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Kulmbach
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Warnstufe gelb für den Borkenkäfer

Das nasskalte Wetter hat die Schädlinge bislang in Schach gehalten. Doch sie stehen in den Startlöchern. Privateigentümer sollten jede Woche einen Spaziergang durch ihren Wald machen.
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Machen sich Sorgen wegen des Borkenkäferbefalls: Gerhard Lutz, Abteilungsleiter am Kulmbacher AELF (links), und Fritz Maier, Leiter der Bayerischen Staatsforsten in Nordhalben.  Foto: Adriane Lochner
Machen sich Sorgen wegen des Borkenkäferbefalls: Gerhard Lutz, Abteilungsleiter am Kulmbacher AELF (links), und Fritz Maier, Leiter der Bayerischen Staatsforsten in Nordhalben. Foto: Adriane Lochner
Buchdrucker und Kupferstecher sind in diesem Fall keine alten Handwerksberufe, sondern gefürchtete Waldschädlinge. Es handelt sich um zwei Arten von Fichtenborkenkäfern, die auch dieses Jahr ihr Unwesen treiben. Ihre Namen kommen von den Mustern, die die Larven unterhalb der Baumrinde graben. Durch die Bastschicht fließt das Lebenselixier des Baumes. Ähnlich wie unser Blut transportiert es Nährstoffe zu lebenswichtigen Organen. Wird der Fluss von der Krone zu Stamm und Wurzeln gestört, bricht der Stoffwechsel zusammen. "Das ist wie ein Multiorganversagen. Irgendwann kommt der Wassertransport zum Erliegen, dann stirbt der Baum", sagt Fritz Maier, Leiter der Bayerischen Staatsforsten in Nordhalben. Im Frühjahr beginnen die Käfer bei Temperaturen von 16,5 Grad Celsius auszuschwärmen. Haben die männlichen Späher einen Baum gefunden, senden sie Sexualpheromone aus, um Weibchen anzulocken. Sind genügend Käfer da, gibt es einen anderen Duftstoff, der signalisiert "dieser Baum ist besetzt". Schon nach sechs Wochen sind die Jungkäfer geschlechtsreif und befallen weitere Bäume. Der Kreislauf beginnt von vorn. Ein Käferweibchen legt innerhalb einer Saison etwa 200 Eier. Unter optimalen Bedingungen werden aus einem Käfer 100 000.
"Unser Hauptanliegen ist es, die Käferbäume schnell zu finden", sagt Maier. Zum Forstbetrieb Nordhalben gehören 15 000 Hektar von der Thüringer Grenze bis nach Hof, Kulmbach, Kronach und Bayreuth. Insgesamt 50 Waldarbeiter und Förster führen mehrmals im Jahr Kontrollen durch. Befallene Bäume werden gefällt und unverzüglich ins Sägewerk geschafft. "In richtig schlechten Jahren können das um die 40 000 Festmeter Käferholz sein", sagt Maier, das entspreche einem wirtschaftlichen Schaden von mehr als einer halben Million Euro. "Tut man nichts, stirbt der ganze Wald ab", so Maier. Vor allem Stürme und Trockenperioden schwächen die Bäume und fördern so die Vermehrung der Schädlinge.
Um die Borkenkäfer-Früherkennung zu beschleunigen, arbeiten die Staatsforsten seit diesem Jahr mit einem Programm für Tablet und Smartphone. Wo früher Käferbäume aufwendig mit Stift und Papier kartiert wurden, gehen die Meldungen der Förster heute in Echtzeit an die Zentrale. Durch systematisches Vorgehen und hohen Personaleinsatz haben die hiesigen Staatsforsten den Borkenkäfer im Griff. In den Privatwäldern sieht es anders aus.
Allein im Landkreis Kulmbach gehören etwa 20 000 Hektar Wald geschätzten 5000 Privateigentümern. Alle von ihnen sind gesetzlich verpflichtet in Borkenkäfer-kritischen Zeiten, ihren Wald alle 14 Tage abzusuchen. Gerhard Lutz, Abteilungsleiter im Kulmbacher Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), erklärt: "Viele Waldbesitzer sind überfordert, können das nicht flächendeckend leisten. Wir beobachten eine Veralterung. Der 75-jährige Vater kümmert sich um den Wald, die Kinder sind berufstätig und haben keine Zeit."
"Wir kümmern uns hauptsächlich um Beratung und Förderung. Borkenkäfersuche ist nicht unsere vorrangige Aufgabe", sagt Lutz. Im Landkreis Kulmbach arbeiten lediglich vier AELF-Revierleiter und zwar in Thurnau, Neuenmarkt, Stadtsteinach und Burghaig. Entdecken sie Borkenkäferbefall, bekommt der Eigentümer Post. Er wird aufgefordert, das Käferholz innerhalb von drei Wochen zu entfernen. Gleichzeitig wird das Landratsamt informiert. Kommt der Waldbesitzer seiner Pflicht nicht nach, beauftragt es externe Forstunternehmer. Die Kosten trägt der Waldbesitzer.

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