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Sand am Main

Wegen 1,99 Euro in den Knast

Strafprozess  Das Jugend-Schöffengericht am Haßfurter Amtsgericht verurteilte einen 18-Jährigen wegen Diebstahls zu einer Haftstrafe. Die Beute hatte zwar einen geringen Wert, aber die Dreistigkeit des jungen Mannes ist kaum zu überbieten.
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von unserem Mitarbeiter Helmut Will

Haßfurt/Sand — Kein Unbekannter ist für die Justiz ein 18-jähriger Mann, der am Montag vor dem Jugend-Schöffengericht des Amtsgerichts Haßfurt wegen eines Ladendiebstahls saß. Er hatte im Mai 2015 in Sand aus einem Markt eine Packung Kekse im Wert von 1,99 Euro entwendet. Das Urteil des Jugend-Schöffengerichts lautete auf Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten ohne Bewährung. Das klingt hart, allerdings gibt es eine Vorgeschichte.
Sieht man die Dreistigkeit und das Vorstrafenregister des offensichtlich unbelehrbaren Angeklagten, wird das Urteil verständlich. Am 4. Mai 2015 saß der Angeklagte wegen eines Einbruchdiebstahls mit weiteren Mittätern auf der Anklagebank des Amtsgerichts und erhielt damals eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung. Nicht zu überbieten an Unverfrorenheit ist jedoch, wie es das Jugendschöffengericht und die Staatsanwaltschaft sah, dass er noch am gleichen Tag nach seiner Verurteilung den Ladendiebstahl in Sand mit der Schadenssumme von 1,99 Euro beging. "Eine schnellere Rückfall-Geschwindigkeit kann man sich ja wirklich nicht vorstellen", sagte Staatsanwältin Anne Christine Breith in ihrem späteren Plädoyer.
Der Angeklagte, der mit seiner Verteidigerin Martina Walter erschienen war, sagte, dass er am besagten Tag in dem Markt in Sand eingekauft habe. Geld hierzu habe er von seinem Vater erhalten. Weil er noch etwas brauchte, sei er nach dem ersten Einkauf nochmals in den Markt gegangen und habe sich dort zwei Flaschen Getränke und die Kekspackung geholt. Die Getränke habe er bezahlt, um dann zu einer anderen Kasse zu gehen, um die Kekse zu bezahlen. Die Schilderung veranlasste den Vorsitzenden des Jugend-Schöffengerichts, Richter Martin Kober, zu der Frage: "Kommt Ihnen diese Einlassung nicht selbst etwas seltsam vor?" Es sei so gewesen, wie er es gesagt habe, entgegnete der Angeklagte.
Der Sachbearbeiter der Polizei Haßfurt schilderte die Angaben der Kassiererin, die den Angeklagten zur Anzeige brachte. Demnach wollte der 18-Jährige das Geschäft verlassen, ohne die Kekse zu bezahlen.
Die 53-jährige Kassiererin des Supermarktes bestätigte eindeutig, dass der Angeklagte zwei Flaschen Getränke bezahlt habe und dann mit der unbezahlten Kekspackung aus dem Geschäft gehen wollte. Als er schon aus dem Kassenbereich heraus war und das Geschäft verlassen wollte, habe sie ihn auf die unbezahlten Kekse angesprochen und die Polizei gerufen.
Franz Heinrich von der Jugendgerichtshilfe konnte dem Angeklagten keine günstige Sozialprognose ausstellen. Auf Anschreiben wegen eines Gespräches habe der junge Mann nicht reagiert und im Vorfeld schon angebotene Hilfen durch das Jugendamt abgelehnt.
Die Angaben, die Kekse noch zahlen zu wollen, wertete Staatsanwältin Breith als "Schutzbehauptung. Am Tag seiner Verurteilung klaute er gleich wieder." Sie beantragte ein Jahr und fünf Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung.
Die Verteidigerin des Angeklagten, Rechtsanwältin Martin Walter, sah den Diebstahl aufgrund der Umstände als nicht erwiesen an. Ihr Mandant sei nach seiner Verurteilung am gleichen Tag "kopflos" gewesen und habe vergessen zu bezahlen. Sie forderte Freispruch.
"Banal" sei es, wenn man ihm den Diebstahl zutraue, sagte der Angeklagte in seinem letzten Wort. Der 18-Jährige hat im Bundeszentralregister bereits sechs Eintragungen wegen verschiedener Vergehen.
Das Jugend-Schöffengericht mit Richter Martin Kober hatte an der Tat des Angeklagten keine Zweifel. Es folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte ihn zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und fünf Monaten ohne Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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