Coburg

Von wegen "nichts für Mädchen"

Wirtschaft  Kerstin Martin ist der lebende Beweis, dass auch eine Frau als Ingenieurin ihren Mann stehen kann.
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Kerstin Martin ist Ingenieurin bei Kaeser Kompressoren. Sie macht jungen Mädchen Mut, sich auch für diesen Beruf zu interessieren.  Foto: Daniela Koehler
Kerstin Martin ist Ingenieurin bei Kaeser Kompressoren. Sie macht jungen Mädchen Mut, sich auch für diesen Beruf zu interessieren. Foto: Daniela Koehler
Coburg — "Es freut mich, wenn ich Leute mit meiner Arbeit begeistern kann", sagt Kerstin Martin. Sie ist Ingenieurin bei Kaeser Kompressoren und war eine der ersten Frauen, die sich bei dem Coburger Druckluftspezialisten für diesen Beruf bewarb. Nach über zwanzig Jahren im Beruf berichtet sie von ihren Erfahrungen.

Frauen in Ingenieurberufen sind auch heute noch eine Seltenheit, trotz vieler Maßnahmen, Mädchen für Technik zu begeistern. Warum sind Sie Ingenieurin geworden? War das schon immer Ihr Berufswunsch?
Kerstin Martin: Mathematik und Naturwissenschaften waren schon in der Schule meine besten Fächer. Deshalb habe ich in der Realschule und in der Fachoberschule den technischen Zweig gewählt. Obwohl ich schon immer studieren wollte, habe ich zuerst eine Ausbildung zur technischen Zeichnerin bei Kaeser gemacht. Anschließend habe ich mein Maschinenbaustudium an der Fachhochschule Coburg begonnen. Nach meinem Diplom-Abschluss habe ich mich wieder bei Kaeser beworben und wurde sofort genommen.

Was macht den Beruf der Ingenieurin für Sie so interessant und spannend? Mit welchem Aufgabenfeld sind Sie betraut?
Mein Beruf ist vielschichtig und interessant, denn ich muss mich zum einen den technischen Herausforderungen stellen, zum anderen darf ich aber auch die Wünsche des Kunden nicht aus den Augen verlieren. Als Ingenieurin in der Sonderanlagenkonstruktion ist es meine Aufgabe, die Produkte und Prozesse kundengerecht zu optimieren. Am schönsten für mich ist es dabei immer dann, wenn ich ein Produkt oder einen Prozess optimieren konnte und der Kunde zufrieden ist. Es freut mich, wenn ich Leute mit meiner Arbeit begeistern kann.

Sie waren 1992 eine der ersten Ingenieurinnen bei Kaeser. Was hat sich seither verändert?
Als ich mein Studium begonnen habe, waren unter 100 Studenten nur vier Frauen. Heute sind immerhin rund 18 Prozent aller Ingenieure in Deutschland weiblich. Allerdings sind die hauptsächlich im Bereich Architektur tätig. Im Maschinenbau und im Elektroingenieurwesen liegt der Anteil nur bei etwa zehn Prozent. Nichtsdestotrotz hat schon ein Umdenken stattgefunden.

Woran liegt dieses nur langsam wachsende Interesse von Frauen für technische Berufe?
Viele Frauen interessieren sich nicht für Technik oder ziehen eine Karriere als Ingenieurin gar nicht in Betracht. Schuld sind möglicherweise die zum Teil noch immer vorherrschenden Klischees, Technik sei nichts für Mädchen, sondern reine Männersache.

Mit welchen Schwierigkeiten haben Frauen in dieser Männerdomäne zu kämpfen?
Am Anfang musste ich mir als Frau meinen Status erkämpfen. Als ich akzeptiert wurde, war es leichter. Nicht alle Männer waren damals begeistert, daher wurde ich als Frau am Anfang oft "ausgetestet". Ich hatte den Vorteil, dass ich durch meine Ausbildung bei Kaeser schon viele Leute kannte.

Welche Voraussetzungen sollten junge Frauen mitbringen, um Ingenieurin werden zu können?
Wichtig ist natürlich eine gewisse Grundbegabung in Mathematik, Physik und Chemie, auch logisches Denkvermögen zu besitzen und abstrahieren zu können, ist von Vorteil. Ansonsten sollten die Mädchen einfach mal über den Tellerrand schauen und sich im Rahmen eines Praktikums oder eines Forscherinnen-Camps auf Technik einlassen, um mögliche Berührungsängste zu verlieren.

Das Gespräch führte
Daniela Koehler.

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