LKR Erlangen-Höchstadt
kaugummiautomaten 

Wer dreht hier am Rad?

Sie gehören seit Jahrzehnten zum Ortsbild und locken meist junge Kunden an. Auch in Höchstadt und Umgebung hängen noch einige Automaten voller Süßigkeiten und kleinen Spielsachen.
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Peter Groscurth und sabine Memmel

Die zehnjährige Anna schüttelt den Kopf und meint: "Nö, da habe ich noch nie Geld rein geworfen." Ihre Geschwister Thea und Moritz stimmen dem zu. Keiner von den dreien hat jemals 20 Cent in Kaugummiautomaten gesteckt. Dabei stehen solche Geräte noch an vielen Standorten. Höchstadt, Adelsdorf, Etzelskirchen - kaum ein Ort, an dem die meist roten Kästen nicht hängen.
Kaugummi-Automaten kennt jeder aus der Kindheit. Früher ließ sich für zehn Pfennige das Plastikkreuz drehen und eine klebrige Kugel fiel heraus. Schön waren die Dinger eigentlich nie. Die Automaten sind häufig verschmiert, viele von ihnen haben Brandspuren und machen einen ziemlich tristen Eindruck. Obwohl innen drin bunte Kaugummis sind oder kleine Spielsachen, die häufig viel zu schnell kaputt gehen beziehungsweise relativ sinnfrei sind. Vor allem an Schulwegen, bei Kindergärten und Bushaltestellen gibt es sie noch.
Herbert Übel als Walsdorf betreibt 150 Kaugummiautomaten im Raum Bamberg, Forchheim und Coburg. Einer davon hängt auch in Höchstadt. "Die Nachfrage hat schon schwer nachgelassen", sagt Übel auf telefonische Nachfrage. Der Reiz, vor allem für Kinder, sei aber nach wie vor vorhanden. "Es lohnt sich schon noch. Ich mach' das aber nebenbei. Wenn ich davon leben möchte, müsste ich aber mehr Automaten betreiben", erklärt Übel.
Die Automatenaufsteller kommen ihrer Hauptkundschaft - den Kindern - gern ein bisschen entgegen. Sie kennen ihre Zielgruppe seit Jahrzehnten schon . Aber die Alterung unserer Gesellschaft sorgt in der Aufsteller-Branche für Sorgenfalten. Weniger Kinder bedeuten nämlich geringere Umsätze.
Am besten liefen nach wie vor Kaugummis, meint ein weiterer Aufsteller, der nicht genannt werden möchte. Entscheidend sei in seinem Geschäft nicht so sehr die Gewinnspanne beim Verkauf eines Produkts, sondern vor allem die Drehzahl. Also, wie viele Kinder ihr Geld in den Automaten stecken.


Bis zu 700 Euro Umsatz

"Wenn Sie ein Produkt mit viel Gewinn haben, das sich nur wenig verkauft, nutzt das nichts", meint der Geschäftsmann am Telefon. Um die Drehzahl am Münzrad hoch zu halten, werden daher neue Trends aufgriffen - wie etwa beliebte Kinderfilme, deren Figuren dann kurze Zeit später in den Automaten liegen. Aber es gibt auch Klassiker, die es seit Jahren gibt: Flummis, Stinkbomben und supersaure Süßigkeiten.
Lohnt sich denn das Geschäft mit den Kaugummiautomaten? Laut Einschätzung des Verbandes der Automaten-Fachaufsteller (Vafa) sei hier kein eindeutiges Ja oder Nein möglich.
Es gebe durchaus noch Standorte, an denen hohe Umsätze bis zu 700 Euro im Jahr möglich seien. Andere Plätze würden nur 20 Euro abwerfen. Allerdings kommen Aufsteller mit ein paar hundert Automaten nicht über die Runden. Um genügend Umsatz zu machen, braucht es schon mindestens 2000 solcher Apparaturen.
Die Behältnisse, in denen sich das Angebot befindet, werden übrigens im Schnitt alle drei Monate ausgetauscht. Insgesamt hat der Inhalt eines Automaten den Wert von 30 Euro.
Verändert hat sich in der Branche in all den Jahren wenig. Mit einer Ausnahme: Die Einführung des Euro sorgte dafür, dass alle Kaugummiautomaten mehr oder weniger über Nacht auf die neuen Münzen umgestellt wurden.


Rentables Geschäft

Für die jungen Kunden hatte das teure Konsequenzen: Was früher zehn oder 20 Pfennige wert war, kostet seitdem das Doppelte. "Das Geschäft rentiert sich", meint der Aufsteller, der über 3000 Automaten in Süddeutschland betreibt. Hin und wieder würden sogar Kinder bei ihm anrufen und nach neuen Spielfiguren fragen: "Für Jungen und Mädchen ist es was Besonderes, wenn sie sich zum ersten Mal alleine etwas am Automaten holen. Wir verkaufen auch ein wenig Freude."
Wenig Freude bereitet aber das mutwillige Zerstören der Automaten. Am schlimmsten sei Silvester. Es soll sogar Aufsteller geben, die im Dezember die Geräte ab- und im Januar wieder aufhängen. Ein Standardautomat kostet übrigens rund 120 Euro.
Und am Geschäft mit bunten Kaugummis und Spielsachen verdient sogar der Staat ein wenig mit. Kommunen regeln nämlich über eine Sondernutzungsgebührensatzung das Aufstellen der Kaugummiautomaten - für einen viertel Quadratmeter Fläche werden demnach in Bamberg fünf Euro pro Jahr an Gebühren fällig.
Wie steht's aber um die Haltbarkeit der Waren in den Kästen? Die Antwort des Aufstellers: "So ein Kaugummi ist so gut wie unverwüstlich. Er wird nur mit der Zeit ein bisschen blass." Wer's mag...
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