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Bad Staffelstein

Weihnachtsidylle der anderen Art

Kabarett  Angelika Beier und Walter Zauner zerlegten im Stadtturm Weihnachten in alle erdenklichen Einzelteile.
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Das Kabarettistenduo Angelika Beier und Walter Zauner begeisterte mit ihrem Programm "Christbaumvergiftung" das Bad Staffelsteiner Publikum.
Das Kabarettistenduo Angelika Beier und Walter Zauner begeisterte mit ihrem Programm "Christbaumvergiftung" das Bad Staffelsteiner Publikum.
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von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk

Bad Staffelstein — Weihnachten, das ist die stille Zeit. Die Zeit der Besinnlichkeit und des Innehaltens. Die Zeit, in der die Familie unter dem Weihnachtsbaum zusammenkommt und die liebevoll ausgesuchten Geschenke auspackt. Es könnte so schön sein, wenn es nicht oft anders kommt als gedacht. "Pack's aus, Pack's endlich aus, du dumme Kuh", lautet die fast gebrüllte Ansage des Schenkers an die Beschenkte.


Beschimpfungen

Die beiden Kabarettisten Angelika Beier und Walter Zauner lassen ihre Zuhörer keine Sekunde darüber im Unklaren, was sie bei ihrem Programm "Christbaumvergiftung" erwartet. Keine besinnliche Weihnacht, sondern eine Auflistung aller nur erdenklichen Katastrophen satirisch aufs Korn genommen. Zwar beginnt der Austausch der Geschenke mit Komplimenten über das geschmackvolle Geschenkpapier, die zauberhaft gebundene Schleife und mündet dann in wüste Beschimpfungen, weil keiner von beiden das Geschenk zuerst auspacken will. Selbst in den Heimatromanen der 1950er-Jahre ist die stade Zeit alles andere als leise. Dann wenn die Kirchturmglocken jegliche Romantik zerstören und die Angebetete schwerhörig ist.
Zwei Stunden lang zerlegen Angelika Beier und Walter Zauner Weihnachten in all seine Bestandteile, lassen kein Klischee aus und nicht jeder überlebt das Fest der Liebe. Als Frau mittleren Alters räsoniert Angelika Beier darüber, dass sich mit den Jahren auch die Geschenke ändern: statt zartem Parfüm - der Duft der Herbstzeitlose.
Statt erotisch-frecher Dessous mit Spitzen und Rüschen - fleischfarbene Liebestöter, die nicht einmal die eigene Großmutter anziehen würde. Vom Exmann gibt es eine Waage, seine Freundin schenkt Thymian zum Abspecken. Letztlich kommt Angelika Beier zu der Überzeugung, dass es wohl das Beste wäre, den ganzen Plunder ins Altersheim zu bringen und sich einen ganz alten Mann zu suchen, für den sie eine junge Frau sein könnte. Derlei Gedankengänge sind Walter Zauner fremd, er brilliert als engagierter Weihnachtsmarktbesucher, der von einem Münchner Weihnachtsmarkt zum nächsten hechtet und dabei keinen Glühwein und Co. auslässt.


Rohrreiniger im Rotwein

Eine Weihnachtsgeschichte ganz anderer Art ist Brunos Ende. Darin denkt Heide-Marie darüber nach, wie sie ihren Bruno am Weihnachtabend vergiften könnte. Arsen, Zyankali, Pflanzenschutzmittel oder Rattengift - kommt alles nicht infrage. In der weihnachtlich geschmückten Putzabteilung eines Münchner Kaufhauses kommt Heide-Marie auf die Idee, ihren Bruno mittels Rohrreiniger zu vergiften, den sie seinem geliebten Rotwein zusetzt. Ganz ohne Gift geht es natürlich auch, wie eine Plätzchenbäckerin beweist.
Sie stopft ihrer besseren Hälfte gleich haufenweise Nougatkipferl, Aachener Printen, Ingwerhäufen und Dutzende weiterer Plätzchen in den Mund, bis der Mann schließlich zusammenbricht. Wenn im Laufe des Lebens die Familie auf drei Ex-Männer, plus eigenes Kind, plus die noch lebenden Eltern, fünf Stiefkinder, diverse Stiefväter und -mütter und auf sieben Geschwister zwischen zwei und 57 Jahren angewachsen ist, dann dauert der weihnachtliche Besuchsmarathon halt 17 Stunden.


Wiskyflasche im Stollen?

Wenn ein Stollenrezept nach einer ganzen Flasche Whisky verlangt, sollte man schon stutzig werden. Sonst ist man, noch bevor das Gebäck im Ofen ist, betrunken. Schließlich war von Angelika Beier und Walter Zauner noch zu erfahren, dass Männer im Weihnachtseinkauf die schlechteren Nerven besitzen. Da kann der Einkauf einer Krippe schon zu einem Nervenzusammenbruch führen. Eine Uraufführung gab es auch. Eine fünfstimmige Weihnachtskantate, die in dieser Form wohl einmalig gewesen sein dürfte. Dem Publikum hat es Spaß bereitet.

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