Lichtenfels
Kabarett 

Wenn Meckis Bouzouki weint

Zum Jaulen: Kabarettist Wolfgang Krebs nimmt nicht nur die Großen der Welt und Bayerns auf den Arm.
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Wenn der Mecki von der Bouzouki singt, dann sieht das so aus.  Foto: Markus Häggberg
Wenn der Mecki von der Bouzouki singt, dann sieht das so aus. Foto: Markus Häggberg
Donald Trump hat gewonnen. Jetzt auch in Lichtenfels. Der "Watschenbaum", den der Kabarettist Wolfgang Krebs in seiner Gala und auf Tour von Ort zu Ort verleiht, ging am Freitagabend im Stadtschloss nach Amerika. Mit einer One-Man-Show riss Krebs das Publikum von den Stühlen und servierte ihm hintersinnig den Sinn gepflegten Unsinns.
Verschachtelt, verschwurbelt, ein immer sprudelnder Quell absurder Bilder und Vergleiche, irgendwo zwischen Sprachkunst, Kalauer und perfekt gesetzten Pausen - so ungefähr könnte man Krebs rhetorische Darbietungen nennen, zu denen er in prominente Rollen schlüpft. Von innen her, wenn man so will, weicht er den politischen Ernst auf, macht er sich über die Söders und Stoibers, Seehofers, Aigners und Becksteins auf eine Weise lustig, bei der der aus Film und Fernsehen (BR) bekannte Mann über die Parodie ein Psychogramm der Dargestellten entwirft und doch ein heiter-freundliches Blödeln zulässt.


Bis zum hochroten Kopf

Das ist irgendwie unverbraucht und vielleicht ist es diese Note, die am Freitagabend half, das Stadtschloss nahezu restlos zu füllen. Lokalkolorit baut der 50-Jährige nur bedingt ein. Und obwohl er sich als Stoiber bis zum hochroten Kopf für fränkische Belange in Rage reden konnte, interessierte ihn ein höheres Ziel: Bayern. Dann begann das Defilee bayerischer Politiker, "aber auch Geistesgrößen", wie das Mitglied der Karl-Valentin-Gesellschaft sich ausdrückte. Bei Markus Söder machte er die Gabe der "rhetorischen Realitätsoptimierung" aus. Oder anders gesagt: Merkmal des Bayerischen Ministers für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat ist Schönfärberei. Mehr noch, er dichtete Söder gar ministerielle Zuständigkeit für dieses Ressort an. Auf seinem Mist wüchsen Notwendigkeiten wie "Gesetze zur Vermeidung von Wellenbildung beim Einstieg in die Badewanne", so Krebs, der bei dieser Schelte die Rolle des Kritikers Edmund Stoibers einnahm. Der Vorwurf ist damit klar: Aktionismus.
Doch aus dem Häuschen geriet das Lichtenfelser Publikum besonders bei einer Abweichung von politischem Kabarett, die in Richtung Kopfschütteln über eine Welt mit Anfälligkeit für schlechten Geschmack ging. Als völlig hirnrissiger Schlagerfuzzi "Mecki Montana" pries er erst sein Lied "Wenn die Bouzouki weint in Montepulciano" an, sang aber unter blonder Perücke, in roten Slippern und rosa Cape seinen zweiten Hit "Wenn die Marimba weint in Wernigerode".
Und das Publikum stimmte mit Lust an der Selbstquälerei ein, sich ausschüttend über so viel mitreißend-schlechten Geschmack samt banalem Refrain. Alles andere als banal ist das Können des 50-Jährigen, der jeden sprachlichen Duktus eines Portraitierten beherrschte und über die angenehme Souveränität verfügt, über eigene Witze nicht lachen zu müssen. Aber er kommt auch gar nicht erst in die Verlegenheit, so gut ist er.
Mit der Schnelligkeit eines Maschinengewehrs übte sich Krebs als Stoiber im kunstvollen Verhaspeln, nannte Senioren "Pensionslasten", sorgte in wohl mindestens sieben Rollen für politische Unkorrektheiten oder Wortverdrehungen am Fließband und ließ als Zeremonienmeister Stoiber in seiner "Watschenbaum-Gala" die Lichtenfelser darüber abstimmen, wer die größte politische Pfeife sein dürfte. Zum Schluss wurde es abseits von Trump doch noch amerikanisch, gelang ihm doch ein Mix aus Lokalkolorit und Kennedy-Stil: Mit "Ich bin ein Lichtenfelser" ging er umjubelt von der Bühne.

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