Haßfurt
Amtsgericht 

Vorschnelle Anzeige rächt sich

Eine Meinungsverschiedenheit zwischen zwei jungen Frauen geht für die eine ungut aus. Weil sie bei einem Betrug, den sie selber mitmachte, gegen die Freundin Anzeige erstattet hat, droht ihr nun auch ein Ermittlungsverfahren.
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Wichtig: Eine Strafanzeige bei der Polizei darf man nicht aus Jux und Tollerei stellen. Wer beispielsweise nur aus Rachegelüsten so etwas macht, muss damit rechnen, selber ins Fadenkreuz der Justiz zu kommen. Genau dies blüht einer jungen Frau (28 Jahre), die im Zeugenstand vor Gericht ihre 21-jährige Freundin auf der Anklagebank "raushaute", jetzt aber selbst dran ist.
Die Vorgeschichte: Laut der von Staatsanwalt Ralf Hofmann verlesenen Anklageschrift ging es um den folgenden Vorfall: Die heranwachsende Angeklagte, die als allein erziehende Mutter ein zweijähriges Kleinkind versorgt, ließ sich Anfang September 2015 von einemVersandhandel unter anderem einen Laptop für 841 Euro sowie diverse Klamotten schicken. Da sie unter ihrem eigenen Namen nichts gekriegt hätte, gab sie den Namen einer Bekannten an - dabei handelte es sich um die oben genannte 28-jährige Zeugin.


Das Ganze war abgesprochen

In ihrer Einlassung sagte die Beschuldigte, dass sie mit der Freundin abgesprochen habe, dass diese erstmal die Rechnung zahlt. Gemeinsam wäre zudem vereinbart worden, behauptete sie weiter, dass der schuldige Betrag anschließend in monatlichen Raten von 80 Euro zurückbezahlt werden sollte. Irgendwann war es dann - aus welchen Gründen auch immer - zum Knatsch zwischen den Feundinnen gekommen. Und das war der Grund, warum die Ältere zur Polizei marschiert war und die junge Mutter wegen Betrugs angezeigt hatte.
Auf Nachfrage von Hofmann erklärte die Frau nun im Zeugenstand, dass die damalige Bestellung tatsächlich gemeinsam aufgegeben worden sei.


Aus Verärgerung

Nur aus einer Verärgerung und weil sie - grundlos - befürchtet habe, dass die vereinbarten Raten nicht gezahlt werden würden, sei sie zur Polizei gegangen, sagte die 28-Jährige. Später habe sie bei der Polizeiinspektion angerufen und die Anzeige zurücknehmen wollen. Da aber war bereits die Staatsanwaltschaft im Spiel und die Ermittlungen in vollem Gang. Aufgrund dieser Zeugenaussage blieb dem Gericht nichts anderes übrig, als das Verfahren gegen die 21-Jährige einzustellen.


Falsche Verdächtigung

Die Kosten des Prozesses bleiben der Staatskasse. Lediglich die Rechnung ihres Verteidigers Alexander Wessel muss die junge Mutter selber tragen.
Für die 28-jährige Zeugin aber ist es ausgesprochen dumm gelaufen: Sie muss mit einer Anklage wegen falscher Verdächtigung rechnen. Diese ist ist ein Ehrdelikt nach Paragraph 164 des deutschen Strafgesetzbuches. Immerhin droht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.
Wie der Staatsanwalt im Anschluss an die Verhandlung auf Nachfrage unserer Zeitung erläuterte, nützt es in aller Regel gar nichts, eine einmal abgegebene Strafanzeige "zurücknehmen" zu wollen. Sobald nämlich die Polizei als Strafverfolgungsbehörde die Kenntnis von einer Straftat erlangt, ist sie verpflichtet, zu ermitteln.


Kein öffentliches Interesse

Eine Ausnahme gibt es: Bei einer Beleidigung besteht kein öffentliches Interesse. Sie wird von der Justiz nur auf einen eigens gestellten Antrag verfolgt.

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