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Bad Staffelstein

Wenn kultivierte Konzertposaunisten im Kaisersaal knattern

von unserem Mitarbeiter Andreas Welz Banz — Die spektakulärsten Zerstörungsorgien der Musikgeschichte kennt man von der Rockband The Who. Dass aber kultivierte Konzertposaunisten i...
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Trombone Unit Hannover im Kaisersaal von Banz (von links): Karol Gajda, Angelos Kritikos, Lars Karlin, Johannes Weidner Foto: Andreas Welz
Trombone Unit Hannover im Kaisersaal von Banz (von links): Karol Gajda, Angelos Kritikos, Lars Karlin, Johannes Weidner Foto: Andreas Welz
von unserem Mitarbeiter Andreas Welz

Banz — Die spektakulärsten Zerstörungsorgien der Musikgeschichte kennt man von der Rockband The Who. Dass aber kultivierte Konzertposaunisten ihre Instrumente auf der Bühne zerlegen, auf den Fragmenten weitertuten, knatternd und jaulend umherspringen, das war für die Besucher des 6. Kammerkonzerts in Kloster Banz neu.
Die "Trombone Unit Hannover" servierte zur Matinee am Sonntag eine "Auto Destructive Art" der besonderen Note. "Bolos" hieß das Stück der Jazzkomponisten Folke Rabe und Jan Bark, die damals eigentlich den Zuhörern nur Musikinstrumente vorstellen wollten. In dem auch sonst beeindruckenden Konzert präsentierte sich das Posaunenquartett mit musikalischer Originalität und überzeugte die Zuhörer sowohl mit Barockwerken von Mozart und Telemann bis hin zu zeitgenössischen Komponisten wie Saskia Apon oder Eric Ewazen.
Die vier jungen Musiker präsentierten die Vielfältigkeit und Vereinbarkeit der verschiedenen Musikrichtungen, ergänzt mit extra für das Quartett komponierten Stücken und Bearbeitungen von Orchestermitglied Lars Karlin. Mit ihrer hinreißenden Musik begeisterten die Posaunisten die Besucher, bei dem mit viel Witz und Farbe, aber auch mit großer Professionalität und Genauigkeit musiziert wurde. Sie schmetterten das Adagio Allegro aus Telemanns Concerto 4 so, dass die Putten über dem Kamin des Kaisersaals herunterzufallen drohten, sich aber beim butterweichen Sound des "Graves" wieder versöhnlich zeigten.
Im Teil 1 des Posaunenquartetts des holländischen Komponisten Saskia Apons glaubte man die Typhone der Dampfer in Rotterdamer Hafen zu hören. Wehklagend und schallgehemmt mit lang gezogenen Tönen interpretierten die Ausnahme-Posaunisten Eugène Bozzas "Trois Pièces" oder ließen die Motetten von Bruckner als choristische Einheit erklingen.
Dynamisch und kraftvoll kann man die vier bezeichnen, die alle an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover studiert haben. Sie sind Zauberer auf ihren Instrumenten und zeigten, was alles in der Posaune steckt.
Für Posaunen gibt es wenig Originalliteratur, so sind die Musiker auf Bearbeitungen angewiesen. Mitposaunist Lars Kerling zeigte dabei eine sichere Hand. So lebte das Konzert nicht nur von spannungsreicher Musik, sondern auch von der Spannung, wie musikalische Figuren in ein neues Medium übertragen werden.

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