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Windischenhaig
Vortrag 

Vom Teufelsapfel zum Gottesgeschenk

Der Heimatforscher Adrian Roßner erklärte in Windischenhaig, dass ein Oberfranke der erste Kartoffelanbauer in Deutschland war.
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Publikumsmagnet und Wirbelwind: Adrian Roßner  Foto: Jürgen Valentin
Publikumsmagnet und Wirbelwind: Adrian Roßner Foto: Jürgen Valentin
Er ist ein Publikumsmagnet: Auch bei seinem zweiten Auftritt binnen weniger Wochen in Windischenhaig sorgte der junge Heimatforscher Adrian Roßner für einen vollen Saal in der Gaststätte Hereth-Hahn. Zum Vortrag ""Die Landwirtschaft früher & die Geschichte der Ärpfl" kamen sogar noch mehr Besucher als im Dezember, als der 25-Jährige aus Zell auf Einladung des Feuerwehrvereins über "Raunächte: Brauchtum und Aberglaube" referiert hatte.
Obwohl die Geschichte über den "Ärpfl" vermeintlich weniger emotionsgeladen ist als die der Raunächte, schaffte es Adrian Roßner erneut, das Publikum mit seinem über eineinhalbstündigen Vortrag zu begeistern. Der 25-Jährige, ausgestattet mit einer kräftigen Stimme und einer erstklassigen Aura, zeichnete dabei den Triumphzug der Kartoffel von Amerika über Spanien und die Niederlande bis Oberfranken nach und sorgte auch für eine Überraschung: Denn es war nicht der Preußenkönig Friedrich der Große, der, wie oft behauptet, der Kartoffel in Deutschland zum Durchbruch verhalf, sondern ein oberfränkischer Bauer.


Lange vor Friedrich dem Großen

Lange bevor Friedrich der Große mit dem Befehl zum großflächigen Anbau der Erdäpfel die Hungersnot seiner Untergebenen linderte, hatte der Lehensbauer Hans Rogler aus Pilgramsreuth die Kartoffel bereits hoffähig gemacht. 1647 kaufte der Oberfranke auf einem Markt in Böhmen die bis dato unbekannte Knolle und kultivierte sie auf seinen Feldern im Raum Selb, was anfangs jedoch zu großen Problemen führte.
Nach dem Verzehr einiger Kartoffelpflanzen soll ein Ochse des Nachbarn tot umgefallen sein, weshalb die Kartoffel schnell als "Teufelsapfel" verschrien war. Und der damalige Dorfpfarrer Matthäus Keppel strengte sogar ein Gerichtsverfahren gegen die immer mehr werdenden Kartoffelanbauer an, weil die sich weigerten, den Zehnt abzuführen. Begründung: Laut Vorschrift musste der Zehnt nur auf Körnerfrüchte, nicht aber auf in der Erde wachsende Knollenpflanzen abgegeben werden.
Dank dieser Gerichtsunterlagen konnte letztlich nachgewiesen werden, dass der Oberfranke Hans Rogler tatsächlich der erste Kartoffelanbauer in Deutschland war.
Doch selbst Irrglaube und Gerichtsverfahren konnten den Triumphzug der Kartoffel nicht stoppen, die sich vom "Teufelsapfel" zum "Gottesgeschenk" entwickelte. Vor allem in Krisenzeiten sicherten die nahrhaften Knollen das Überleben. Und deshalb verwundert es nicht, dass es Zeiten gab, in denen die "Erdbirn" an sieben Tagen in der Woche auf dem Speiseplan stand. Auch heute noch nehmen die "Ärpfl" eine dominante Rolle in der täglichen Verpflegung ein. So auch bei Stadtratsenior Horst Zahr: Der 80-Jährige isst täglich Kartoffeln, die er natürlich selber anbaut, wie er eingangs berichtete. In manchen Edelrestaurants werden mittlerweile Kartoffeln mit Heringen oder weißem Käse sogar als besondere Schmankerl angeboten.
Für Herbst 2017 hat der Feuerwehrverein Windischenhaig Adrian Roßner ein weiteres Mal verpflichtet. Dann wird der Heimatforscher wahrscheinlich über die Kulmbacher Spinnerei referieren.

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