Bamberg

Vor lauter Glück bei Rot über die Ampel

Sabine Christofzik Bamberg — Alles Routine. Doch, so kann ein erster Ausbildungstag verlaufen - weil man sich an seinem zukünftigen Arbeitsplatz schon beste...
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Das rote "Reportermobil" war in Studenten-Tagen viele, viele Kilometer für den FT im Einsatz. Das L-Kennzeichen stand 1988 übrigens noch nicht für Leipzig sondern für "Stadt Lahn", eine Totgeburt der Gebietsreform in Hessen, die die Altkreise Gießen, Wetzlar und Dillenburg vereinen sollte. Schon bald wurde es durch LDK ersetzt, als Gießen sich wieder freigestrampelt hatte. Foto: privat
Das rote "Reportermobil" war in Studenten-Tagen viele, viele Kilometer für den FT im Einsatz. Das L-Kennzeichen stand 1988 übrigens noch nicht für Leipzig sondern für "Stadt Lahn", eine Totgeburt der Gebietsreform in Hessen, die die Altkreise Gießen, Wetzlar und Dillenburg vereinen sollte. Schon bald wurde es durch LDK ersetzt, als Gießen sich wieder freigestrampelt hatte. Foto: privat
Sabine Christofzik

Bamberg — Alles Routine. Doch, so kann ein erster Ausbildungstag verlaufen - weil man sich an seinem zukünftigen Arbeitsplatz schon bestens auskennt. Das ging nicht nur Altenpflege-Azubi Markus gestern so, sondern auch einer Volontärin, die am 1. September 1989 ihren Dienst in der FT-Lokalredaktion Bamberg-Stadt angetreten hat.
Spannend war der Abend zuvor. Als 22-jähiges "Hühnchen" zum ersten Mal allein Spätdienst zu machen im rauen - aber herzlichen - Klima der Mettage (damals wurden die Seiten des Fränkischen Tags noch an Leucht-Klebetischen umbrochen) war nicht einfach. Und so blieb es, bis man gelernt hatte, sich zu behaupten.
Offizielle Aufgabe vor dem offiziellen Start. Das geht, wenn man vorher Praktikant war. Oder quasi Praktikant. Alle, die erst nach kniffligen Tests und aufregenden Interviews einen Ausbildungsplatz gefunden haben, sollten vor dem Weiterlesen vielleicht erstmal tief einatmen.
Assessmentcenter - davon brauchte nicht alpträumen, wer vor 27 Jahren beim Fränkischen Tag zur Redakteurin ausgebildet werden wollte. Sogar die Einstellung ohne offizielles Vorstellungsgespräch gab es.
Halt, ganz stimmt das nicht. Es waren gefühlt 50 "Bewerbungsgespräche" in eineinhalb Jahren (und in Wahrheit zehn oder 15), mit dem Mann, der für das "Okay" zuständig war: dem damaligen Herausgeber Bernhard Wagner.
Alle fanden an ungewöhnlichen Orten statt: mal im Rathaus Geyerswörth, mal im Kaisersaal der Residenz, dann wieder auf der Altenburg oder im Dominikanerbau: Überall dort, wo eine auf ein Volontariat hoffende freie Mitarbeiterin mit dem "Obersten" der Zeitung zusammentraf, für die sie ihre Studenten-Wochenden gern "opferte". Manchmal schien es aber auch ratsam, sich bei einem Zusammentreffen die Frage nach den Erfolgsaussichten auf Einstellung zu verkneifen.
Am 28. Juni klingelte das Telefon. Dran war die Sekretärin der Lokalredaktion. Aufträge hatte sie diesmal nicht zu vergeben. Sie fragte stattdessen, wann ich Zeit hätte, mal vorbeizukommen. Eigentlich sofort - aber worum sollte es gehen? "Es gibt gute Nachrichten", sagte sie nur. Der Pulsschlag muss auf 200 geschnellt sein. Mindestens.


Prost Kollegin!

Tür auf. Niemand da. Alle versammelt im Nebenzimmer bei Willy Heckel. Die geselligen Wein-Runden an manchen Nachmittag kannte ich "aus der Ferne", wenn ich Manuskripte und Schwarz-Weiß-Filmrollen ablieferte.
"Jutta, holen Sie doch mal ein Glas für unsere neue Kollegin!" Der damalige Redaktionsleiter hätte keinen schöneren Satz sagen können. Wie macht man heutzutage Ausbildungszusagen? Per E-Mail?


Das hätte übel enden können

Der Glückstaumel an jenem Mittwoch hätte aber durchaus ein übles Ende nehmen können. Zum ersten Mal in meiner damals viereinhalbjährigen Autofahrer-Karriere bin ich über eine rote Ampel gefahren - die erste, die auf dem Weg lag: an der Einmündung des Münchner in den Berliner Ring.
Dienstbeginn war am nächsten Morgen. Da noch zwei Monate und zwei Tage Zeit waren, bis zum Start des Volontariats, lief ich unter "Praktikantin".
Über die Vergütung für diese Zeit hat Rudolf Häußler, der designierte Nachfolger Willy Heckels, vom Rücksitz des Verleger-Mercedes aus verhandelt - auf der Fahrt zu Heckels offizieller Ruhestandsverabschiedung im Rathaus Geyerswörth. 1200 monatlich hat er herausgeschlagen. Mark, nicht Euro.

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