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Forchheim
Jahn-Umsiedlung  

Vom Meilenstein zum Stolperstein

Die unterschiedlichen Bewertungsmaßstäbe des Erlöses, der beim Verkauf des Vereinsgeländes im Süden Forchheims erzielt wurde, sind zum finanziellen Hindernis für die Neuansiedlung im Stadt-Norden geworden.
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Auf dem alten Jahn-Gelände zeigt Vorstandsmitglied Hans Schneider die Pläne für die Neuansiedlung im Forchheimer Norden. Deutlich zu erkennen die roten Flächen für die Tennisanlage. Foto: Andreas Oswald
Auf dem alten Jahn-Gelände zeigt Vorstandsmitglied Hans Schneider die Pläne für die Neuansiedlung im Forchheimer Norden. Deutlich zu erkennen die roten Flächen für die Tennisanlage. Foto: Andreas Oswald
Andreas Oswald

Von einem Meilenstein wurde gesprochen, als Mitte März der Vertrag über den Verkauf des bisherigen Jahn-Geländes unterschrieben wurde. Doch auf dem Weg zur geplanten Umsiedlung des Vereins in den Forchheimer Norden gibt es noch Stolpersteine. Im Prinzip geht es in den weiteren Verhandlungen um die Grundstücksbewertung. Und zwar darum, ob die Gutachterbewertung von rund zwei Millionen Euro der weiteren Abrechnung zu Grunde gelegt wird - wie es Jahn gerne möchte und was dem Vernehmen nach auch die Rechtsaufsicht des Landratsamtes empfiehlt - oder der tatsächlich erzielte Verkaufspreis von zirka 3,8 Millionen, was bislang Standpunkt aus städtischer Sicht war. Für den Verein problematisch ist in diesem Zusammenhang ein im vergangenen Jahr gefasster Stadtratsbeschluss. Der fordert von der Sportvereinigung einen Flächenankauf von 19 000 Quadratmetern am neuen Standort im Norden.


Unannehmbare Bedingungen

"Das ist für uns ein K.O.-Kriterium", sagt Jahn-Vorstandsmitglied Professor Hans Schneider, der federführend in Sachen Umsiedlung agiert. Er will jetzt alle Hebel in Bewegung setzen, dass die Kaufverpflichtung aufgehoben wird.
Zur Erinnerung: Für das bisherige Jahn-Grundstück besteht seit Jahrzenten ein Grundbucheintrag zu Lasten des Vereins, der bei einem Verkauf zur Rückübertragung des Geländes an die Stadt verpflichtet wäre.
Der Lösungsweg für den Verein sieht aus Schneiders Sicht so aus: Forchheim verzichtet auf das Rückübertragungsrecht. Damit der Stadt keine Nachteile entstünden, wäre Jahn bereit, auf das südlich gelegene Areal bei den bisherigen Tennisplätzen zu verzichten. Daraus würde sich nach der Rechnung Schneiders für die Stadt ein Wertausgleich von 1,9 Millionen ergeben - und der Verein könnte umziehen. Alles wäre geritzt, wenn der Stadtrat nicht daran die Forderung geknüpft hätte, Jahn müsse eine Fläche von 19 000 Quadratmetern  an seinem neuen Domizil im Norden der Stadt kaufen - genauso viel wie er im Süden aufgeben würde. Dazu muss man wissen, dass im Hintergrund dieses Beschlusses eine Vorsichtmaßnahme der Stadt steht: Denn wenn Jahn die Flächen nur anpachten würde, könnte im Falle einer Insolvenz des Vereins auf nichts mehr zurückgegriffen werden. Für Schneider ein "K.O.-Kriterium" , weil Jahn erstens kein Geld für einen Grundstücks-Neukauf in dieser Größenordnung habe und zweitens, weil nach seiner Darstellung gar nicht genügend zu erwerbender Grund zur Verfügung stehe - höchstens rund 3000 Quadratmeter, der überwiegende Teil wäre nur über Erbbaurecht zu erhalten, sagt der Jahn-Verhandlungsführer.


Null zu Null aufgehende Lösung

Wie Hans Schneider erläutert, sei schon geregelt, dass Jahn den VfB-Platz über Erbpacht bekommen könne. Die beiden seitlichen Fußballfelder, die dem Landkreis gehören, könne man ebenfalls anpachten - wobei Jahn eines der Felder für den Schulsport zur Verfügung stellen würde. Komplizierter gestaltet sich die Lage auf dem Areal im westlichen Bereich, auf dem die Tennisanlage geplant ist: ein Teil des Geländes gehört der Stadt, die größere Fläche der Forchheimer Pfründner-Stiftung - wobei Schneider hier keine Hindernisse für eine Erbpacht sieht. Auf dem gleichen Weg könnte man zu dem oberen westlichen Geländestreifen gelangen, der in Privatbesitz ist. Vom Verein gekauft werden müsste letztlich nur eine am östlichen Rand gelegene Fläche in der Größe von rund 2600 Quadratmetern. "Diese Form der Anpachtung würde für Jahn wirtschaftlich Null zu Null aufgehen", erklärt Schneider.


Gespräche mit den Fraktionen

Vor Wochen, so Schneider, habe er bereits ein Gespräch mit Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) geführt. Der habe ihm gesagt, dass er das Thema zunächst mit der Verwaltung erörtern müsse. Seitdem habe er, so Schneider, nichts mehr von Kirschstein gehört. Jedoch hat der Jahn-Verhandlungsführer inzwischen Kontakt mit den Fraktionen aufgenommen. Mit der SPD habe er bereits gesprochen, mit den Freien Wählern und dem Forchheimer Bürgerforum (FBF) ebenso, berichtet Schneider. Am 19. Juni habe er einen Termin mit der CSU und den Jungen Bürgern. Bei den Grünen warte er noch auf eine Terminvereinbarung - lediglich die FDP habe überhaupt nicht reagiert, stellt Schneider fest. "Ich glaube, dass viele Gespräche bisher sehr emotional geführt wurden - ich versuche das jetzt zu versachlichen", erklärt der Verhandlungsführer. Schneider will die Hoffnung nicht aufgeben: "Man kann sich nicht vorstellen, dass der Jahn - der so viel Jugendarbeit leistet - an so einer Sache kaputt geht".
Oberbürgermeister Uwe Kirschstein indes dämpft die Hoffnung des Vereins, dass der Stadtrat die Forderung eines Grundstückskaufs zurücknehmen könne. "Ein Stadtratsbeschluss ist bindend", betont Kirschstein. Er habe keinen Handlungsspielraum. Dies habe er Schneider bereits deutlich gesagt, erklärt der Oberbürgermeister. Er räumt ein, dass man natürlich auch die Belange des Vereins sehen müsse. Jahn habe mit einem Investor einen Grundstücks-Vertrag geschlossen, den die Stadt bislang nur zur Kenntnis erhalten habe, der nun aber vom Rechtsamt überprüft werden müsse. Zur Frage, wann die Angelegenheit geklärt sein könnte, erklärt Uwe Kirschstein: "Es gibt keine schnellen Lösungen". Es sei ihm aber wichtig, " mit Jahn in einem engen Dialog zu bleiben".

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