Coburg

Von Engeln und Dämonen in erweiterter Tonalität

von unserem Redaktionsmitglied  Gerhard Deutschmann Coburg — Eines guten Besuchs erfreute sich auch die zweite Folge von "COncertino" des Landestheaters mit dem Philharmonischen Or...
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von unserem Redaktionsmitglied 
Gerhard Deutschmann

Coburg — Eines guten Besuchs erfreute sich auch die zweite Folge von "COncertino" des Landestheaters mit dem Philharmonischen Orchester, das diesmal unter der Leitung der 1. Kapellmeisterin Anna-Sophie Brüning musizierte. Im Mittelpunkt stand die Sinfonie "Mathis der Maler" von Paul Hindemith, deren drei Sätze aus der gleichnamigen Oper von 1934 stammen. Sie tragen Überschriften von Bildern des Isenheimer Altars von Matthias Grünewald, welcher auch die Hauptperson der in den Bauernkriegen spielenden Handlung ist.
Die Bilder waren an die Rückwand der Bühne projiziert. Sehr verständlich und pädagogisch geschickt hatte Anna-Sophie Brüning das musikalische Geschehen für das Publikum aufbereitet und vom Orchester abschnittweise anspielen lassen, bevor die Sätze zusammenhängend vom engagiert musizierenden Orchester vorgetragen wurden.

Erst entartet, dann konventionell

Das "Engelskonzert" bildet die Ouvertüre der Oper. Nach drei einleitenden Dur-Akkorden erklingt drei Mal der alte Choral "Es sungen drei Engel", bevor diese in charakteristischen Themen vorgestellt, dann miteinander kunstvoll verknüpft und am Ende mit dem Choral wirkungsvoll verbunden werden. Eine Coda lässt den Satz musizierfreudig ausklingen. Die Dirigentin ging auch kurz auf den Kompositionsstil Hindemiths ein, dem die Obertonreihe zugrunde liegt und der als "erweiterte Tonalität" bezeichnet wird, im Gegensatz zur Schönbergschen Zwölftontechnik.
Die "Grablegung" - in der Oper ein Zwischenspiel - trägt den schmerzlichen Duktus eines Trauermarschs mit klagender Flöte und Oboe. Der umfangreichste Satz "Die Versuchung des Heiligen Antonius", eine Ballettpantomine, ist ein bizarres Stück Musik, voll peitschender Rhythmik und dämonischer Aggressivität.
Am Ende werden die Dämonen in einem 13 Mal erklingenden Ostinato gebändigt und von einer gregorianischen Melodie überstrahlt. Ein festliches "Halleluja" der Bläser versinnbildlicht den Sieg des Heiligen.
Trotz Einsatzes des Dirigenten Wilhelm Furtwängler mit der Schrift "Der Fall Hindemith" führte der Weg dieses "Klassikers der Moderne" als "entarteter Künstler" in die Emigration. Seine Musik wurde erst nach dem Krieg in Deutschland gebührend gewürdigt; heute wird sie von der Avantgarde wiederum als zu konventionell abgelehnt. So ändern sich die Zeiten.
Es ist löblich, dass sich das Landes theater eines herausragenden Werks dieses meisterlichen Komponisten angenommen hat, das heute Abend auch im 4. Sinfoniekonzert erklingen wird. Viel Beifall für die überzeugend und sorgfältig gestaltende Dirigentin und das wendig wie klangschön musizierende Orchester.
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