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Röttenbach

Weit mehr als Garagenflohmarkt

Chronik  Die Initiative "Wir in Röttenbach" koordiniert Menschen, die sich in ihrer Gemeinde einbringen wollen, und bringt sie mit denen zusammen, die Hilfe brauchen. Dabei hat jeder seine ganz eigenen Spezialitäten.
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Bereits vier Mal organisierte WiR einen Garagenflohmarkt in Röttenbach.  Foto: Pauline Lindner
Bereits vier Mal organisierte WiR einen Garagenflohmarkt in Röttenbach. Foto: Pauline Lindner
von unserer Mitarbeiterin Pauline Lindner

Röttenbach — "Wir sind die Röttenbacher Alternative für Menschen, die sich engagieren wollen", sagt Koordinatorin Susanne Neuner über WiR (Wir in Röttenbach). Die Gemeinde, insbesondere Bürgermeister Ludwig Wahl (FW), hat vor vier Jahren die örtliche Ehrenamtsinitiative ins Leben gerufen, nachdem immer wieder Bürger davon sprachen, sie wollten sich ins Ortsleben einbringen, möchten aber aus unterschiedlichen Gründen sich nicht fest binden.
"Wenn jemand sich für zwei Jahre als Vorstand zur Verfügung stellt, muss er damit rechnen, dass er es die nächsten zehn Jahre bleibt", weiß sie aus Erfahrung. Davor scheuen viele zurück. Und dann gibt es noch die Gruppe, die aus beruflichen Gründen nach Röttenbach zog, aber schon jetzt weiß, sie wird in einigen Jahren wieder umziehen. Gleichwohl wollen auch solche Personen sich in ihrem - vorübergehenden - Wohnort einbringen.
Wie das Paar ostasiatischer Herkunft. Es war beim Neubürgertreff zu Gast. Die Veranstaltung, zu der der Bürgermeister mit Vertretern von Vereinen und Organisationen aus dem Ort einlädt, geht auf eine Idee von WiR zurück. "Er lebte schon in vielen Städten, aber so sei er noch nie empfangen worden, hat uns kürzlich ein Neubürger gelobt", erzählt Neuner. Auch den beiden Asiaten muss das gefallen haben, denn kaum 14 Tage später folgten sie einem Aufruf von WiR, um ihre Fähigkeiten einzubringen
Neuner vergleicht vom Ziel her WiR mit Charity-Organisationen. "Aber nicht jeder möchte die gesellschaftlichen Verpflichtungen solcher Vereine." Bei ihnen könnte sich jemand engagieren, so wie er möchte und so lange er möchte oder kann. Die vier Koordinatorinnen rufen deshalb in regelmäßigen Abständen zu Treffen auf, bei denen ein bestimmtes Thema oder ein bestimmtes Projekt vorgestellt und besprochen werden. Interessierte können sich dann in Listen eintragen und ihre Mitarbeit vereinbaren. Das gilt aktuell für den sich etablierenden Flüchtlingshelferkreis.


80 Garagen waren offen

Jeder hat mal was zu vertrödeln, weiß Koordinatorin Brigitte Beck. Manches davon ist sperrig oder umständlich zu einem Flohmarkt zu transportieren. Deshalb ruft WiR zum Garagenflohmarkt auf. Viermal hat das schon prima geklappt. "Das kommt unheimlich gut an. Jetzt im Oktober waren 80 Garagen offen. Es war ein richtig reger Handel und die Leute sind durch den ganzen Ort gegangen", beschreibt sie die Wirkung.
Für vieles geben die Koordinatorinnen nur den Impuls. Sie bringen gewissermaßen die richtigen Leute zusammen. Das gilt für das Nachhilfenetz wie für "WiR tauschen". Hier treffen sich Leute, die "Talente anzubieten haben". Diese "Abteilung" hat 40 feste Mitglieder, die sich gegenseitig durch ihre Fähigkeiten unterstützen und ergänzen .
Es kann aber auch ein Einzelfall sein. So wandte sich ein älteres Ehepaar an Beck. Der Mann war durch einen Schlaganfall an den Rollstuhl gefesselt. Ihn über längere Strecken zu schieben, schaffte die Frau nicht mehr. Deshalb suchten sie jemand aus dem Ort, aus der Nachbarschaft, der bei Bedarf den Mann zum Arzt schob. "Wir konnten da neutral über unser Gemeindeblatt dieses Problem vorstellen, und es fand sich schnell ein Helfer", nennt Beck als Beispiel.
Was Vereine anbieten, ist für WiR tabu. Sie geben eher eine Idee, die eingeschlagen hat, in die Obhut eines Vereines. "Aber es gibt immer Nischen, wo Bürger sagen, das möchte ich unterstützen."
Hundesitting zum Beispiel. Das sind Mitbürger, die für Nachbarn nach Vereinbarung einen Hund ausführen oder ihn bei Abwesenheit des Herrchens oder Frauchens in Pflege nehmen. Ganz anders ausgerichtet ist dagegen das Schultaschenprojekt. Alle zwei Jahre ruft WiR die Röttenbacher auf, nicht mehr benötigte Ranzen abzugeben. Die Ehrenamtsinitiative leitet die Spenden dann an eine Hilfsorganisation weiter, die die Waren zum Beispiel nach Rumänien transportiert.
Auch die Kultur kommt nicht zu kurz. In den vier Jahren des Bestehens hat sich ein richtiger Stammkundenkreis gebildet, der regelmäßig an den angebotenen Musik- und Theaterfahrten teilnimmt. "Für die meisten ist das Wichtigste dabei, dass sie von Röttenbach aus starten und selber nachts nicht Auto fahren müssen", berichtet Beck. Und eine Fahrt zum Musical "Ich war noch niemals in New York" nach München, wie sie Anfang November stattfand, ist gewiss nichts Alltägliches.
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