Weißenohe

Weißendorfer Pfarrer gegen Kreuzigungen

Lange halten sie es am Kreuz nicht aus. Die Männer lassen sich meist nach zehn Minuten wieder vom Kreuz holen. Zu unerträglich ist es, zu sehr schmerzt der ...
Artikel drucken Artikel einbetten
Lange halten sie es am Kreuz nicht aus. Die Männer lassen sich meist nach zehn Minuten wieder vom Kreuz holen. Zu unerträglich ist es, zu sehr schmerzt der Körper, in dem an den Händen und Füßen zehn Zentimeter lange Nägel eingeschlagen wurden, um wie Jesus am Kreuz zu hängen.
Dafür lassen sich etliche Männer mehrere Jahre hintereinander am Karfreitag kreuzigen. Diese Karfreitagsprozession, die in vielen Orten der Welt mit Schauspielern nachgestellt wird, ist vor allem auf den Philippinen blutige und grausige Realität, die von der katholischen Kirche verurteilt wird. Der Weißenoher Pfarrer Andreas Hornung ist jährlich auf den Philippinen, um dort Priester auszubilden. Die realistischen Kreuzigungen finden dort nicht statt. Die Diözese, für die er arbeitet, leistet Überzeugungsarbeit, um die Menschen von dieser Praxis fernzuhalten. "Diese Praxis gibt es hauptsächlich im Umfeld von Manila, auf der Insel Luzon", berichtet Pfarrer Hornung. Während die Selbstkasteiung im Mittelalter noch gängig war, wurde sie später als Verirrung oder religiöser Wahnsinn angesehen.
Auf den Philippinen wurde dieser Brauch 1962 erfunden. Er hält in einigen Teilen des Landes bis heute an. Entwickelt hat sich der Brauch aus der Idee der Buße und Auspeitschung, was Missionsorden dorthin gebracht hatten. "Die Kirche versucht die Gläubigen, von diesem Tun abzubringen, um sich selbst keine körperlichen Schäden zuzufügen", erklärt Hornung die Überzeugungsarbeit der Diözese. Die Gründe, sich in der Karwoche kreuzigen zu lassen, sind unterschiedlich.


Gebet und Vergebung

Die einen verstehen es als Gebet, die anderen bitten damit um Vergebung der Sünden. Manche Männer lassen sich kreuzigen, weil sie von einer Krankheit genesen sind. Oder sie bitten um Gesundheit für erkrankte Angehörige. Einige möchten die Erfahrungen mit Jesus teilen, wie er den Schmerz auf sich genommen hat.
Nicht jeder, der sich kreuzigen lassen möchte, wird auch gekreuzigt. Ein medizinisches Gutachten, eine Art Zeugnis oder Zertifikat, wird gefordert.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren