Lichtenfels

Vorwurf der Vergewaltigung nicht haltbar

Die Vorwürfe der Anklage waren gewichtig: Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Körperverletzung. Das alles soll ein 32-Jähriger einer 41-jährigen Lichtenf...
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Die Vorwürfe der Anklage waren gewichtig: Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Körperverletzung. Das alles soll ein 32-Jähriger einer 41-jährigen Lichtenfelserin angetan haben. Doch was so gewichtig begann, sollte sich während des Prozesses vor dem Schöffengericht am Mittwoch ausdünnen. Was blieb, war eine Verfahrenseinstellung gegen Zahlung von 150 Euro.
Staatsanwältin Jana Huber verlas die Anklage, die davon sprach, dass die 41-Jährige zu fünf Zeitpunkten im Hebst 2015 während ihrer Aufenthalte in der Lichtenfelser Wohnung des neun Jahre jüngeren Mannes schlimmen Behandlungen ausgesetzt gewesen war. Das Verlassen der Wohnung sei ihr in zwei Fällen nur gegen Sex zugebilligt und dieser sei von dem Mann erzwungen worden. Doch nach und nach und aufgrund der mitunter sprudelnden wie sprunghaften Erzählweise von Angeklagtem wie Opfer sollte sich ein anderes Bild ergeben. Bis hin zu ihrer Einlassung, dass nie eine Vergewaltigung vorkam. Der Beschuldigte bestritt eine solche stets vehement und erklärte, jedweder Sex sei einvernehmlich gewesen. Reibereien aufgrund vormaliger oder noch nicht gelöster Beziehungen scheinen bei dem Paar oft vorgekommen zu sein. So wurde als Grund dafür, weshalb die Frau bei einem Vorfall die verschlossene Wohnung nicht verlassen durfte, vom Angeklagten genannt, dass zwei ihrer Ex-Freunde von außen "gegen die Tür bumperten". Diese seien von ihr per Handy zu Hilfe gerufen worden.
Zeitweise sah es während der Verhandlung so aus, als habe die 41-Jährige mit vier Männern in näherem Kontakt gestanden. Oft berichtete die 41-Jährige von den Schattenseiten des Angeklagten. Auch schalt sie ihn mehrmals, er möge mit seinem Grinsen aufhören. Mal berichtete sie davon, wie er "immer aus dem Nichts aufgetaucht" sei, dann davon, wie er zu ihrer Blamage in einem Lokal Fotos von ihr hergezeigt habe. Doch auf die eigentliche Frage, wie das mit der Vergewaltigung vonstattengegangen sei, ging die Frau ausweichend oder gar nicht ein. "Sie reden sehr viel und ich bringe das nicht auf die Reihe", bemerkte Richterin Ulrike Barausch. Da die Vergewaltigungen im Schlafzimmer stattgefunden haben sollen, die Frau aber davon sprach, dass noch auf der Couch im Wohnzimmer alles in Ordnung war, wollte das Gericht von ihr wissen, wie sie denn ins Schlafzimmer gekommen sei. Zu hören bekam es etwas, das so klang, als ob ein Herumalbern Teil des Vorspiels gewesen sein könnte und sie ins Schlafzimmer getragen wurde. Ärztliche Atteste lagen gleichfalls nicht vor. An diesem Punkt angelangt, bemerkte die Richterin, dass sich ihr die Frage stelle, ob für den Angeklagten überhaupt erkennbar gewesen sei, ob der folgende Sex einvernehmlich war oder nicht. "Ein Tatnachweis hinsichtlich einer Vergewaltigung ist nicht zu führen", so Barausch. Kurz zuvor signalisierte auch Staatsanwältin Huber eine Einstellung des Verfahrens. Das geschah auch. Was dem Beschuldigten in die Hände gespielt haben mochte, ist sein nun beruflicher Aufenthalt im Ausland. So erging als Einstellungsauflage an ihn neben der Aufforderung zur Zahlung von 150 Euro auch die Weisung, sich von der 41-Jährigen fernzuhalten. MH

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