Ahorn
Kultur 

Wald, Geschichte und Geschichten

Eine neue Ausstellung im Gerätemuseum Ahorn beschäftigt sich dem Wald und seiner Bedeutung für die Menschen im Wandel der Zeit. Bilder und Texte des Bayerischen Staatsarchivs wurden in Ahorn mit rund 250 eigenen Exponaten ergänzt.
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Museumsleiterin Chris Loos führt durch die neue Ausstellung im Gerätemuseum Ahorn. Foto: Rainer Lutz
Museumsleiterin Chris Loos führt durch die neue Ausstellung im Gerätemuseum Ahorn. Foto: Rainer Lutz
Es ist die Generation, die noch im Wald "Streu gerecht" hat, die sich bestimmt für die Ausstellung "Waldgeschichten, Forst und Jagd in Bayern 811 bis 2011" interessiert. Am Donnerstag eröffnet, ist sie bis Ende Oktober im Gerätemuseum Ahorn zu sehen. Im Idealfall nimmt die "Streu-Generation" ihre Kinder und Enkel mit dorthin. Der Rundgang vermittelt viel über die ewige Verbindung zwischen Mensch und Wald, darüber, wie sich diese Verbindung im Laufe der Zeit verändert hat - und doch wieder nicht.
Chris Loos, die neue Leiterin des Museums, findet die Sonderausstellung vor allem wertvoll: "Weil sie das Leben der einfachen Bevölkerung zeigt." Es geht nicht um die hohen Herrschaften aus Schlössern und Burgen. Der Blick richtet sich auf die Landbevölkerung, auf Hirten, die Rinder, Schafe oder Schweine in den Wald trieben, damit sie dort Nahrung finden konnten. Bilder zeigen die schwere Arbeit, die das Holzfällen in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten gewesen ist, als mit Axt und Ziehsäge in den Forst gezogen wurde.
Texte und Fotos übernahm das Museum vom Bauernmuseum Bamberger Land. Dort war die Ausstellung in den vergangenen drei Jahren zu sehen. Konzipiert wurde sie vom Bayerischen Staatsarchiv, wie Chris Loos erklärt. In Ahorn kommen nun noch eine Menge Gegenstände dazu. "Wir haben die Ausstellung mit 250 Objekten aus unserer eigenen Sammlung bestückt", erklärt die Museumsleiterin.


Geschichte für Generationen

So kann sich die junge Generation von der alten idealerweise erzählen lassen, wie es war, als Baumstämme noch per Hand mit dem Eisen entrindet wurden. "Wie das Ergebnis aussieht, können die Leute gleich vor der Tür an unserem Bauerngarten sehen", sagt Chris Loos. Der Zaun wurde nämlich nach alter Handwerksart von Hand gefertigt. Über Wendhaken, Axt und Handsäge führt die Zeitreise durch die Waldarbeit bis hin zu Motorsägen. Die gehören zwar nicht zum Bestand des Ahorner Museums, aber zur Darstellung der Entwicklung der Waldarbeit, die bis zu Forstmaschinen wie dem Harvester führt, der heute aus den Wäldern kaum noch weg zu denken ist.
Die Geschichten rund um den Wald, die Menschen und ihre Arbeit mit dem Rohstoff Holz erzählen fast nebenbei Geschichte. Denn gestreift wird auch die Nutzung des Waldes zur Jagd - die einst ein Herrenrecht war. So wie sich die Geschichte wandelte von Feudalherrschern hin zu gewählten Volksvertretern, so wandelte sich auch das Recht an der Jagd - und irgendwie auch nicht in dem Maß, das Außenstehende vielleicht vermuten.


Rohstoffe aus dem Wald

Stärker ist der Wandel ausgefallen, den der Wald als Lieferant von Rohstoffen durchleiden musste. Köhlerei, Pottaschensieden, Kalkbrennen, Streu rechen sorgten neben der Entnahme von Bau- und Brennholz sowie Reißig für den Backofen dafür, dass die Wälder regelrecht ausgelaugt wurden. Die im wahrsten Sinne ausgekehrten Wälder sind in der Vorstellung vieler Menschen das Idealbild eines "ordentlichen" Waldes geblieben. Ihnen ist schwer zu vermitteln, dass Wälder mit Bäumen aller Altersklassen, mit Büschen und Sträuchern, Totholz und liegen gebliebenen Ästen viel gesünder und die einzig zukunftsfähigen sind. Auch bei diesem Sinneswandel kann die Ausstellung ein wenig helfen.
Sie erinnert aber auch daran, wie wichtig Holz in unserem Alltag bis heute geblieben ist. Längst wurde der Wald wieder zum Lieferanten für nachwachsendes Baumaterial. Möbel, zahllose Gebrauchsgegenstände bis hin zum Papier sind auf das Holz angewiesen, das dazu aber eben auch geschlagen werden muss - worüber sich heute der eine oder andere gern aufregt, der den Wald für sich als Ort der Freizeitnutzung entdeckt hat.
Nachdenken über den Wald und seine Geschichte lässt der Besuch der Ausstellung. Sie fordert aber auch ein, nachzudenken über die Zukunft des Waldes. Darüber wie Forstleute bereits jetzt den Wandel eingeleitet haben, den ihnen das sich ändernde Klima aufzwingt. Es werden andere Baumarten gepflanzt als früher, weil Förster damit rechnen, dass die Fichte beispielsweise schon in wenigen Jahrzehnten für die Wälder unser Region nicht mehr geeignet sein wird. Und doch wissen sie, dass sie gezwungen sind, zu handeln, ehe sie wirklich wissen, was kommt. Im Wald wird stets über Menschengenerationen hinweg geplant und agiert. Was richtig war, werden die Enkel der heutigen Waldbauern sagen können. Doch wie Chris Loos über die Ausstellung schreibt: "Nur wer die Vergangenheit kennt, versteht die Gegenwart und kann die Zukunft vorhersagen." Deswegen lohnt sich der Besuch dieser Ausstellung im Gerätemuseum nicht nur für die, die bis heute unmittelbar mit dem Wald und vom Wald leben.
Das Museum hat Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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