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Burgkunstadt

Von der Schulbank auf den Trail

Sport  Das Gymnasium Burgkunstadt ist seit kurzem neben Badminton auch "Stützpunktschule Mountainbike". Trainiert wird meist im Ebnether Felsenkeller. Für Alexander Krebs und seine Schüler ist das Biken mehr als nur Sportunterricht.
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Der Ebnether Felsenkeller ist für die Mountainbiker des Burgkunstadter Gymnasiums perfekt geeignet.  Fotos: Anja Greiner
Der Ebnether Felsenkeller ist für die Mountainbiker des Burgkunstadter Gymnasiums perfekt geeignet. Fotos: Anja Greiner
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von unserem Redaktionsmitglied Anja Greiner

Burgkunstadt — Michael Trinkwalter hält nach Wurzeln ausschau, während Alexander Krebs erklärt, wie man einen kaputten Fahrradschlauch repariert. Eingebettet ist die Szene in die Kulisse der Ebnether Felsenkeller, einem kleinen Naturschutzgebiet in Burgkunstadt.
Es hat kurz zuvor geregnet, es ist rutschiger als sonst: "Heute nicht balancieren, beim Fahren nicht abbremsen", ruft Sportlehrer Alexander Krebs den Schülern zu, die gerade versuchen, mit ihren Mountainbikes den kurzen Anstieg zu meistern.
Sportunterricht mal anders.

Ohne Eltern ginge es nicht

Alles begann vor sieben Jahren. Damals wurde Alexander Krebs, Sportlehrer am Gymnasium Burgkunstadt, beim Elternsprechtag auf mögliche Mountainbike-Stunden an der Schule angesprochen. Viele der Kinder sind im Verein. Alexander Krebs, 39, fährt selbst Mountainbike, war also von der Idee begeistert.
Zwölf Räder und die entsprechenden Trikots haben sie von Sponsoren und dem Förderverein bekommen.
"Könnt ihr weniger quietschen?", ruft Michael Trinkwalter, Schülervater und selbst Mountainbiker, in Richtung der Schüler. Trinkwalter unterstützt Krebs beim Training oder beim Transport der Ausrüstung, wenn es zu Wettkämpfen geht.
Vor wenigen Tagen sind sie beim Franken-Bike-Marathon in Trieb gestartet. Das Ergebnis? "Super", sagt Krebs. Zwei zweite Plätze und das bei einer viel anspruchsvolleren Strecke, als sie vom Schultraining gewohnt sind.
Mitmachen kann jeder der auch Fahrradfahren kann. Nach einem Trainingstag kann dann auch bereits die erste Wurzel ohne Sturz sicher überfahren werden. Trainiert wird montags von eins bis vier.

Der Bunny-Hop

Dominik Groh ist 16 Jahre alt, geht in die zehnte Klasse. Als ihn Alexander Krebs vor zwei Monaten fragte, ob er nicht mal Mountainbiken probieren wolle, konnte er sich nicht wirklich viel darunter vorstellen. "Aber es war cool, es macht richtig viel Spaß". Vor allem die Fahrten im Wald und wenn er dann Passagen schafft, von denen er vorher dachte, die wären viel zu steil.
Groh hat ein Pflaster am linken Ellenbogen. Beim Franken-Bike-Marathon hatte er in einer Kurve nicht richtig runtergebremst, der Schotter tat sein Übriges dazu. Er ist weitergefahren, in einer Waldpassage nochmal gestürzt und wieder aufgestiegen. "Ich fände es nicht so cool, dann aufzugeben."
Immer mittwochs trainieren die Schüler seit zwei Jahren zusätzlich mit den Fahrern des TV-Redwitz. Einige sind so auch zu Vereinsfahrern geworden. Vor kurzem wurde die Schule auch "Stützpunktschule MTB". Das bedeutet unter anderem Zuschüsse für Sportgeräte und zusätzliche Sportstunden.Möglich
Jannis Trinkwalter ist schon seit knapp einer Minute nicht mehr vom Rad gestiegen - abwechselnd mit Armen und Beinen versetzt er Vorder-und Hinterrad einen Zentimeter über dem Boden, so dass es faktisch steht. "Angeber", ruft einer im Spaß. Andererseits: Wer kann, der kann.
Hüpfend versetzten, heißt es im Fachjargon - Eine der schwersten Technikübungen. Jannis ist zwölf Jahre alt und fährt seit fünf Jahren Mountainbike. Auch im Verein. "Es macht Spaß in der Gruppe zu fahren und das Gefühl, wenn man wieder was geschafft hat", sagt er. Beispielsweise als ihm im vergangenen Jahr zum ersten Mal den Bunny-Hop gelang.
Der Bunny-Hop ist eine Schwimmnudel, die zwischen zwei Holzpaletten gespannt wird. Je nach Können weiter nach oben gebogen. Das Ziel ist es, mit dem Rad darüber zu springen, ohne die Nudel zu berühren. Schwierig sei das, sagt Krebs: "Das Hinterrad hochzuziehen, wenn das Vorderrad in der Luft steht."
Insgesamt 17 Schüler, gemischt durch alle Jahrgangsstufen, sind beim Wahlfach dabei. Darunter auch zwei Mädchen. Jule Trinkwalter ist zehn Jahre, geht in die fünfte Klasse und ist seit Beginn des Schuljahres dabei. Beim Franken-Bike-Marathon ist sie Zweite geworden. "Erste wäre schon besser", sagt sie "aber ich bin auch in U15 gewertet worden, eigentlich wäre ich U13".

Den Altenheimberg im Sommer

Geschicklichkeit trainieren und über Paletten fahren, das mache ihr am meisten Spaß. Seit sich bei einem Sturz im vergangenen Jahr ein Ast in ihren Oberschenkel bohrte sei ihr manchmal ein bisschen mulmig zumute. "Aber ich mach's dann einfach", sagt sie. Der Altenheimberg in Lichtenfels hat eine Steigung von über 35 Prozent, den würde Jule gerne runterfahren können. Wann sie soweit sei? Sie zuckt mit den Schultern. Da ruft ihr Bruder Jannis von hinten: "Im Sommer kannst du es, Jule." "Ok", sagt sie und lacht. "Wenn er das sagt."
Für Krebs zählt beim Mountainbiken neben dem Erlernen der körperlichen Fähigkeiten wie Geschicklichkeit, Ausdauer und Gleichgewicht vor allem die soziale Komponente. "Wir fahren als Gruppe, wir sind eine Gemeinschaft", sagt Krebs. Jeder übernimmt die Verantwortung für den, der hinter ihm fährt.
Sie wissen, was im Notfall zu tun ist, wie man einen Reifen wechselt, einen Schaltzug richtig einstellt und wie man sich im Gelände rücksichtsvoll gegenüber Wanderern verhält.
Für Sportlehrer Krebs ist das Schönste am Mountainbiken die Bewegung in der Natur, die Abfahrt als Belohnung für den Berg, den man geschafft hat. Und wenn es um seine Schüler geht, dann freut ihn vor allem "das Leuchten in ihren Augen, wenn sie das Gefühl haben: ,woa geil, das hab ich jetzt geschafft'".
Bei einer Trainingsfahrt seien sie damals an einen Felsen gekommen. Wunderbar zum Runterfahren, sagt Krebs, alles nur Kopfsache. Die meisten Schüler hätten die Abfahrt verweigert. Da hat er sie erstmal die Fahrräder runterschieben lassen. "Automatisch verlagert man den Körperschwerpunkt so, wie wenn man später fährt".
Am Ende sei dann auch wirklich jeder runtergefahren, und die Augen hätten geleuchtet.

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