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Lichtenfels

Wenn die Mutter nach der Entbindung den "Babyblues" bekommt

von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk Lichtenfels — Das Baby ist auf der Welt und das Umfeld erwartet strahlende und glückliche Eltern. Doch nicht immer stimmt das Bild vom süßen Ba...
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Stellten die Ausstellung "Gefühlswellen" im Klinikum vor (von links): Tina Kosuch, Sabine Wegner, Kerstin Heinlein, Martina Behr, Christoph Kuck, Eva Jungkunst und Christian Meißner.  Foto: Gerda Völk
Stellten die Ausstellung "Gefühlswellen" im Klinikum vor (von links): Tina Kosuch, Sabine Wegner, Kerstin Heinlein, Martina Behr, Christoph Kuck, Eva Jungkunst und Christian Meißner. Foto: Gerda Völk
von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk

Lichtenfels — Das Baby ist auf der Welt und das Umfeld erwartet strahlende und glückliche Eltern. Doch nicht immer stimmt das Bild vom süßen Baby und der überglücklichen Mutter mit der Realität überein. Statistisch gesehen erkranken etwa zehn Prozent der Frauen nach einer Geburt an Depressionen oder Angststörungen. In Oberfranken sind davon jährlich etwa 1350 Frauen betroffen. Über die Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der einzelnen Krankheitsbilder informiert die Ausstellung "Gefühlswellen".
Die vom Bayerischen Gesundheitsministerium prämierte Ausstellung ist noch bis 19. Juni im Bereich der Entbindungs- und Neugeborenenstation im 1. Stock des Klinikums zu sehen. "Uns geht es darum, die Krankheit aus der Tabuzone zu holen", erklärt Sabine Wegner von der Abteilung Gesundheit am Landratsamt. Die bekannteste und häufigste Krise nach der Geburt, der "Babyblues" äußert sich durch häufiges Weinen und innere Verzweiflung. Das Tief, verursacht durch den Hormonabfall nach der Geburt, zeigt sich drei bis fünf Tage nach der Geburt und verschwindet genau so schnell, wie es gekommen ist.
Anders dagegen die postpartale Depression, die sich oft schleichend entwickelt und bis zu einem Jahr nach der Entbindung auftreten kann. Typische Symptome sind Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, innere Leere und Verzweiflung, Scham- und Schuldgefühle. Auch die Gefühle dem Kind gegenüber können sehr zwiespältig sein. Die postpartale Psychose ist zugleich die seltenste aber auch schwerste psychische Erkrankung nach der Geburt. Die betroffenen Frauen können Wahnvorstellungen entwickeln, Stimmen hören und nicht mehr zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden. Eine Gefahr nicht nur für die Mutter, sondern auch für ihr Kind, wie Tina Kosuch von der Schwangerschaftsberatung des Diakonischen Werks Coburgs feststellte.
Die Ausstellung klärt über die Symptome und Behandlungsmöglichkeiten auf. Und wie Tina Kosuch deutlich machte, sind bei einer Behandlung die Erfolgsaussichten ausgesprochen gut. Betroffene Frauen können auch das Beratungsangebot der Schwangerenberatungsstelle am Landratsamt in Anspruch nehmen oder sich an die Selbsthilfegruppe "Krise nach der Geburt" in Bamberg wenden (Treffpunkt immer dienstags um 10.30 Uhr in den Räumen der Oase Begegnungsstätte Luitpoldstraße 28, Ansprechpartnerin: Martina Baumeister, Tel. 0951/982100).
In extremen Fällen, dann wenn es um die Bedrohung des Lebens geht, kann eine Aufnahme in der Psychiatrie in Kutzenberg erfolgen. Dabei können betroffene Frauen mit ihren Kindern aufgenommen werden. Landrat Christian Meißner (CSU) unterstrich die Notwendigkeit, ein Tabuthema anzusprechen. Die Ausstellung "Gefühlswellen" wurde vom Netzwerk "Krise nach der Geburt" vom Fachbereich Gesundheitswesen am Landratsamt Bamberg entwickelt. Die Informationstafeln mit Sitzwürfel sind noch bis 19. Juni zu sehen.

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