtplanung nicht so viel Wert darauf gelegt worden, barrierefrei zu bauen. Die Ansichten änderten sich erst nach und nach.

Stadt Ebern ist gewillt

Für Isabell Kuhn ist es seit Jahren eine Herzensangelegenheit, auf die Probleme aufmerksam zu machen. Die 37-Jährige arbeitet bei der Lebenshilfe in Ebern mit behinderten Menschen und kennt die Probleme, die sie im Alltag haben, nur allzu gut. "Wenn man nicht betroffen ist, registriert man es halt einfach nicht", sagt sie. Das meint sie nicht vorwurfsvoll. Sie will lediglich erreichen, dass das Thema im Fokus bleibt. Die Stadtführung von Ebern verschließt sich in dieser Hinsicht nicht, das freut Kuhn. "Ich glaube, mit unserem neuen Bürgermeister haben wir einen guten Partner gefunden, der gerade in sozialen Bereichen ein offenes Ohr hat."
Beim Rundgang mit dem Ehepaar Ranz zeigt sich auch, dass sich an einigen Stellen bereits etwas getan hat. So ist etwa die Stadtpfarrkirche über einen Seiteneingang mit automatischem Türöffner gut zu erreichen. Einige Geschäfte und Banken in Eberns Innenstadt haben ebenfalls einen barrierefreien Zugang ermöglicht oder eine Klingel angebracht, die Gehbehinderte nutzen können, so dass ein Mitarbeiter nach draußen kommt.
In der Neubrückentorstraße und im Durchgang bei der Tourist-Information wurde ein Pflaster verwendet, dass für Rollator- oder Rollstuhlnutzer deutlich angenehmer zu befahren ist. Auch am Ämtergebäude weist ein Schild auf den barrierefreien Eingang mit Rampe im Innenhof hin.
Dass die bayerische Staatsregierung bis 2023 ganz Bayern barrierefrei bekommen will, ist ein hehres Ziel, aber ist es denn auch machbar? "Es liegt natürlich auch daran, wie viel Geld wir zur Verfügung haben", sagt Kuhn. Die Kommunen zum Handeln auffordern sei das eine, aber sie sieht die Staatsregierung in der Pflicht, die Gemeinden und Städte entsprechend zu unterstützen und ihnen auch Mittel zur Verfügung zu stellen.
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